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Die Bachelorarbeit oder Masterarbeit auf Englisch schreiben



21 Feb Die Bachelorarbeit oder Masterarbeit auf Englisch schreiben

Bessere internationale Jobchancen und eine größere Herausforderung: Es gibt viele Gründe, in jedem Fall eine englische Bachelorarbeit oder Masterarbeit zu schreiben. Doch was unterscheidet sie schließlich von einer Thesis auf Deutsch? Was sind typische englische Ausdrücke im akademischen Sprachgebrauch? Welche Zeitformen sollte man verwenden? Und was muss man beim Literaturüberblick beachten? Hier gibt es eine Übersicht über die sprachlichen Besonderheiten einer englischen Thesis.

Allgemeines zum englischen Schreibstil

Eine englische Bachelorarbeit oder Masterarbeit sollte man im Grunde genommen im Präsens, also in present tense, schreiben (reports, is portrayed). Üblich sind auch Adverbialsätze mit as und Präpositionalgefüge wie as displayed in […].

Die Sprache im Englischen lebt zudem von Klarheit. Das bedeutet also: Fremdwörter sind nur nötig, wenn der Inhalt ohne sie dementsprechend nicht verständlich wird (Vgl. Jackob (2010), 17). Zudem erfolgt die Definition von Begriffen klar und ohne Umschweife (Vgl. Mautner (2016), 28). Falls man Fachbegriffe verwendet, muss man diese dann auch in identischer Form wiederholen.
Wichtig ist außerdem das genaue Erklären (spelling out) von Zusammenhängen im Englischen: Man nimmt den Leser schließlich mit auf eine intellektuelle Reise (Vgl. ebd., 41).

Einleitung für eine englische Bachelorarbeit und Masterarbeit

In englischen Texten bezeichnet man die Einleitung als Introduction. Sie dient dazu, den Leser anfangs in die englische Bachelorarbeit oder Masterarbeit  einzuführen, anschließend die Fragestellung (limitations of the research) abzugrenzen sowie die Untersuchung zu einem Ziel zu bringen (objective and organization of the research). Mögliche Unterüberschriften in der Einleitung können daher beispielsweise problem and research question (Problem und Forschungsfrage), problem description (Problembeschreibung), oder objectives of the proposal bzw. research objectives (Ziele der Untersuchung) sein. Statt research kann man jedoch auch die Bezeichnung investigation oder study nutzen (Vgl. Brink (2013): 3f).

Wie die gesamte Bachelorarbeit oder Masterarbeit  sollte im Grunde genommen bereits die Einleitung aus logisch aufeinander bezogenen rhetorischen Schritten bestehen, sodass ein roter Faden entsteht. Dies drückt man dann mit Verknüpfungs- und Verbindungswörtern (however, therefore, thus, since, as, so that) aus.
Strukturell kann man sich die Einleitung außerdem als Dreischritt vorstellen, in dem die Fragen Was?, Warum? und Wie? beantwortet werden:

Was? Zunächst führt man auf das Thema hin und rechtfertigt die Relevanz der eigenen Thematik. Dazu ist unbedingt eine Literaturrecherche nötig, in der man anschließend den eigenen Beitrag verortet. In dieser Literaturübersicht sollten jedoch grundsätzlich nur solche Werke erwähnt werden, die von Relevanz für die eigene englische Bachelorarbeit oder Masterarbeit sind.

Warum? Man verweist schließlich auf eine Lücke in der bisherigen Forschung, welche eine Forschungsfrage aufwirft.

Wie? Nun geht es um das Schließen dieser wissenschaftlichen Lücke. Der Autor stellt zu diesem Zweck bestimmte Forschungsziele auf, gibt einen knappen Ausblick auf den weiteren Verlauf der Arbeit und geht schließlich auf deren Gliederung ein (Vgl. Mautner (2016), 29).

Argumentation und Textstruktur im Hauptteil für eine englische Bachelorarbeit und Masterarbeit

Der Begriff der writer responsibility bezeichnet die Verantwortung des Autors für den Text und dementsprechend für das Leseverständnis. Das zeigt weiterhin, dass für eine englische Bachelorarbeit oder Masterarbeit die schlüssige Argumentation besonders im Vordergrund stehen sollte. Diese erreicht man jedoch durch Linearität und das Vermeiden von Exkursen und Abschweifungen (Vgl. Siepmann (2016), 9f).

Die Aufteilung der Argumente erfolgt nach der Thema-Rhema-Struktur. Das heißt, man trennt alte und neue Informationen voneinander (Mautner (2016), 31). Mit dem Ziel der Verständlichkeit stellt man außerdem Begriffserklärungen stets an den Anfang des Textes (ebd., 28). Weiterhin sollte man nur ein Hauptargument pro Absatz in die Argumentation einbauen (Vgl. ebd., 35).

Zudem beinhaltet eine englische Bachelorarbeit oder Masterarbeit häufig einen Metadiskurs, indem dann über das Bachelorarbeit Schreiben geschrieben wird. Dieser dient beispielsweise dazu, den Aufbau der Arbeit zu erklären (our article is divided into five sections). Des Weiteren erläutert man Argumentationsschritte (we are proposing a new model which explains why […]) oder blickt im Text voraus (having discussed x, we can now turn to y). Möchte der Autor seine Einstellung mit einbeziehen, kann er das anschließend durch Formulierungen wie surprisingly erkennbar machen.

