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Promotion: Betreuer wechseln?

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Promotion: Betreuer wechseln


17 Jul Promotion: Betreuer wechseln?

Die Chemie muss stimmen zwischen dir und deinem Professor, sonst wird die Promotion zur Tortur. Leider ist das Bauchgefühl, auf das man sich bei der Wahl des Betreuers gerne verlässt, nicht immer ein guter Ratgeber. Und selbst, wenn alles stimmt, kann es dazu kommen, dass du dich nach einem neuen Betreuer umsehen musst. Zum Beispiel, wenn der Professor deiner Wahl den Ruf einer anderen Uni annimmt, in den Ruhestand geht oder verstirbt. Und dann? Keine Panik! Es gibt Möglichkeiten.

Betreuer wechseln: Gute Gründe dafür

Geteiltes Leid ist halbes Leid. Vielleicht hilft es dir schon, wenn du weißt, dass du mit deiner misslichen Lage nicht allein bist. Ein Blick in die Literatur zum Thema zeigt, dass viele Probleme schon lange bekannt sind. Ist deins auch dabei?

Betreuer wechseln wegen zu hoher Arbeitsbelastung

Viele Doktoranden befinden sich in einem belastenden Abhängigkeitsverhältnis, bei dem der Professor nicht nur der Betreuer bei der Promotion ist, sondern auch Arbeitgeber und sogar Gutachter für die Doktorarbeit. Es ist klar, dass das zu Problemen führen kann. Im „Promotionsratgeber Politikwissenschaft“ heißt es dazu:

„Arbeiten, die nichts oder nur sehr am Rande mit dem Promotionsvorhaben zu tun haben, gehören zum Alltag vieler Doktoranden, die eine Stelle innehaben. […] Doch wenn über einen längeren Zeitraum die Dissertation kaum noch vorangetrieben werden kann, sollte man sich schon fragen: Läuft hier nicht etwas grundsätzlich falsch, muss nicht die Belastung mit promotionsfernen Aufgaben reduziert werden?“ (vgl. Frieder Wolf & Georg Wenzelburger, 2010).

Befindest du dich auch in so einem Arbeitsverhältnis?

Unser Tipp:

Niemand muss sich ausnutzen lassen, aber prüfe für dich, ob die Arbeiten dich in deinem Fachgebiet weiterbringen. Ist das nicht der Fall und verhindert die hohe Arbeitsbelastung dein persönliches Vorankommen, ist das sicher ein Grund, den Betreuer zu wechseln.

Wegen zu geringer Fürsorge den Betreuer wechseln

Viele Doktoranden sind ausgesprochen unzufrieden mit ihrem Betreuer, weil sie sich alleingelassen fühlen. So wünschen sie sich beispielsweise, nach dem aufwendigen Prozess, das Exposé zu schreiben, mehr mehr Unterstützung bei der Gliederung der Dissertation oder der allgemeinen Planung der Dissertation. Auch dazu findet man Erfahrungsberichte und Notizen in Foren und in Fachbüchern. In „Kompetent zum Doktortitel“ wird kritisiert, dass die Zuständigkeiten an den Unis nicht klar definiert sind:

„Doktoreltern können sie individuell überaus unterschiedlich ausgelegen. Befinden die einen, dass ein fünfzehnminütiges Gespräch alle halbe Jahre ausreichend ist, fordern andere alle drei Monate ein Kapitel zur Lektüre“ (vgl. Katrin Girgensohn, 2010).

Würdest du den Betreuer wechseln, ist nicht garantiert, dass der nächste mehr Fürsorge an den Tag legt. Zu hoch dürfen deine Erwartungen an die Betreuung also nicht sein. Dein Professor ist kein Lebensbegleiter oder Freund. Wenn er dich allerdings nicht einmal kennt und auch nicht gewillt ist, sich mit deinen Fragen zu beschäftigen, solltest du den Betreuer wechseln.

Auch kannst du dir Unterstützung von außerhalb suchen, wenn du dir mit deiner Dissertation unsicher bist. Es ist vollkommen legitim, ein Lektorat einer Dissertation oder eine Formatierung in Anspruch zu nehmen. Eine Plagiatsprüfung ist sowieso ratsam – denn die schwerwiegenden Folgen eines Plagiatsvorwurfs kann man sich so locker sparen.

