Anleitung und Tipps zu Literaturrecherche und Bibliographieren

Literaturrecherche
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14 Nov Anleitung und Tipps zu Literaturrecherche und Bibliographieren

Literaturrecher

„Land unter“ ist im Grunde genommen nicht selten das unfreiwillige Motto einer Literaturrecherche für umfangreichere wissenschaftliche Arbeiten wie Bachelorarbeiten, Masterarbeiten oder Dissertationen. Es gibt schlichtweg zu viele aktuelle sowie grundlegende Forschungsbeiträge und Möglichkeiten, an diese zu gelangen. Überdies kann die Literaturrecherche mit der richtigen Methode und dem Wissen über die verschiedenen Zugangswege jedoch auch zum Kinderspiel werden.

Dafür werden in diesem Artikel beispielsweise wichtige Fragen rund um die Literaturrecherche geklärt: Welchen Sinn und Zweck hat die Literaturrecherche gegebenenfalls? Wie und wo findet man letztlich Forschungsliteratur? Welche Methoden der Literaturrecherche gibt es darüber hinaus? Nachdem diese Fragen beantwortet wurden, geht es zuletzt um das Bibliographieren. Nach der Lektüre dieses Beitrags sollte die Recherche von Literatur schließlich übersichtlicher sein und keine unüberwindbare Hürde mehr darstellen.

Die Literaturrecherche

Bei der wissenschaftlichen Arbeit führt unter dem Strich kein Weg an der Literaturrecherche vorbei. Dies hat gleichwohl mehrere Gründe: Die Recherche hilft freilich dabei, sich mit einem Forschungsgebiet, dem aktuellen Wissensstand, der einschlägigen Literatur sowie wichtigen Autoren bekannt zu machen. Eine systematische Suche ermöglicht es überdies, einen möglichst großen Teil der relevanten Literatur zu einem Thema zu erfassen.

In der Auseinandersetzung mit der recherchierten Forschungsliteratur entwickelt man schließlich eigene Thesen, um letztendlich eine wissenschaftliche Fragestellung beantworten zu können. Außerdem geht es dementsprechend um die Abgrenzung oder Einordnung in ein Thema, womit man mit der Literaturrecherche das wichtige Fundament für eine erfolgreiche Bachelorarbeit oder Masterarbeit legt (Vgl. Handout der Universität Köln).

Wie findet man wissenschaftliche Literatur?

Für die Literaturrecherche muss man nun die wissenschaftlichen Beiträge nach Fachartikeln und Aufsätzen, Monografien, Beiträgen in Handbüchern und Sammelwerken, Online-Artikeln oder digitalen Medien unterscheiden. Davon abhängig sind schließlich die Zugangswege und Zugriffsmöglichkeiten über unterschiedliche Kataloge, Datenbanken oder Websites. Nur, wenn man sich damit auskennt, kann man eine geeignete Suchstrategie entwickeln und letztlich themenrelevante Literatur finden (Vgl. Brink 2013, S. 52).

Bei der eigentlichen Suche nutzt man schließlich themenrelevante Schlag- und Stichwörter sowie Autoren oder Titel bestimmter Forschungsbeiträge. Findet man aber keine passenden Beiträge mehr, hilft es, die Suche um Synonyme und allgemeinere Termini zu erweitern. Zudem erweitern Trunkierungen, das heißt Sternchen (*) hinter den Suchbegriffen, die Suche (Vgl. Boeglin 2007, S. 86). Ein Suchbefehl wie „Schuld*“ wirft demnach auch Ergebnisse wie „Schuldfrage“, „Schuldproblem“, „Schuldgefühle“ usw. aus.

Methoden der Literaturrecherche

Für die Literaturrecherche kommen mehrere Strategien in Frage, die sich im Wesentlichen nach dem Ausgangspunkt der Suche unterscheiden (Vgl. Kornmeier 2013, S.84 ff.):

Die rückwärts gerichtete Suche

Für die Literaturrecherche muss man die wissenschaftlichen Beiträge nach Fachartikeln und Aufsätzen, Monografien, Beiträgen in Handbüchern und Sammelwerken, Online-Artikeln oder digitalen Medien unterscheiden. Davon abhängig sind schließlich die Zugangswege und Zugriffsmöglichkeiten über unterschiedliche Kataloge, Datenbanken oder Websites. Nur, wenn man sich damit auskennt, kann man eine geeignete Suchstrategie entwickeln und themenrelevante Literatur finden (Vgl. Brink 2013, S. 52).

