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So schreibst Du einen Peer-Review in 7 Schritten

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Peer Review in 7 Schritten schreiben


Bei einem Peer-Review bewerten Forscher:innen eine wissenschaftliche Arbeit aus ihrem eigenen Fachgebiet. Dieser Vorgang soll dafür sorgen, dass die Arbeit höchsten Qualitätsansprüchen gerecht wird. Denn der Peer-Review erfolgt bereits vor der Veröffentlichung des reviewten Textes, etwa in einer Fachzeitschrift. Doch auch bei der Auswahl von Konferenzbeiträgen oder der Entscheidung über Fördergelder für Forschungspläne zieht man ihn zurate. Bei uns erfährst Du, wie Du einen solchen Text in 7 einfachen Schritten selbst verfasst.

Was ist ein Peer-Review?

Ein Peer-Review ist die Prüfung einer wissenschaftlichen Arbeit durch Forschende aus demselben Fachgebiet. Diese wird unter anderem vorgenommen, bevor der Text etwa in einer Fachzeitschrift veröffentlicht wird. Demzufolge sichern solche Reviews die Einhaltung der hohen Qualitätsstandards wissenschaftlicher Texte. Aber auch bei der Vergebung von Forschungsgeldern oder der Auswahl möglicher Konferenzpaper werden solche Verfahren genutzt.

Diese Peer-Review-Verfahren gibt es

Zu den häufigsten Peer-Review-Verfahren gehören der Single-Blind- sowie Double-Blind-Review. Dabei steht Anonymität an oberster Stelle, damit der Text so objektiv wie möglich bewertet werden kann. Weitere Optionen findest Du in der folgenden Tabelle.

Tabelle 1: Verschiedene Peer-Review-Verfahren

Verfahrensart des Peer-Reviews
Merkmale
Single-Blind-Review Der oder die Verfasser:innen wissen nicht, von wem ihr Text begutachtet wird.
Double-Blind-Review (Doppelblindverfahren) Die Verfasser:innen wissen nicht, von wem der Text begutachtet wird. Auch die Begutachter:innen wissen nicht, wer den Text geschrieben hat. Diese Praxis wird häufig in Reformvorschlägen angestrebt (vgl. Fröhlich, 2002).
Triple-Blind-Review Die Verfasser:innen wissen nicht, wer ihren Text begutachtet. Auch die Begutachter:innen wissen nicht, wer den Artikel geschrieben hat. Die Herausgeber:innen der Fachzeitschrift wissen ebenfalls nicht, wer den Text geschrieben hat.
Post-Publication-Peer-Review Es gibt keinen Peer-Review vor der Veröffentlichung des Textes. Stattdessen wird der Text anschließend mithilfe einer entsprechenden Kommentarfunktion diskutiert.

Ablauf vom Peer-Review

Wird ein Artikel bei einer Fachzeitschrift eingereicht, muss er sich in der Regel in einem dreistufigen Peer-Review-Verfahren beweisen. Dieses sieht folgendermaßen aus:

1. Vorprüfung (Desk-Review)

Im Rahmen der Vorprüfung entscheiden die Herausgeber:innen, ob der Artikel direkt abgelehnt oder bei einem Peer-Review gründlich geprüft werden soll. Dafür werden Forscher:innen und Wissenschaftler:innen aus dem entsprechenden Fachgebiet und mit dem notwendigen Wissen ausgesucht.

2. Peer-Review

Im Peer-Review selbst wird der Artikel dann auf Herz und Nieren geprüft. Besonders wichtig ist hierbei, dass der Artikel thematisch zur Fachzeitschrift passt und qualitativ hochwertig ist. Die Prüfer:innen achten häufig im Rahmen verschiedener Fragebögen dementsprechend auf folgende Aspekte:

  • Wurden Forschungsfragen und Hypothesen klar formuliert?
  • Sind Methodik und Forschungsansatz dabei für die Beantwortung der Fragen geeignet?
  • Liefert der Text außerdem neue Forschungsergebnisse?
  • Sind die Ergebnisse darüber hinaus reproduzierbar?
  • Ist der Text ebenfalls ethisch vertretbar?
  • Hat er oder sie dabei logisch und systematisch argumentiert?