Betreuer wechseln aus Mangel an Freiraum

Was der eine Professor vernachlässigt, übertreibt der andere. Manche kennen sich in ihrem Fachgebiet so gut aus, dass sie keine anderen „Götter“ neben sich dulden. Im „Promotionsrategeber Politikwissenschaft“ schreiben die Autoren:

„Sie sind bei einem solchen Professor sicher fachlich allerbestens aufgehoben. […] Probleme gibt es etwa, wenn Ihnen Ihr Betreuer aufgrund seiner Expertise keinen Freiraum mehr zum selbstständigen wissenschaftlichen Arbeiten an Ihrem Promotionsthema lässt. Schließlich kennt er sich ja besser aus als jeder andere und weiß genau, welchen Weg er selbst beschreiten würde, wenn er an Ihrer Stelle wäre. Damit engt er Sie in Ihrer Forschungskreativität jedoch möglicherweise ein“ (vgl. Frieder Wolf & Georg Wenzelburger, 2010).

Keine Frage, es ist deine Promotion, dein Promotionsthema und du solltest frei deine Dissertation schreiben können. Lässt der Professor nicht mit sich reden, kannst du nur den Betreuer wechseln.

Wegen launischem Verhalten den Betreuer wechseln

Auch wenn einem am Anfang das Bauchgefühl sagt, dass man sich sicher gut verstehen wird, kann es in der Praxis ganz anders aussehen. Der Betreuer ist launisch, unfreundlich oder sogar abweisend. Streit kommt in den besten Familien vor, so auch im Verhältnis zwischen Doktoranden und Doktoreltern. In „Promovieren mit Plan“ wird das so beschrieben:

„Einmal begegnet mir die Betreuungsperson wie ein offener und konstruktiver Zeitgenosse, das nächste Mal werde ich offensichtlich grundlos „zu Boden kritisiert“. Wie bereits erwähnt, sind Doktorväter und Doktormütter auch nur Menschen und deshalb auch nur selten wirklich gute‚ alleinerziehende Eltern‘. Das ist nicht nur böser Wille, sondern oftmals durch die Arbeitsüberlastung zu erklären“ (vgl. Randi Gunzenhäuser & Erika Haas, 2015).

Ist dein Unmut wegen normaler zwischenmenschlicher Stolpersteine entstanden, solltest du versuchen, das Ganze aus der Welt zu schaffen. Ein offenes Gespräch kann da Wunder wirken. Hegt dein Betreuer allerdings wirklich einen persönlichen Groll gegen dich, musst du in Erwägung ziehen, den Betreuer zu wechseln. Ansgar Nünning schreibt dazu in seinem Handbuch „Promotion: Forschung – Förderung – Finanzierung“:

„Es ist kein Weltuntergang, wenn Sie Ihre/n Betreuer/in wechseln möchten – daraus erwachsen Ihnen oft weniger Nachteile als wenn Sie bis zum Schluss „durchhalten“ und vielleicht mit schlechte(re)n Noten abschließen“ (vgl. Ansgar Nünning, 2007).

Betreuer wechseln: Gute Gründe dagegen

In einer Beziehung, persönlicher oder auch beruflicher Art, gibt es immer zwei Parteien. Man muss also beide Seiten betrachten, um zu einer guten Lösung zu kommen. In diesem Fall bist du eine Partei. Betrachte also auch dein eigenes Verhalten kritisch, bevor du eine Entscheidung triffst.

Sind deine Erwartungen zu hoch?

Wenn deine Erwartungen zu hoch sind, kann auch der nächste Betreuer sie nicht erfüllen. Bei der Einschätzung hilft ein Blick auf Studien zum Thema. Das Institut für Forschungsinformation und Qualitätssicherung in Berlin hat zum Beispiel den Unterschied zwischen gewünschter und erhaltener Betreuung untersucht. Das Ergebnis zeigt, dass die Erwartungen der Doktoranden oft viel höher sind als die Realität hergibt.

Die Betreuung ist oft weit weniger intensiv als gewünscht
Abbildung 1 – Die Betreuung ist oft weit weniger intensiv als gewünscht. Quelle: ProFile, Juli 2011

Bist du aus anderem Grund unzufrieden?

Bist du generell mit deinem Studium unzufrieden und projizierst das auf den Betreuer? Auch das kommt vor und ist nur allzu menschlich. Irgendjemand muss ja Schuld haben. Prüfe, ob du es bist, der deine Promotion negativ betrachtet. Manchmal ist es auch das Thema der Arbeit, das keinen Spaß mehr macht. Aufgeben gilt natürlich nicht, aber wenn du dich emotional so in eine Sackgasse getrieben hast, dass gar nichts mehr geht, brauchst du vielleicht Veränderung. Du kannst den Betreuer wechseln, in der Hoffnung, dass eine neue Person auch neue Impulse gibt und du wieder neue Motivation für die Dissertation bekommst. Besser ist es aber, wenn du dich mit deinen Zielen und Wünschen auseinandersetzt und dich selbst motivierst.

Kein anderer Betreuer in Sicht?