Bei der eigentlichen Suche nutzt man schließlich themenrelevante Schlag- und Stichwörter sowie Autoren oder Titel bestimmter Forschungsbeiträge. Findet man keine passenden Beiträge mehr, hilft es, die Suche um Synonyme und allgemeinere Termini zu erweitern. Weiterhin erweitern Trunkierungen, das heißt Sternchen (*) hinter den Suchbegriffen, die Suche (Vgl. Boeglin 2007, S. 86). Ein Suchbefehl wie „Schuld*“ wirft demnach auch Ergebnisse wie „Schuldfrage“, „Schuldproblem“, „Schuldgefühle“ usw. aus.

Die systematische Suche

Bei der systematischen Suche hingegen sucht man nach einschlägiger Literatur, seien es Fachzeitschriften, Lehrbücher, Monografien, Handbücher oder digitale Medien. Bei dieser Art von Literaturrecherche hat man im Gegenteil zur Schneeballmethode zumeist keine Quelle zur Grundlage.

An der Methode der systematischen Suche kommt man nicht vorbei, wenn man seinen wissenschaftlichen Aussagen ein solides Fundament geben will, da man auf diese Weise garantiert an wichtige Grundlagenwerke gerät (Vgl. Strategien der Recherche der Universität Hohenheim).

Die vorwärts gerichtete Suche

Wie bei der rückwärts gerichteten Suche, hat man indes auch bei dieser Methode eine oder mehrere Quellen als Ausgangslage. Jedoch konzentriert man sich nicht auf die Literatur, die der Autor dieser Quelle zitiert, sondern recherchiert schließlich Autoren, die sich später mit der vorliegenden Quelle beschäftigt haben.

Auf diese Weise gelangt man folglich weniger an Grundlagenwerke, als an aktuelle Forschungsbeiträge. Dabei leistet der (kostenpflichtige) Social Science Citation Index (SSCI) Hilfe, mit welchem man außerdem auf die Literaturverzeichnisse der Autoren, die bestimmte Titel später aufgegriffen haben, zugreifen kann.

Die gemischte Strategie

Für welche Methode der Literaturrecherche man sich letztendlich entscheidet, hängt vor allem von der Ausgangssituation ab. Hat man bereits wichtige Literatur zur Hand oder vom Betreuer der Bachelorarbeit oder Masterarbeit empfohlen bekommen, bietet sich die rückwärts- oder vorwärts gerichtete Suche an.

Da es bei diesen Suchstrategien aber sein kann, dass man sich nur auf ältere bzw. neuere Forschungsbeiträge konzentriert, ist es empfehlenswert, alle Recherchemethoden anzuwenden.

Wo findet man wissenschaftliche Literatur?

Der Möglichkeiten wissenschaftliche Literatur zu finden gibt es viele; die Hochschulbibliothek ist längst nicht der einzige Ort, wo man an Bücher, Aufsätze oder digitale Medien gelangen kann. Je nach Fachrichtung, Textart oder Bundesland unterscheiden sich insbesondere die virtuellen Möglichkeiten der Literaturrecherche.  In der folgenden Übersicht werden die wichtigsten Zugangswege vorgestellt.

Regionale Bibliotheken

Der universelle Einstiegspunkt in die Literaturrecherche ist der Katalog der Universitäts- bzw. Hochschulbibliothek sowie der Staats- und Landesbibliotheken vor Ort. Neben Monographien, sind mit entsprechenden Stichworten über die Suchmaske auch Fachzeitschriften, E-Books und E-Journals oder Sonderbestände zu finden.

 Erweiterte Suche im OPAC der Humboldt Universität zu Berlin

Abb. 1: Erweiterte Suche im OPAC der Humboldt Universität zu Berlin 

Wer Glück hat, wohnt in der Nähe der Deutschen Nationalbibliothek (DNB) in Frankfurt am Main oder Leipzig – in den Bibliotheken werden alle deutschsprachig erschienenen Publikationen zur Präsenz bereitgestellt. Allerdings ist die Benutzung der DNB kostenpflichtig.

Suche im Online-Katalog der Deutschen Nationalbibliothek

Abb. 2: Suche im Online-Katalog der Deutschen Nationalbibliothek

Überregionale Bibliotheken

Sind die gewünschten Titel sowohl in der Hochschulbibliothek, als auch in anderen regionalen Bibliotheken nicht vorhanden oder bereits verliehen, können diese über spezielle Datenbanken überregional recherchiert werden. Zu solchen Datenbanken gehören der Karlsruher Virtuelle Katalog (KVK) oder die Zeitschriftendatenbank. Für eine internationale Suche gibt es WorldCat. Ist man fündig geworden, können die relevanten Titel schließlich per Fernleihe in die eigene Bibliothek geliefert werden. In der Regel ist dieser Service kostenpflichtig.