Um dem Leser ein durchgängiges Textverständnis zu ermöglichen, ist das Erzeugen von Kohäsion für die englische Bachelorarbeit oder Masterarbeit außerdem besonders wichtig. Dies erreicht man durch Mittel wie Wortwiederholungen, Pronomen, Bindewörter (vehicle und car) oder Verbindungswörter (since, thus, therefore, Vgl. Siepmann (2016): 13f).

Darüber hinaus ist es ratsam, nur ein Hauptargument pro Satz unterzubringen. Absätze sollte man mit einem topic sentence beginnen, der das Thema vorstellt.

Ein weiter wichtiger Punkt ist Transparenz: Was wurde untersucht und warum? In welcher wissenschaftlichen Tradition steht die eigene englische Bachelorarbeit oder Masterarbeit ? Was ist das Ziel der Studie und wie möchte man dorthin gelangen? Welches Material hat man untersucht? Und was sind die Resultate dieser Untersuchung (Vgl. Mautner (2016), 40f.)

Literaturüberblick gestalten

Der Literaturüberblick (literature review) ist ein wichtiger Bestandteil für die englische Bachelorarbeit oder Masterarbeit. Man kann ihn in drei Formen anfertigen, als:

  • selektive Literaturübersicht (narrative literature review): Man kann diese kürzer oder länger gestalten oder als eigenen Abschnitt ausgliedern. Außerdem bietet sie eine subjektive Auswahl mit dem Ziel eines breiten Literaturüberblicks.
  • systematische Literaturübersicht (systematic literature review): Darin berücksichtigt man alle Studien, die bestimmten Kriterien genügen.
  • Metaanalysen (metaanalysis): Dabei handelt es sich um die statistische Zusammenfassung von Daten mehrerer Studien und somit um eine empirische Thesis (Vgl. Siepmann (2016), 37ff). Gerade wenn es hier Probleme gibt, kann man sich an eine Datenanalyse Beratung oder einen Statistik Service bzw. eine statistische Beratung wenden.

Auswertungen und Präsentation von Ergebnissen

Ergebnisse gibt man im Englischen meist in drei verschiedenen Formen an: Entweder als Vergleiche (the mortality was 10 percent higher than […]), oder aber als Zeitangaben mit quantifizierenden Elementen. Darüber hinaus ist auch eine Angabe zu Beziehungen zwischen Variablen (a is associated with b) möglich.

Dabei unterscheidet man zwischen allgemeinen und spezifischen Ergebnisangaben.
Die Ergebnisse hebt man mit Ausdrücken wie however oder it should be noted that hervor. Die besonders beliebte Verbindung mehrerer Resultate in Form eines Vergleichs (Vgl. Mautner (2016): 22) zeigt sich in oft in Wendungen wie as expected by Miller (1999), […] oder these findings compare favourably with … (Vgl. Mautner (2016), 27f.).

Häufig kombiniert man auch Adjektive mit abstrakten Substantiven, wie beispielsweise in broad range, huge variety oder effective method. Ebenfalls oft findet man Adjektiv-Adverb-Kombinationen (increasingly integral) (Vgl. Siepmann (2016), 34f.).

Besonders wenn man jedoch nicht in der eigenen Muttersprache schreibt, sollte man auf eine Überprüfung der Thesis nicht verzichten. Ist man mitten beim Schreiben doch zu dem Schluss gekommen, dass man die sprachlichen Anforderungen an eine Thesis noch nicht stemmen kann, bittet sich auch eine Übersetzung aus dem Deutschen an. Alternativ liefert auch ein englischsprachiges Lektorat einer Bachelorarbeit oder Masterarbeit ein gutes Ergebnis.

An diesen Beispielen erkennt man deutlich: Es existiert kein allgemeingültiges Vorbild für eine englische Thesis oder eine universelle englische Wissenschaftssprache (Vgl. Mautner (2016), 28). Trotzdem gibt es einige Eigenarten in Schreibweise und Aufbau, die man bei einer englischen Thesis beachten sollte. Weitere Informationen erhält man auch auf den Websites der Hochschulen wie hier bei der Universität zu Köln. Häufig sind auch entsprechende Anträge für die englische MA-Thesis zu finden, die sich von Uni zu Uni unterscheiden.

Literatur

Brink, Alfred (2013): Anfertigung wissenschaftlicher Arbeiten in Englisch, Wiesbaden.

Jackob, Nikolaus (2010): Die Kunst des Einfachen: Zehn Vorschläge für einen guten wissenschaftlichen Schreibstil, Der Fachjournalist.

Mautner, Gerlinde (2016): Wissenschaftliches Englisch: Stilsicher Schreiben in Studium und Wissenschaft, Konstanz.

Siepmann, Dirk (2016): Wissenschaftliche Texte auf Englisch schreiben: Leitfaden für die Praxis, Stuttgart.

Weiterführende Literatur:

Heine, Matthias (2017): Der Kampf um die Sprache der Wissenschaft, Welt Online.

Lueg, Andrea (2017): Streit um die Sprache, Deutschlandfunk.

Osel, Joachim (2014): Wer Leser will, muss auf Englisch schreiben, SZ Online.

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