Eine Bachelorarbeit schreiben – die Vorgehensweise

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14 Sep Eine Bachelorarbeit schreiben – die Vorgehensweise

Bachelorarbeit schreiben

Eine Bachelorarbeit zu schreiben, ist ein komplexer Prozess, der in der Regel viel Zeit in Anspruch nimmt. Da es sich um eine Prüfungsarbeit handelt, solltest Du diesbezüglich mit Sorgfalt vorgehen, denn die Bewertung der Bachelorarbeit hat direkten Einfluss auf Deinen Studienerfolg.

In diesem Artikel erfährst Du zunächst alles Wissenswerte über die Vorbereitungsarbeiten, die dem eigentlichen Schreiben einer Bachelorarbeit vorangehen. Danach wird auf den eigentlichen Schreibprozess eingegangen, wobei ein Schwerpunkt auf die wissenschaftliche Schreibweise sowie den Umgang mit Fremdwissen gelegt wird. Abgerundet wird dieser Artikel mit den abschließenden Arbeiten, damit einem erfolgreichen Studienabschluss nichts mehr im Weg steht.

Die Vorbereitungen

Die notwendigen Vorbereitungsarbeiten, um einen umfangreichen Text in der vorgegebenen Zeit erfolgreich zu verfassen, sind vielfältig. Im Folgenden findest Du eine Übersicht über die einzelnen Arbeiten:

  • Thema suchen, eingrenzen und formulieren: Überlege Dir rechtzeitig ein adäquates Thema für deine Bachelorarbeit, das Du auf einen Umfang eingrenzen kannst, der in der vorgegebenen Zeit machbar ist.
  • Einen geeigneten Betreuer suchen: Kümmere Dich ebenfalls rechtzeitig darum, mit dem/der gewünschten BetreuerIn Kontakt aufzunehmen!
  • Forschungsfrage(n) formulieren: Um Dein Ziel während des Recherchierens und des Schreibens nicht aus den Augen zu verlieren, solltest Du bereits in einem sehr frühen Stadium wissen, welche Forschungsfrage(n) Du beantworten möchtest.
  • Recherchearbeiten: Hast Du ein geeignetes Thema gefunden, suchst Du passende Literatur und erstellst eine Literaturliste. Diese nimmst Du als Grundlage, um die einzelnen Publikationen zu bestellen, in Bibliotheken zu suchen und auszuleihen oder sie ggf. über die Fernleihe zu organisieren.
  • Quellen sichten und auf Relevanz prüfen: Analysiere jede Publikation dahingehend, ob relevante Informationen enthalten sind. Notiere Dir unbedingt die Fundstellen (d. h. Seitenzahlen) wichtiger Aussagen oder Zitate.

Und es gibt noch mehr Vorbereitung

  • Exzerpieren: Nach der Literaturrecherche, der Sichtung und während des Lesens von Literatur und anderen Forschungsarbeiten erfolgt das Exzerpieren. Beim Exzerpieren fasst Du gelesenen Inhalt in eigene Worte zusammen. Dabei notierst Du Dir auch alle relevanten Quellenangaben für die spätere korrekte Zitation. Verwechsle Exzerpieren nicht mit dem Umschreiben von Text. Du suchst Dir die Schwerpunkte der Aussagen heraus und machst daraus ein Extrakt in eigenen Worten.
  • Vorbereitungsarbeiten zu Datenerhebungen, Experimenten, Analysen etc.: Erstelle Fragebögen, entwirf Experimente, beschäftige Dich mit Messmethoden – je nach dem, was für die Beantwortung Deiner Forschungsfrage vonnöten ist!
  • Auswertung und Analyse der gewonnenen Daten: Erledigst Du das vor dem eigentlichen Verfassen des Textes, kannst Du Deinen Text sehr zielgerichtet und klar formulieren! Bedenke, dass die statistische Datenanalyse ein komplexer und aufwendiger Prozess sein kann. Plane ausrechend Zeit dafür ein.
  • Gliederung des Textes erstellen: Sobald Du weißt, welche fachlichen Aspekte für Deine Arbeit relevant sind, ordnest Du diese logisch an und erstellst eine erste Gliederung Deiner Bachelorarbeit. Du bekommst zudem eine Übersicht, nach der Du beispielsweise Recherchearbeiten effizient ausrichten kannst.
  • Einen zeitlichen Plan entwerfen: Da Du nicht unbegrenzt Zeit zur Verfügung hast, empfiehlt es sich, eine Übersicht zu erstellen, welche Arbeiten bis zu welchem Datum abgeschlossen sein müssen. So kannst du deine Bachelorarbeit perfekt planen und schreiben.

