Problem Literaturverwaltung: Mit diesen Tipps behält man den Überblick

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13 Nov Problem Literaturverwaltung: Mit diesen Tipps behält man den Überblick

Ohne Literaturverwaltung geht es letztlich nicht, oder? Während der Literaturrecherche für die Bachelorarbeit oder Masterarbeit bekommt man tatsächlich schnell das Bedürfnis, die Vielzahl an wissenschaftlicher Literatur besser in den Griff zu bekommen. Wie soll man aber den Überblick über alle gelesenen Bücher, Aufsätze und Artikel, alle gesammelten Kopien und gespeicherten PDF-Dateien behalten? Die Antwort sind letztlich Literaturverwaltungsprogramme.

In diesem Artikel geht es folglich erstens darum, welche Funktion die Literaturverwaltung hat und zweitens, welche Methoden es gibt, Literatur zu organisieren. Im Anschluss werden die wichtigsten Literaturverwaltungsprogramme vorgestellt sowie Alternativen benannt. Nach der Lektüre des Beitrags sollte die Entscheidung für oder gegen eine Literaturverwaltungs-Software schließlich einfacher fallen.

Literaturverwaltung – Funktion und Ziele

Ein wesentlicher, in Zeit- und Arbeitsaufwand nicht zu unterschätzender Aspekt bei der Bachelorarbeit oder Masterarbeit ist mithin die Literaturorganisation (Huber/Hienerth/Süssenbacher 2009, S.87). Schon während der Literaturrecherche geht es darüber hinaus darum, den Überblick über die gelesenen Forschungsbeiträge zu behalten. Besonders, da es sich um verschiedene Quellen handelt, die als Bücher, kopierte Aufsätze, gespeicherte PDF-Dateien oder Online-Artikel zur Verfügung stehen, bedarf es einer gewissen Systematik, nach der man die Literatur organisieren kann.

Außerdem geht es bei der Organisation von wissenschaftlicher Literatur auch darum, eigenes Wissen zu organisieren und die Literaturangaben schließlich in ein vollständiges Literaturverzeichnis überführen zu können. Es gilt zu vermeiden, ständig wieder die Bibliothek aufsuchen zu müssen; stattdessen soll man auf das archivierte Wissen schnell und bequem zugreifen können.

Literaturverwaltungsprogramme im Vergleich

Ein wichtiges Hilfsmittel zur Literaturorganisation in Vorbereitung auf die Bachelorarbeit oder Masterarbeit sind Literaturverwaltungsprogramme. Diese funktionieren grundsätzlich wie ein persönlicher Bibliothekar: Es werden unter bibliographischen Angaben wie Autor, Titel, Erscheinungsjahr und -ort, Textpassagen und Zitate aus Aufsätzen und Büchern oder vollständige Artikel und Internetseiten in einer Datenbank abgelegt (Vgl. Oehlrich 2015, S.29). Auf diese Weise ist es möglich, mit Hilfe von Stichwörtern alle relevanten Inhalte und Dokumenten angezeigt zu bekommen und darüber hinaus mit Kommentaren zu versehen.

Die in den Literaturverwaltungsprogrammen archivierten Inhalte kann man schließlich in Textverarbeitungsprogramme übertragen. Außerdem kann man Zitierstile (APA, Harvard, deutscher Zitierstil usw.) auswählen und somit einheitliche Literaturverzeichnisse erstellen. Je nach Programm gibt es zusätzliche Features, von denen im Folgenden einige vorgestellt werden (Vgl. Übersicht der Universität Köln).

EndNote

Ein beliebtes Literaturverwaltungsprogram ist EndNote. Die Software verwaltet bibliographische Angaben (Autor, Titel, Erscheinungsjahr) von Publikationen und fügt diesen die dazugehörige Datei als Anhang an. Diese Referenzlisten kann man aus der Endnote-Datenbank in Textverarbeitungsprogramme wie Word, OpenOffice usw. importieren und dort weiterverarbeiten. Auf diese Weise muss man nicht zwischen Text- und Literaturverwaltungsprogramm umherspringen.

Citavi

Eines der beliebtesten Literaturverwaltungsprogramme ist Citavi. Mit dieser Software kann man in wissenschaftlichen Literaturdatenbanken wie PubMed, Web of Science oder in Bibliothekskatalogen recherchieren, und die Funde direkt in die eigene Datenbank übernehmen. Daneben verfügt das Programm über die Besonderheit des Add-ons „Citavi Picker“. Hat man das Programm installiert, kann man mit dem Citavi Picker im Browser (Firefox, Chrome, Internet Explorer) ganze Artikel, Aufsätze und PDF-Dateien, aber auch Inhaltsverzeichnisse, Schlagwörter und Zitate in die Literaturdatenbank aufnehmen und annotieren.

Funktion des Citavi Pickers in Firefox

Abb. 1:  Funktion des Citavi Pickers in Firefox

Zotero

Bei Zotero handelt es sich um ein Add-on, das speziell für den Browser Firefox entwickelt wurde. Lädt man das kostenlose Literaturverwaltungsprogramm herunter, erscheint in der Adresszeile von Firefox ein kleines Zotero-Symbol. Mit einem Klick speichert Zotero Internetseiten als Lesezeichen oder andere Datentypen wie Bilder oder PDF-Dateien. Auch Zotero lässt sich in alle gängigen Textverarbeitungsprogramme einbinden, sodass das ständige Wechseln zwischen Textdatei und Webbrowser entfällt.