Suche im Karlsruher Virtuellen Katalog

Abb. 3: Suche im Karlsruher Virtuellen Katalog

Zeitschriftendatenbanken und Bibliographien

Auch wenn eine Vielzahl an Zeitschriften, E-Journals und E-Books bereits in der Hochschulbibliothek zu finden ist, sollten für eine ausgedehntere Suche Zeitschriftendatenbanken sowie Online-Bibliographien und Online-Archive herangezogen werden. Von Fachrichtung zu Fachrichtung gibt es unterschiedliche Rechercheportale, die insbesondere aktuelle wissenschaftliche Forschungsbeiträge aus relevanten Fachzeitschriften versammeln. Um welche Webseiten es sich handelt, sollte man deshalb vorab recherchieren.

Ein beliebtes Online-Archiv: JSTOR

Abb. 4: Ein beliebtes Online-Archiv: JSTOR

Internetrecherche

Zu guter Letzt kann natürlich auch Google eine Hilfe sein, genauer gesagt Google Books und Google Scholar. Zwar werden aus urheberrechtlichen Gründen oft nicht alle der digitalisierten Seiten angezeigt, doch können zumeist das Inhaltsverzeichnis, die Einleitung oder das Literaturverzeichnis gelesen werden. Ist der Titel von weiterem Interesse, findet man ihn vielleicht in der Bibliothek oder man kann ihn per Fernleihe entleihen.

Suche über Google Scholar

Abb. 5: Suche über Google Scholar

Das Bibliographieren

Einer der wichtigsten Aspekte bei der Literaturrecherche ist das Bibliographieren. Bereits während der Recherche sollten alle Titel mit vollständigen bibliographischen Angaben in einer Liste gesammelt werden (Vgl. Sittig 2008, S. 64) und die Literatur verwaltet werden. Zu diesen Angaben gehören der Name des Autors, ggf. der Herausgeber, der Titel und ggf. Untertitel sowie Erscheinungsjahr, Erscheinungsort und Verlag der Publikation – wobei das nicht jedem Fach verlangt wird.

Wichtig ist es dabei, darauf zu achten, um welche Art von Quelle es sich handelt. Je nachdem, ob es sich um eine Monografie, Aufsätze in einem Sammelband, Zeitschriftenartikel oder um Quellennachweise aus dem Internet handelt, unterscheiden sich die Zitierweisen.

Weiterhin sollte man sich über vom Institut bzw. der Fachrichtung festgelegte Zitierarten informieren (Vgl. z.B. Merkblatt der Philosophischen Fakultät der Universität Köln). Oftmals wird auf bestimmte Zitierstile (z.B. MLA, Harvard, Chicago Style) verwiesen – wenn es nicht sogar eine vom Dozenten vorgegebene Form des Bibliographierens gibt.

Mit einer von Anfang an vollständigen, sorgfältig geführten Bibliographie spart man viel Zeit und Arbeit. Wer sich erst zum Schluss an das Bibliographieren macht, stößt vielleicht auf fehlende Angaben und hat nicht mehr ausreichend Zeit, diese erneut zu recherchieren. Daher ist es ratsam, bei der Literaturrecherche alle Titel aufzunehmen – was letztendlich doch nicht in die wissenschaftliche Arbeit aufgenommen wird, kann immer noch aussortiert werden.

Um unter der Vielzahl an Forschungsliteratur die relevanten Titel zu finden, braucht es eine strukturierte, organisierte Vorgehensweise. Gerade, wenn man noch nicht weiß, was man sucht, ist es wichtig zu wissen, wie und wo man sucht.

Kennt man die verschiedenen Methoden und Zugangswege für die Literaturrecherche, stößt man schnell auf relevante Forschungsbeiträge, und das ohne sich zu verzetteln.  Achtet man zuletzt darauf, die ausgewählte Literatur bereits von Anfang vollständig zu bibliographiere, steht dem entspannten  Verfassen einer guten Bachelorarbeit oder Masterarbeit nichts mehr im Weg.

Literatur

Boeglin, Martha (2007): Wissenschaftlich arbeiten Schritt für Schritt, München.

Brink, Alfred (2013): Anfertigung wissenschaftlicher Arbeiten: Ein prozessorientierter Leitfaden zur Erstellung von Bachelor-, Master- und Diplomarbeiten, 5. akt. u. erw. Aufl., Wiesbaden.

Kornmeier, Martin (2011): Wissenschaftlich schreiben leicht gemacht: Für Bachelor, Master und Dissertation, 7. akt. u. erg. Aufl., Bern.

Sittig, Claudius (2008): Arbeitstechniken Germanistik, 4. Aufl., Stuttgart.

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