Der Schreibprozess

Erst wenn die Vorarbeiten abgeschlossen sind, sollte mit dem Verfassen des Textes begonnen werden. Beginnst Du mit dem Schreiben zu früh, ist es möglich, dass Du bereits geschriebene Teile nochmals überarbeiten musst. Um ein Gefühl dafür zu bekommen, wie die Vorarbeiten und der Schreibprozess gewichtet sind, geben Karmasin und Ribing an, dass die Vorbereitungszeit in etwa 70 Prozent der gesamten Zeit in Anspruch nimmt, die Schreibphase in etwa 30 Prozent (vgl. 2014: 33).

Arbeite Deinen Text anhand der Gliederung, die Du im Vorfeld bereits erstellt hast, Schritt für Schritt aus. Die Orientierung an der Gliederung erleichtert es Dir, fokussiert zu schreiben und nicht abzuschweifen. Empfehlenswert ist es, zunächst den Hauptteil zu schreiben. Somit legst Du die zentralen Aussagen sowie den Argumentationsgang dar. Darauf aufbauend zeigen sich die Ergebnisse Deiner Arbeit, die Du im Schlussteil und Fazit präsentierst. Viele Autoren geben den Hinweis, die Einleitung erst nach Abschluss des Haupt- sowie Schlussteiles zu schreiben, denn nur wenn man einen Überblick über die tatsächlichen Inhalte der Bachelorarbeit hat, kann es gelingen, präzise auf das Thema hinzuführen (vgl. Bänsch & Alewell 2013: 79; Theisen 2013 152; und Stickel-Wolf & Wolf 2013: 201).

Beschäftige Dich zusätzlich mit den Charakteristika der wissenschaftlichen Schreibweise sowie mit dem korrekten Umgang von Fremdwissen!

Wissenschaftliche Schreibweise

Die wissenschaftliche Schreibweise ist durch einige Aspekte charakterisiert, die Du im Rahmen der vielen Hausarbeiten, die Du vor der Bachelorarbeit verfasst hast, bereits verinnerlicht haben solltest. Die wesentlichen Charakteristika werden nachfolgend kurz erläutert:

  • Objektiv und beschreibend formulieren: In der Wissenschaft wird das Ziel verfolgt, Erkenntnisse und Forschungsergebnisse zu schaffen, die frei von Subjektivität sind. Das bedeutet, eigene Meinungen und subjektive Erfahrungen, die nur Du gemacht hast, sind in den allermeisten Fällen fehl am Platz.
  • Nachvollziehbarkeit: In allen wissenschaftlichen Texten muss nachvollziehbar sein, wie das neue Wissen geschaffen wurde. Das bedeutet, dass nicht nur die Quellen angegeben werden müssen, woher Daten und Erkenntnisse stammen, sondern auch die Datenerhebungsmethoden klar erklärt werden müssen. Das Ziel soll sein, dass jeder andere Wissenschaftler anhand Deiner Angaben in der Bachelorarbeit zum selben Ergebnis kommt.
  • Der rote Faden: Die Kernthemen der Bachelorarbeit sollten sich von Beginn bis zum Schluss durch die Arbeit ziehen, so dass diese immer wieder unter Einbezug neuer Blickwinkel betrachtet werden (vgl. Theisen 2013: 117).
  • Fußnoten als weiterführende Erläuterungen: Der Argumentationsgang muss auf die Beantwortung der Forschungsfrage fokussiert sein, abweichende Gedanken stören im Haupttext. Möchte man diese dennoch thematisieren, schreibt man sie in Fußnoten.
  • Wissenschaftliche Argumentation: Der Zusammenhang zwischen dem zu untersuchenden Material bzw. Gegenstand, der gewählten Untersuchungs- und Analysemethode und der Bildung von Hypothesen (und anschließende Hypothesentests) sowie deren Beleg muss nachvollziehbar und logisch dargestellt werden (vgl. Winter 2005: 61ff.).
  • Sprachliche Mittel: Ein wissenschaftlicher Text muss für alle Leser einwandfrei und unmissverständlich zu verstehen sein (vgl. Krämer 2009: 99). Hier gilt es, eine klare und präzise Formulierung zu verwenden, Fachtermini korrekt einzusetzen, Füllwörter und Abschweifungen sowie umgangssprachliche Wendungen zu vermeiden. Du solltest Deine Masterarbeit oder Bachelorarbeit korrekturlesen lassen, damit Dein Werk von Rechtschreibfehlern befreit und vom Stil optimiert werden kann.

