Was ist eine Dissertation und was macht sie wissenschaftlich?

Was ist eine Dissertation
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10 Jan Was ist eine Dissertation und was macht sie wissenschaftlich?

Beim Schreiben der Dissertation geht es darum, eine Forschungsarbeit zur Erlangung der Doktorwürde zu verfassen (Siehe zur Definition den Duden). Während mit der Promotion beispielsweise der gesamte Prozess der Erstellung der schriftlichen Arbeit sowie der mündlichen Prüfung und der Verteidigung gemeint ist, ist die Dissertation “nur” die schriftliche Arbeit. Sie macht schließlich den Hauptteil der Promotion aus. Dieser Blogbeitrag soll einen Überblick geben, was eine Dissertation ist.

Ziele

Das Schreiben der Dissertation, bedeutet gewiss nicht einfach nur, ein Buch zu verfassen oder eine längere Masterarbeit zu schreiben. Um eine Doktorarbeit erfolgreich einzureichen und sie auch noch mit den guten Prädikaten cum laude (gut), magna um laude (sehr gut) oder summa cum laude (hervorragend) zurückzuerhalten, muss die Arbeit auf jeden Fall hohen Qualitätsstandards genügen. Die Arbeit muss dementsprechend nicht nur sprachlich auf hohem Niveau geschrieben sein, sondern auch diversen fachspezifischen und allgemeinen Ansprüchen genügen. Um sicher zu gehen, kann man hier auf Hilfe zurückgreifen. Bei einem Lektorat für die Dissertation erhält man beispielsweise Tipps zum roten Faden und eine Verbesserung des Schreibstils.

Erkenntnisgewinn der Dissertation

Zunächst muss man sich für ein Thema entscheiden. Themenstellungen findet man zum Beispiel häufig am jeweiligen Lehrstuhl der Hochschule, an der man promovieren möchte. Ein Thema kann aber auch aus der Wirtschaft oder auch aus einer Forschergruppe kommen, wenn man als Stipendiat promoviert. Es besteht aber natürlich auch die Möglichkeit, selbst ein Thema einzubringen. Dies muss dann mit der jeweils betreuenden Fakultät abgesprochen werden. Man sollte sich anfangs intensiv mit dem Thema auseinandersetzen und eine intensive Literaturrecherche machen, um sich einen Überblick über das Themengebiet zu verschaffen. Bewirbt man sich als Stipendiat muss man überdies auch ein Motivations- und oft ein Empfehlungsschreiben der Bewerbung beifügen.

Das Thema zum Schreiben der Dissertation sollte außerdem genug Stoff beinhalten, um eine Forschungsfragen nach folgendem Zuschnitt beantworten zu können:

Fragetyp Leitfrage Beispiel
Beschreibung Was ist der Fall? Wie sieht die “Realität“aus? (oder auch „Sieht die Realität wirklich so aus?”) Wie hat sich die Arbeitskräftemobilität in der EU seit 2004 verändert?
Erklärung Warum ist etwas der Fall? Warum hat sich die Arbeitskräftemobilität in der EU seit 2004 in bestimmter Art und Weise (nicht) verändert?
Prognose Wie wird etwas künftig aussehen? Welche Veränderungen werden eintreten? Wie wird sich die Arbeitskräftemobilität in der EU künftig verändern?
Gestaltung Welche Maßnahmen sind geeignet, um ein bestimmtes Ziel zu erreichen? Auf welche Weise kann die Arbeitskräftemobilität in der EU gefördert werden?
Kritik / Bewertung Wie ist ein bestimmtes Ziel vor dem Hintergrund explizit genannter Kriterien zu bewerten? Wie sind die Maßnahmen der EU bezüglich der Arbeitskräftemobilität im Hinblick auf Chancengleichheit zu bewerten?

Tabelle 1: Grundtypen verschiedener Fragestellungen; Quelle: Karmasin, Rinbing, 2012, 25

Der Forschungsanspruch ergibt sich schließlich aus der Beantwortung aller Fragekategorien.

Wissenschaftlichkeit

Umberto Eco ( Eco. 2010, S. 40ff.) nennt indes 4 Faktoren, unter deren Voraussetzung sich das Schreiben der Dissertation wissenschaftlich nennen darf:

Die Untersuchung

  1. behandelt dann einen erkennbaren Gegenstand, der so genau umrissen ist, dass er auch für Dritte erkennbar ist.
  2. muss über diesen Gegenstand Dinge sagen, die im Grunde genommen noch nicht gesagt worden sind, oder sie muss Dinge, die schon gesagt worden sind, aus einem neuen Blickwinkel sehen.
  3. sollte für andere in jedem Fall von Nutzen sein.
  4. ermöglicht es schließlich nachzuprüfen, ob eine Hypothese falsch oder richtig ist.

Es gibt also unterschiedliche Herangehensweise an den Forschungsanspruch. Jedoch haben alle zum Inhalt, dass etwas Neuartiges erarbeitet werden muss.