Mendeley

Die Software Mendeley lässt sich sowohl in Webbrowsern als auch in Textverarbeitungsprogramme integrieren. So kann man Artikel über den Web Importer in die Datenbank und über das Citation Plugin Bibliographien nach einheitlichen Zitierstilen in Word, LibreOffice oder BibTeX übernehmen. Ein Vorteil dieses Literaturverwaltungsprogramms ist, dass es auf allen Betriebssystemen (Windows, Linus, Mac OS) läuft und man es mit der Team-Planer-Funktion mit mehreren Personen, die an einem gemeinsamen Projekt arbeiten, nutzen kann. In der kostenlosen Version ist der Speicher jedoch auf 500 Mb begrenzt.

Papers

Papers ist ein Literaturverwaltungsprogramm, das eigens für Apple entwickelt wurde. Mit dieser Software kann man alle auf der Festplatte gespeicherten PDF-Dateien importieren und in einer Datenbank verwalten. Eine Besonderheit von Papers ist die Verknüpfung mit Suchmaschinen wie GoogleScholar, PubMed oder ArXiv, die es ermöglicht dort veröffentlichte Dateien mit wenigen Klicks der eigenen Literaturdatenbank hinzuzufügen. Auch in Papers können Bibliographien in verschiedene Textverarbeitungsprogramme (z.B. Word, LATEX, OpenOffice) übertragen werden. Papers ist als Testversion für einen Monat in vollem Umfang verfügbar. Eine Lizenz kostet danach 29 Euro.

Welches ist das beste Literaturverwaltungsprogramm?

Die Wahl der Software hängt ganz von den individuellen Bedürfnissen ab: Dabei geht es um den Umfang der zu archivierenden Literatur, die Bedienung und Features sowie nicht zuletzt um technische Voraussetzungen und den Kostenfaktor. Einen ausführlichen Vergleich der Programme hat die Technische Universität München vorgenommen (Vgl. Vergleich der Technischen Universität München).

Was den Kostenfaktor angeht, sollte man sich vorab informieren. Viele Hochschulbibliotheken haben Lizenzen für Literaturverwaltungsprogramme, sodass die Benutzung für die Studierenden kostenlos oder aber vergünstigt ist.

Alternative Möglichkeiten der Literaturverwaltung

Alternative, um nicht zu sagen analoge Möglichkeiten der Literaturverwaltung sind dagegen Kopien, Exzerpte und Zettelkasten. Obwohl man mit Kopien schnell und bequem relevante Texte und Textstellen kopiert hat und mit Markierungen und Randbemerkungen versehen hat, steht man letztlich mitunter bald einer unübersichtlichen Zettelwirtschaft gegenüber (Vgl. Bohl 2008, S. 29).

Wesentlich systematischer sind währenddessen Exzerpte, bei denen relevante Textstellen aus der Primär- oder Sekundärliteratur herausgeschrieben und mit Kommentare versehen werden (Vgl. Werner/Vogt/Scheithauer 2017, S. 38). Möchte man auch bei dieser Methode der Literaturverwaltung auf den Computer verzichten, können beispielsweise Zettelkästen angelegt werden. Nach dem Vorbild Niklas Luhmanns, der Zettelkästen über 40 Jahre lang als „zweites Gehirn“ nutzte, werden indessen auch die exzerpierten Inhalte durch ein spezifisches Ordnungssystem in einem Zettelkasten abgelegt (Vgl. diesen Artikel aus DIE WELT. Dafür eignen sich übrigens auch Karteikarten (Vgl. Knorr 1995, S. 62).

Diese Form, Literatur zu organisieren, eignet sich gleichfalls, wenn man nicht die technischen Voraussetzungen für spezielle Literaturverwaltungsprogramme hat. Auch wenn die Anzahl der recherchierten Literatur übersichtlich ist und nicht in digitaler Form vorliegt, kann es genügen, die Literatur solange „händisch“ zu organisieren.

Darüber, welches die beste Methode der Literaturverwaltung in Vorbereitung auf die Bachelorarbeit, Masterarbeit oder später für die Dissertation ist, kann zunächst pauschal keine Aussage getroffen werden. Es ist eine individuelle Entscheidung, die nicht nur vom Umfang der zu archivierenden Literatur abhängt, sondern zuletzt auch von technischem Verständnis. Außer Frage steht jedoch, dass es anfangs einer Form der Literaturorganisation bedarf. Nur so kann man sich sicher sein, auch noch nach der Literaturrecherche den Überblick über das angelesene Wissen zu behalten und auf dieses schnell und bequem zugreifen zu können. 

Literatur

Huber, Beate/ Hienerth, Claudia/ Süssenbacher, Daniela (2009): Wissenschaftliches Arbeiten kompakt: Bachelor- und Masterarbeiten erfolgreich erstellen, Wien.

Knorr, Dagmar (1995): Elektronische Medien im wissenschaftlichen Alltag. Auswirkungen des Einsatzes von Computern auf die persönliche Literaturverwaltung und –nutzung, Hamburg.

Oehlrich, Markus (2015): Wissenschaftliches Arbeiten und Schreiben. Schritt für Schritt zur Bachelor- und Master-Thesis in den Wirtschaftswissenschaften, Berlin/Heidelberg.

Werner, Melanie/ Vogt, Stefanie/ Scheithauer, Lydia (2017): Wissenschaftliches Arbeiten in der Sozialen Arbeit, Schwalbach.

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