Der Umgang mit Fremdwissen

Jede wissenschaftliche Arbeit baut auf bereits vorhandenem Wissen auf. Dieses stellt die theoretische Grundlage dar, die in den ersten Kapiteln einer Bachelorarbeit dargelegt wird und die als Basis für die Beantwortung der Forschungsfrage dient. Mit dem notwendigen Heranziehen von Fremdwissen sind zwei Aspekte eng verknüpft: Einerseits der korrekte Umgang damit, denn Erkenntnisse anderer Wissenschaftler müssen zitiert werden. Andererseits ist aber auch die Eigenleistung, die im Rahmen einer Bachelorarbeit erbracht werden sollte, damit verbunden.

Fremdwissen wird benötigt, um die eigene Forschungsfrage zu beantworten. Das bedeutet, dass Du die vorhandene wissenschaftliche Literatur zu Deinem Thema durchforstest und sie dahingehend überprüfst, ob sich Erkenntnisse, Aussagen etc. anderer Wissenschaftler finden lassen, die Deine Gedankengänge entweder untermauern oder aber auch widersprüchlich dazu sind. Diese Zitate ziehst Du heran, um ausgehend davon die Sachverhalte darzulegen, die zur Beantwortung Deiner Forschungsfrage führen. Vergleichbar ist das mit dem Bauen eines Hauses: Zu den Basismaterialien zählen Ziegel, die mit dem Fremdwissen anderer Wissenschaftler vergleichbar sind. Füge diese lückenlos zusammen. Daraus entsteht ein Haus, das genau jene Form annimmt, die Du Dir vorher überlegt hast.

Abschließende Arbeiten

Eine Bachelorarbeit wird als Prüfungsarbeit angefertigt und muss in einer von der Universität oder vom Institut vorgeschriebenen Form eingereicht werden. Erkundige Dich, wie sie gebunden werden muss, wie viele Exemplare Deiner Arbeit Du vorlegen musst und an welcher Stelle Du sie einreichen musst.

Bevor Du Deine Bachelorarbeit drucken und binden lässt, ist es empfehlenswert, sie auf Fehler zu kontrollieren bzw. kontrollieren zu lassen. Weder Rechtschreib-, Interpunktions- oder Grammatikfehler noch Fehler in der Formatierung werfen ein gutes Licht auf Deine Arbeit. Sofern Du diese Korrekturarbeiten selbst vornimmst, solltest Du einige Tage zwischen dem Fertigstellen des Textes und der Korrektur verstreichen lassen, um den für das Entdecken von Fehlern notwendigen Abstand zu bekommen. Weißt Du, dass Du sprachliche Schwächen hast, solltest Du Deine Abschlussarbeit von professionellen Lektor korrigieren lassen.

Um Plagiate zu vermeiden, solltest Du eine Plagiatsprüfung für Deine Bachelorarbeit durchführen. Eine Prüfung kostet nicht viel, geht schnell und sollte unbedingt vor der Abgabe der Arbeit erfolgen. Dein Betreuer oder aber der Zweitprüfer wird Deine Arbeit mit großer Wahrscheinlichkeit überprüfen lassen.

Bestandteil empirischer Bachelorarbeiten können auch Interviews mit Experten und anderen Beteiligten sein. Die aufgezeichneten Interviews müssen als Bestandteil der Bachelorarbeit im Anhang in trankribierter Form aufgeführt werden. Die Transkription von Interviews kann ein langwieriger Prozess sein, der auch von der zeitlichen Planung nicht unterschätzt werden darf.

Literaturangaben

Bänsch, Axel & Alewell, Dorothea (2013): Wissenschaftliches Arbeiten. 11. Aufl. München: Oldenbourg Verlag.

Karmasin, Matthias & Ribing, Rainer (2014): Die Gestaltung wissenschaftlicher Arbeiten. 8. Aufl. Wien: Facultas.

Krämer, Walter (2009): Wie schreibe ich eine Seminar- oder Examensarbeit? 3. Aufl. Frankfurt: Campus.

Theisen, Manuel René (2013): Wissenschaftliches Arbeiten – Erfolgreich bei Bachelor- und Masterarbeit. München: Franz Vahlen.

Winter, Wolfgang (2005): Wissenschaftliche Arbeiten schreiben. 2. Aufl. Frankfurt: Redline Wirtschaft.

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