Objektive Bewertung

Weiterhin geben die Kriterien für die Benotung der Dissertation, die der Promotionsordnung (hier ein Beispiel der Universität des Saarlandes) entnommen werden, Aufschluss über den Forschungsanspruch. Beim Schreiben der Dissertation, die summa cum Laude bewertet werden soll, müssen an folgender Universität an der Fakultät für Naturwissenschaften folgende Kriterien erfüllt werden:

  • völlig neuartige Ansätze der Hypothesenbildung, der Zusammenführung bisheriger Erkenntnisse oder auch methodischer Neuentwicklungen enthalten, die in einem internationalen Maßstab deutlichen Fortschritt wissenschaftlicher Erkenntnis oder methodischer Ansätze innerhalb eines Fachgebietes darstellen
  • bereits Ergebnisse in möglichst zwei zum Druck angenommenen Originalpublikationen in international anerkannten Zeitschriften mit Peer-review-System oder vergleichbaren wissenschaftlichen Leistungen geführt haben. Der Promovierende soll Erstautor dieser Publikation sein bzw. den wesentlichen Teil der Arbeit geleistet haben.
  • Der externe Drittgutachter sollte unabhängig vom Betreuer der Dissertation sein, d.h. nicht mit dem Betreuer direkt kooperieren oder zusammen publizieren
  • die Zeitdauer der Promotion sollte maximal drei Jahre betragen (Richtwert)

Diese Anforderungen treffen bestimmt nicht auf alle Promotionsordnungen zu, machen aber deutlich, in welche Richtung es geht. Eine Dissertation muss nicht nur wissenschaftlich sein und ein Thema haben, das neuartig ist. Im Promotionsprozess selbst soll darüber hinaus auch durch die Universität Objektivität garantiert werden. Aus diesem Grund besteht sie auf Transparenz in der Prüfungskommission, verlangt, dass Ergebnisse der Dissertation schon während der Promotion mit der Forschungsgemeinschaft geteilt werden und stellt Regeln für die Promotion auf.

Finanzierung

Die Finanzierung kann in jedem Fall über eine Anstellung an einer Hochschule, an einem Unternehmen oder über ein Stipendium erfolgen. Die Anstellung an einer Hochschule kann überdies als Haushaltsstelle mit Lehrverpflichtung oder als Drittmittelstelle ausgestaltet sein.

Der Vorteil von Anstellungen an der Hochschule ist sicherlich, dass man Zugang zu einem akademischen Netzwerk hat, in dem man sich austauschen kann. Zudem kann man unter Umständen auf studentische Hilfskräfte und die Bibliothek zugreifen. Genauso wie bei der Anstellung im Unternehmen, läuft die gesetzliche Rentenversicherung dann weiter, was bei einem Stipendium nicht unbedingt der Fall ist.

An Haushaltsstellen hat man oft eine hohe zeitliche Belastung durch die Lehrverpflichtungen. In einem Unternehmen ist eine Dissertation oft Privatsache, so dass es hier zu einer Doppelbelastung mit der täglichen Arbeit kommt. Bei der Finanzierung über ein Stipendium gibt es hohe Anfangshürden bei der Bewerbung. Hat man diese erreicht, kann man sich gut auf die Dissertation konzentrieren.

Veröffentlichung

Erst mit der mündlichen Prüfung und der Veröffentlichung erwirbt man letztlich das Recht, den Doktortitel zu führen. Das Schreiben der Dissertation kann als Monographie oder als Sammeldissertation, auch kumulative Dissertation genannt, erarbeitet werden. Bei der kumulativen Dissertation werden indes einzelne Artikel veröffentlicht, die man als Erstautor zum größten Teil selbst verfasst haben muss. Dies ist beispielsweise in der jeweiligen Promotionsordnung der Hochschule geregelt. Meist müssen die Artikel dann in einem international gerankten, gereviewten Journal erschienen sein. Die Veröffentlichung als Monographie kann aber bei einem Verlag oder elektronisch übers Internet erfolgen. Dies hängt davon ab, welchen weiteren Werdegang man plant. Strebt man eine Hochschulkarriere an, wird man eher in einem renommierten Verlag veröffentlichen. Strebt man eine Industrie-Karriere an, kann auch eine elektronische Veröffentlichung erfolgen.

Das Schreiben der Dissertation ist im Grunde genommen eine eigenständige Forschungsarbeit zur Erlangung der Doktorwürde. Neben der mündlichen Prüfung und der Veröffentlichung ist sie schließlich der Hauptbestandteil der Promotion. Obwohl das Ergebnis, der Doktortitel, gleich ist, gibt es immerhin verschiedene Spielarten diesen zu erreichen. Den Königsweg gibt es hier unter dem Strich nicht. Vielmehr muss jeder Kandidat für sich entscheiden, welche Rahmenbedingungen passend sind.

Literatur

Eco, Umberto (2010): Wie man eine wissenschaftliche Arbeit schreibt, 13. Auflage, Wien.

Gunzenhäuser, Randi/Haas, Erika (2015): Promovieren mit Plan, 3. Auflage, Opladen/Toronto.

Karmasin, Matthias/Ribing, Rainer (2012): Die Gestaltung wissenschaftlicher Arbeiten, 7. Auflage, Wien.

Stock Stock/Molitor, Eva (2014): Erfolgreich promovieren, Ein Ratgeber von Promovierten für Promovierende, 3. Auflage, Berlin/Heidelberg.

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