3. Entscheidung

Wurde der Artikel eingehend peer-reviewed, entscheiden die Herausgeber:innen, ob er veröffentlicht, abgelehnt oder zur Überarbeitung an den oder die Verfasser:innen zurückgeschickt wird. Besonders interessant ist dabei, dass in der Regel zwischen 50 und 90 Prozent der Artikel abgelehnt werden. Nicht-veröffentlichte Texte sind dementsprechend nicht immer schlecht. Jedoch müssen sie sich unter unzähligen eingereichten Artikeln behaupten. Häufig reichen die Autoren und Autorinnen ihre Arbeiten daher nacheinander in mehreren Fachzeitschriften ein.

Ablauf vom Peer-Review-Verfahren

Abb. 1: Ablauf vom Peer-Review-Verfahren

Wie erkenne ich einen peer-reviewten Artikel?

Für Deine eigene Hausarbeit ist es immer von Vorteil, auf peer-reviewte Quellen zurückzugreifen. Diese sind in der Regel verlässlicher als andere. Doch wie erkennt man einen Text, der einen Peer-Review überstanden hat?

In Bibliothekskatalogen kannst Du dafür häufig die Filter „scholarly (peer-reviewed) Journals“ oder „durch Fachleute geprüft“ nutzen. Gibt es diese Möglichkeit jedoch nicht, suchst Du in den jeweiligen Texten nach Begriffen wie „online first“ oder „Epub ahead of print“. Denn solche Texte wurden vor dem Druck in der Regel einem Peer-Review unterzogen und vorab online veröffentlicht.

Dahingegen signalisieren Wörter wie „pre-print/preprint“ oder „working paper“, dass der Text noch nicht durch einen Peer-Review geprüft wurde. Hierbei solltest Du vorsichtig sein, da solche Texte als graue Literatur gelten und dementsprechend nicht immer vertrauenswürdig sind.

Einen Peer-Review schreiben in 7 Schritten

Möchtest Du selbst etwa im Rahmen Deiner Bachelorarbeit einen Peer-Review verfassen, kannst Du Dich dabei an unseren 7 Schritten dazu orientieren:

  1. Kernelemente aufzählen
  2. Forschungsfrage/Hypothese begutachten
  3. Methodik überprüfen
  4. Struktur bewerten
  5. Quellenarbeit beurteilen
  6. Klarheit evaluieren
  7. Argumentationsstruktur betrachten

1. Kernelemente aufzählen

Hierbei fasst Du zunächst die Kernelemente und Hauptpunkte des Textes zusammen. Aber Achtung: Nicht den Abstract kopieren, sondern in eigenen Worten formulieren!

2. Forschungsfrage/Hypothese begutachten

Enthält der zu begutachtende Text eine deutlich formulierte Forschungsfrage und ggf. entsprechende Hypothesen?

3. Methodik überprüfen

Bewerte hier anschließend, ob die angewandte Methodik geeignet ist, um die Forschungsfrage zu beantworten. Außerdem solltest Du natürlich überprüfen, ob die Methodik korrekt und konsequent durchgeführt wurde. Zusätzlich kannst Du anmerken, wenn es in Deinen Augen besser geeignete Methoden für das Forschungsvorhaben gegeben hätte.

4. Struktur bewerten

Frag Dich nun, ob der Text sinnvoll gegliedert ist. Hat der oder die Verfasser:in sich dabei an bestimmte fachabhängige Regelungen gehalten?

5. Quellenarbeit beurteilen

An dieser Stelle bewertest Du dann die Quellenarbeit im Text. Wurden ausreichend Quellen genutzt, um die Thesen zu belegen? Sind diese Quellen darüber hinaus vertrauens- und glaubwürdig? Wurde außerdem korrekt zitiert oder übersteht der Artikel keine Plagiatsprüfung?

6. Klarheit evaluieren

Ist der Text ebenfalls klar und verständlich formuliert? Gibt es Passagen, die eventuell mehrfach gelesen werden mussten, um sie zu verstehen?

7. Argumentationsstruktur betrachten

Abschließend untersuchst Du, ob schlüssig und konsistent argumentiert wurde. Gibt es Logikfehler? Hat der oder die Verfasser:in darüber hinaus eigene Gedanken und Schlussfolgerungen geäußert? Oder hat er oder sie ausschließlich fremde Quellen zitiert?

