So verwendet man den Konjunktiv in der Bachelorarbeit und Masterarbeit

Konjunktiv


11 Feb So verwendet man den Konjunktiv in der Bachelorarbeit und Masterarbeit

Im heutigen Sprachgebrauch ist der Konjunktiv schon fast verloren gegangen, denn seine Formen klingen häufig antiquiert und umständlich. Für das wissenschaftliche Schreiben ist seine richtige Anwendung beim Zitieren dagegen umso wichtiger. Wie man den Konjunktiv daher bildet und wie man ihn in einer Hausarbeit, Bachelorarbeit, Masterarbeit oder der Dissertation fürs Studium richtig gebraucht, erklärt dieser Text.

Was ist der Konjunktiv?

Bei Verben unterscheidet man zwischen verschiedenen Modusformen, die dem Leser jeweils Hinweise darüber geben, ob etwas tatsächlich geschieht, eher unwahrscheinlich oder gar unmöglich ist (vgl. Steinhauer 2015: 7). Beim Modus gibt es daher folgende Möglichkeiten:

Indikativ: Dies ist der häufigste und gebräuchlichste Modus. Der Indikativ wird auch Wirklichkeitsform oder Normalfall genannt, da man mit ihm aussagt, dass etwas wirklich passiert.
Beispiel: Ich komme rechtzeitig zur Vorlesung.

Imperativ: Hierbei handelt es sich um die Befehlsform. Mit dem Imperativ fordert man jemanden auf, etwas zu tun.
Beispiel: Komm rechtzeitig zur Vorlesung!

Konjunktiv: Auch unter dem Begriff Möglichkeitsform bekannt, drückt man mit ihm aus, dass etwas möglich, wahrscheinlich oder irreal ist.
Beispiel: Ich käme rechtzeitig zur Vorlesung, wenn der Zug keine Verspätung hätte.

Wann verwendet man den Konjunktiv in der Bachelorarbeit oder Masterarbeit?

In der mündlichen Kommunikation und in der alltäglichen Sprache wird die Möglichkeitsform kaum noch verwendet. Stattdessen greifen viele schlichtweg auf den Indikativ zurück (vgl. Moll/Thielmann 2016: 148). Im Schriftlichen dagegen verwendet man den Konjunktiv aus zwei Gründen: Zum einen, um einen Wunsch zu äußern, zum anderen bei der indirekten Rede, beziehungsweise beim indirekten Zitieren.

Um wiederzugeben, wie wahrscheinlich eine Tatsache ist, wird die Möglichkeitsform außerdem noch einmal untergliedert in den Konjunktiv I und den Konjunktiv II. Mit ersterer Form drückt man in der indirekten Rede aus, dass man keine Zweifel am Gesagten hat (vgl. Kornmeier 2016: 188).

Den Konjunktiv II bildet man dagegen, wenn jemand etwas behauptet und man dieser Aussage kritisch gegenübersteht. Das heißt, dass man dann nicht davon ausgeht oder dass man sich nicht vorstellen kann, dass dies wirklich passiert ist. Man zweifelt also am Wahrheitsgehalt der Aussage (vgl. Steinhauer 2015: 8). Welchen Unterschied die Verwendung des jeweiligen Konjunktivs macht, zeigt dieses Beispiel:

Unterschied des Konjunktivs

Wie wird der Konjunktiv gebildet?

Um den Konjunktiv I zu bilden, nimmt man den Stamm der Präsensform und verbindet diesen mit den entsprechenden Endungen -e, -est, -e, -en, -et, -en.
Beispiel Konjunktiv I: Er studier-e.

Bei der Bildung des Konjunktivs II verwendet man den Präteritumstamm und hängt dieselben Endungen an wie beim Konjunktiv I.

Beispiel Konjunktiv II: Er studiert-e.

Beide Möglichkeitsformen können neben der Gegenwart auch in der Vergangenheit und der Zukunft ausgedrückt werden, indem man sie mit dem Partizip Perfekt beziehungsweise dem Infinitiv des Verbs kombiniert (vgl. Steinhauer 2015: 8 sowie 100).

Beispiel Konjunktiv I: Er habe studiert (Vergangenheit), Er werde studieren (Zukunft)

Beispiel Konjunktiv II: Er hätte studiert (Vergangenheit), Er würde studieren (Zukunft)

Diese einfache Regelung gilt allerdings nur für regelmäßige Verben, auch schwache Verben genannt. Bei unregelmäßigen beziehungsweise starken Verben, muss in der Regel bei der Bildung des Konjunktivs II der Stammvokal in einen Umlaut geändert werden (vgl. Steinhauer 2015: 8).