Wenn du zu dem Schluss kommst, dass deine eigenen Erwartungen okay sind und du auch mit dem Promotionsthema zufrieden bist und keine Probleme mit der wissenschaftlichen Sprache einer Dissertation hast (das bemerkt man oft besonders schnell, wenn man eine kumulative Dissertation verfasst), gibt es noch einen Grund, den Betreuer nicht zu wechseln: Es ist kein anderer Professor in Sicht, der sich mit dem Schwerpunkt des Fachgebiets auskennt. Denn manchmal kann einen neuen Doktorvater oder Doktormutter finden wirklich schwer sein. Ist das so, dann hilft nur „Zähne zusammenbeißen und durchhalten!“.

Checkliste für die Entscheidung

Wenn du dir nicht sicher bist, ob du den Betreuer wechseln solltest oder nicht, kannst du eine Checkliste anfertigen, die dir einen besseren Überblick verschafft. Schreibe dazu Fragen auf, die sich mit Ja oder Nein beantworten lassen. Sie werden so formuliert, dass für dich Positives mit Ja und Negatives mit Nein beantwortet wird. Die Fragen könnten zum Beispiel so lauten:

Checkliste Ja Nein
Habe ich mich selbst kritisch hinterfragt?
Habe ich die Probleme beim Betreuer persönlich angesprochen?
Erwarte ich eine schlechtere Benotung wegen des Betreuers?
Gibt es deutlich mehr Vorteile bei einem Wechsel?
Wäre meine bisherige Arbeit hinfällig?

Tabelle 1: Je mehr Fragen mit NEIN beantwortet werden, desto weniger Argumente gibt es für den Betreuerwechsel

Oh Schreck, der Betreuer geht weg

Es gibt Fälle, in denen dir keine Wahl bleibt: Betreuer wechseln während deiner Promotion die Uni, gehen in die Wirtschaft, werden pensioniert oder sterben. All das kann passieren. Deshalb musst du aber nicht die Promotion abbrechen. Im besten Fall hast du eine schriftliche Betreuungsvereinbarung, mit der du auf deine Ansprechpartner zugehen kannst. Viele Unis berufen sich auf diese Betreuungsvereinbarung schon zur Pflicht, obwohl sie nicht rechtlich bindend ist.

In einer Betreuungsvereinbarung werden die Einzelheiten der Zusammenarbeit festgelegt
Abbildung 2: In einer Betreuungsvereinbarung werden die Einzelheiten der Zusammenarbeit festgelegt

Grundsätzlich bist du das Promotionsverhältnis – auch ohne Betreuungsvereinbarung – mit der Fakultät eingegangen. Das bedeutet, du kannst auch wenn der Betreuer geht deine Dissertation veröffentlichen. Es muss für Ersatz gesorgt werden. Ohne Betreuungsvereinbarung lässt sich das aber schwer nachweisen. Je nach Promotionsordnung, hier am Beispiel der Technischen Universität Berlin, ist es möglich, dass dein Betreuer auch nach dem Weggang für einige Zeit weiter für dich zuständig sein darf. In seltenen Fällen kann es sich lohnen, mit dem Betreuer gemeinsam die Uni zu wechseln, weil das Forschungsverhältnis nicht ersetzbar ist.

Wenn du den Betreuer wechseln musst oder willst, gibt es bei Vertrauensdozenten, hier am Beispiel der Charite in Berlin, Rat und Hilfe. Auch in der allgemeinen Studienberatung der Universität Augsburg wird Hilfe in Promotionsfragen angeboten. Wenn du den Austausch mit anderen Studenten suchst, allgemeine Tipps zur Dissertation oder psychologische Unterstützung bei der Entscheidungsfindung, bist du bei der ASTA, wie zum Beispiel an der Universität Kiel gut aufgehoben.

Nichts überstürzen! Das ist das erste Gebot, wenn du den Betreuer wechseln möchtest. Es gibt gute Gründe für den Wechsel, aber auch viele dagegen. Wäge genau ab, ob du wirklich Vorteile durch diesen Schritt hast. Manchmal ist es besser, die Promotion wie gehabt durchzuziehen. Nur bei massiven gesundheitlichen Beeinträchtigungen und bei echten Nachteilen musst du dringend den Betreuer wechseln.

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Literatur

Frieder Wolf & Georg Wenzelburger (2010), Promotionsratgeber Politikwissenschaft.

Katrin Girgensohn (2010), Kompetent zum Doktortitel – Konzepte zur Förderung Promovierender.

Randi Gunzenhäuser & Erika Haas (2015), Promovieren mit Plan: Ihr individueller Weg: von der Themensuche zum Doktortitel.

Ansgar Nünning (2007), Handbuch Promotion: Forschung – Förderung – Finanzierung.

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