Kritik

Auch wenn sich der Peer-Review über viele Jahre bewährt hat, gibt es einige Schwachstellen:

  • Durch das dreistufige Verfahren und die Korrekturrunden dauert es teilweise sehr lange, bis ein Artikel erscheint. Bis dahin kann sich der Forschungsstand bereits verändert haben.
  • Außerdem sind die Begutachter:innen nicht immer objektiv. Manchmal können sie trotz Anonymität etwa durch die zitierten Quellen erahnen, wer den Text geschrieben hat.
  • Teilweise werden schwere Fehler in den Texten übersehen, da die Begutachter:innen aufgrund ihrer ehrenamtlichen Tätigkeit unter Zeitdruck stehen oder ein geringes Interesse an den Artikeln haben.
  • Auch neuartige Ideen und Ansätze können zu Ablehnungen führen, wenn die Prüfer:innen dafür nicht offen sind.

Ein Peer-Review stellt sicher, dass nur qualitativ hochwertige Texte in einer Fachzeitschrift landen. Nicht immer bedeuten gemachte Fehler dabei das Aus für den oder die Verfasser:in. Denn im Rahmen einer Überarbeitungsrunde kann er oder sie diese ausbessern. Dennoch müssen sich die Texte unter vielen Einreichungen beweisen. Und wer weiß – vielleicht schreibst ja auch Du in Deiner Masterarbeit einen Peer-Review, der anderen zur Orientierung dient.

Literatur

Fröhlich, Gerhard (2002): Anonyme Kritik. Peer Review auf dem Prüfstand der Wissenschaftsforschung, Graz.

Hirschauer, Stefan (2004): Peer Review Verfahren auf dem Prüfstand. Zum Soziologiedefizit der Wissenschaftsevaluation, Stuttgart.

FAQs zum Peer-Review

Was ist ein Peer-Review?

Ein Peer-Review bedeutet die Prüfung eines wissenschaftlichen Textes durch Spezialisten und Spezialistinnen des jeweiligen Fachgebiets. Häufig entscheiden Peer-Reviews darüber, ob ein Artikel in einer Fachzeitschrift abgedruckt oder bei einer Konferenz besprochen wird. Das Peer-Review-Verfahren wird dementsprechend als Kernelement wissenschaftlicher Kommunikation verstanden (vgl. Hirschauer, 2004).

Warum ist das Peer-Review-Verfahren so wichtig?

Peer-Reviews garantieren, dass die jeweiligen Texte den hohen Qualitätsansprüchen an wissenschaftliche Arbeiten gerecht werden. Durch die fachkundige Beurteilung kannst Du Dich darauf verlassen, dass der Text eine vertrauenswürdige Quelle auch für Deine Arbeit oder Forschung ist. Ebenfalls die Uni Hamburg argumentiert deswegen für das Peer-Review-Verfahren.

Wo sehe ich, ob ein Artikel peer-reviewed ist?

Bibliothekskataloge bieten oftmals die Filter-Optionen „scholarly (peer-reviewed) Journals“ oder „durch Fachleute geprüft“ an. Außerdem weisen Begriffe wie „online first“ oder „Epub ahead of print“ in den Texten darauf hin, dass diese vor der Veröffentlichung peer-reviewed wurden. Bei Begriffen wie „pre-print/preprint“ oder „working paper“ solltest Du hingegen vorsichtig sein, da solche Texte keinen Peer-Review durchlaufen haben. Sie sind dementsprechend nicht immer zitierfähig.

Wie schreibt man einen Review-Artikel?

Dafür kannst Du Dich an unserer Schritt-für-Schritt-Anleitung orientieren: 1. Kernelemente zusammenfassen, 2. Forschungsfrage(n)/Hypothese(n) prüfen, 3. Methodik evaluieren, 4. Struktur beurteilen, 5. Quellen inspizieren, 6. Klarheit überprüfen, 7. Argumentation bewerten. Genaueres zu den einzelnen Schritten findest Du weiter oben. Falls Du das Ganze im Rahmen Deiner Abschlussarbeit in Angriff nimmst, solltest Du Dir auch unbedingt ansehen, wie man eine eidesstattliche Erklärung schreibt!

Welche Arten von Reviews gibt es noch?

Neben dem Peer-Review gibt es unter anderem die Scoping- oder Realist-Reviews. Bei der systematischen Übersichtsarbeit handelt es sich ebenfalls um einen Review. Ein Beispiel dafür findest Du bei der Hochschule Mittweida.

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