Beispiel: Er verstand (Indikativ) > Er verstünde (Konjunktiv II)

Um sicherzugehen, ist es hilfreich im Internet nach den entsprechenden Konjugationstabellen zu suchen. Einen guten und verlässlichen Überblick hierfür bietet zum Beispiel Duden Online. Dort findet man etwa für das Verb geben folgende Tabelle:

Tabelle zu Verformen
Tabelle 1: Tabelle zu Verformen

Ist die Form des Konjunktivs I gleich der des Indikativs, sollte bei indirekter Rede auf den entsprechenden Konjunktiv II ausgewichen werden. So entsteht für den Leser keine Verwechselungsgefahr unterschiedlicher Aussagen. (vgl. Hoffmann 2015: 64).

Wie verwendet man den Konjunktiv bei der Bachelorarbeit und Masterarbeit richtig?

Die Möglichkeitsform findet im wissenschaftlichen Schreiben beim Zitieren häufig Gebrauch. Eignet sich zudem eine Textstelle aus dem Original nicht für ein direktes Zitat, weil es zum Beispiel zu lang ist, kann man so auf das indirekte Zitieren ausweichen (vgl. Hoffmann 2015: 63 sowie (vgl. Oertner/St. John/Thelen 2014: 43). Er ist daher eine hilfreiche Alternative.

Statt mit Anführungszeichen wie beim direkten Zitieren kennzeichnet man dann mit der Möglichkeitsform in wissenschaftlichen Texten (Vgl. die Hinweise der Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg), dass es sich dabei um die Aussage eines anderen Autors handelt und nicht die eigene. So ist für den Leser ersichtlich, wessen Meinung im Text gerade vertreten ist, und es lassen sich Unklarheiten vermeiden.

Dabei ist die Verwendung der Möglichkeitsform beim Zitieren nicht immer notwendig. Wenn man sich bereits zu Beginn des Satzes auf den Autor bezieht und dessen Namen nennt oder wenn man die zitierte Aussage mit einem „dass“ einleitet, kann man auf ihn verzichten (vgl. Moll/Thielmann 2016: 149 sowie vgl. Steinhauer 2015: 100).

Will man dagegen ausdrücken, dass man eine These als kritisch einordnet oder sie anzweifelt, sollte man auf alle Fälle die Möglichkeitsform verwenden, um dies für den Leser so zu kennzeichnen. Dies ist auch der Fall, wenn eine Aussage keine ausreichenden wissenschaftlichen Belege aufweist (vgl. Moll/Thielmann 2016: 150) und nicht den Regeln des wissenschaftlichen Arbeitens entspricht.

Vor- und Nachteile des Konjunktivs beim indirekten Zitieren

Mit dem Konjunktiv hat man die Möglichkeit, sich bei indirekten Zitaten von der Aussage eines Autors abzugrenzen und sich kritisch davon zu distanzieren. Dass die eigene Meinung und eigene Gedanken nicht damit gleichzusetzen sind, wird dem Leser auf diese Weise verdeutlicht.

Allerdings wird in einem Merkblatt der Goethe-Universität Frankfurt zum wissenschaftlichen Schreiben davon abgeraten, Konjunktive und indirekte Reden zu häufig zu verwenden. Statt lediglich das Gesagte des Autors auf diese Weise wiederzugeben, sollte man versuchen, die Aussagen in eigenen Worten auszudrücken. Denn es geht dabei nicht darum, fremde Gedanken zusammenzufassen, sondern diese zu bearbeiten und zu interpretieren.

Keine Frage, der Konjunktiv hat seine Tücken. Doch gerade bei wissenschaftlichen Arbeiten zählt eine korrekte Rechtschreibung. Beim Gegenlesen der Dissertation, Bachelorarbeit oder Masterarbeit sollte man daher besonders einen Blick auf indirekte Reden und Zitate werfen. Hier wird er dementsprechend häufig gebraucht und gerade hier finden sich oft Fehlerquellen. Um die zu vermeiden, kann man die richtigen Formen in Konjugationstabellen finden.

Literatur

Hoffmann, Monika (2015): Deutsch fürs Studium. Grammatik und Rechtschreibung, 3. Aufl. Paderborn.

Kornmeier, Martin (2016): Wissenschaftlich schreiben leicht gemacht für Bachelor, Master und Dissertation, 7. Aufl. Bern.

Moll, Melanie/Thielmann, Winfried (2016): Wissenschaftliches Deutsch, Konstanz/München.

Oertner, Monika/St. John, Ilona/Thelen, Gabriele (2014): Wissenschaftlich schreiben. Ein Praxisbuch für Schreibtrainer und Studierende, Paderborn.

Steinhauer, Anna (2015): Duden. Crashkurs Grammatik. Ein Übungsbuch für Ausbildung und Beruf, 3. Aufl., Berlin.

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