Der Rote Faden in einer Bachelorarbeit oder Masterarbeit

Roter Faden
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18 Nov Der Rote Faden in einer Bachelorarbeit oder Masterarbeit

Der sprichwörtliche Rote Faden einer Bachelorarbeit oder Masterarbeit ist für viele Schreiber Fluch und Segen. Denn nie ist er einfach da. Immer muss man ihn erst erarbeiten. Ist er dann aber gefunden, hält er Daten, Thesen und Argumente fest zusammen. Und macht aus dem Text eine runde Sache. Doch was genau soll dieser Rote Faden eigentlich sein? Wie kann man ihn suchen und finden? Der folgende Überblick gibt Antworten.

Was ist der Rote Faden?

Natürlich gibt es den Roten Faden nicht tatsächlich. Man kann ihn nicht anfassen und festhalten, man kann ihn im Grunde auch nicht sehen. Die Erklärung? Der Rote Faden ist zwar kein Ding, aber auch kein Mysterium. Er ist ein Handwerk. (Siehe dazu auch einen Artikel auf jetzt.de). Und das kann man erlernen oder sich helfen lassen. Der Rote Faden einer Bachelorarbeit oder Masterarbeit ergibt sich direkt aus der Forschungsfrage sowie aus der Anwendung konkreter Regeln der Logik und Methodik. Sie zu verinnerlichen kostet vor allem etwas Zeit, die bei der Planung und Umsetzung einer Abschlussarbeit oft zu kurz kommt (Siehe dazu auch einen Artikel der Aachener Zeitung).

Dabei ist Unsicherheit aufgrund mangelnder Schreiberfahrung und schlechten Timings häufig das einzige Hindernis, das einem stringenten Text im Weg steht – diese führen aber oft zu Schreibblockaden oder einer schlechten Benotung. Je komplizierter, desto wissenschaftlicher, lautet dann die irrtümliche Devise. Die Reaktion vieler Studenten, die vor dem Arbeitsbeginn Zeit in ein Schreib-Coaching oder einen Workshop investieren oder nach dem Schreiben Sicherheit durch ein Lektorat ihrer Bachelorarbeit oder Masterarbeit suchen, ist meist jedoch entgegengesetzt. Schließlich lässt sich das Prinzip hinter dem Roten Faden auch so ausdrücken: Wo nach Äpfeln gefragt wird, kann nicht über Birnen gesprochen werden

Die Forschungsfrage finden: In den Wirren des Wissens

Vor dem Beginn der eigentlichen Schreibarbeit muss eine absolut klare Forschungsfrage gestellt werden (vgl. Esselborn-Krumbiegel 2014: 9). Oft Bedarf die Findung dieser einiges an Mühe. Gerade wenn man bereits eine beachtliche Menge an Sekundärliteratur recherchiert und gelesen hat, fällt es schwer, sich auf eine konkrete Fragestellung festzulegen. Nichtsdestotrotz ist sie unverzichtbar. Im Grunde genommen sind es die Forschungsfrage und der Weg zu ihrer Beantwortung, die den Roten Faden erst entstehen lassen. Es gilt: Ohne klare Forschungsfrage, kein Roter Faden. Ohne Roten Faden keine Bachelorabeit oder Masterarbeit.

Dabei ist mit „Frage“ nicht unbedingt gemeint, dass das Thema der Arbeit mit einem Fragezeichen enden, also als Frage formuliert sein muss. Beim Schreiben selbst fällt es lediglich leichter, eine tatsächliche Frage im Kopf zu haben. So kann diese immer wieder herangezogen werden, um zu entscheiden, welche Informationen in den Text gehören und welche nicht. Trägt dieses Kapitel oder Unterkapitel, dieser Aspekt oder diese Theorie zur Beantwortung meiner Frage bei? Diese Überlegung sollte den Schreiber während der Planung und Umsetzung der Arbeit immer begleiten (Siehe dazu auch die Hinweise der Universität Mannheim).

Die Gliederung: Makrostruktur & Mikrostruktur

Ist die Forschungsfrage sicher, kann man sich an die Entwicklung einer Gliederung des Textes machen – seine Makrostruktur. Anhand von Kapiteln und Unterkapiteln sollte ablesbar sein, welche fachliche Methode und welche Inhalte zur Beantwortung der Fragestellung herangezogen werden. Dabei ist es wichtig, diese Informationen nicht irgendwie, sondern logisch zu verknüpfen.

Jeder Teil des Textes sollte auf den vorherigen aufbauen (vgl. Franck 2011: 51), denn nur so entsteht eine Argumentationslinie, kurz: der Rote Faden. Während die Hauptkapitel den direkten Weg zur Beantwortung der Forschungsfrage einschlagen, ist in Unterkapiteln Raum für Diskurse oder Vertiefungen einzelner Aspekte und Zusammenhänge. Nach dem Schreiben sollte schließlich noch einmal geprüft werden, ob die Überschriften der Kapitel tatsächlich deren Inhalt wiedergeben (Siehe dazu einen Leitfaden der Georg-August-Universität Göttingen)

Neben der Makrostruktur des Textes trägt auch seine Mikrostruktur wesentlich zur Entwicklung des Roten Fadens bei. Damit ist der inhaltliche Aufbau innerhalb einzelner Kapitel gemeint. Besonderes Augenmerk gilt hier der Bildung fließender inhaltlicher und sprachlicher Übergänge von Kapitel zu Kapitel (vgl. Karmasin/Ribing 2017: 112). Das ist nicht nur rhetorisch eleganter, sondern auch äußerst aufschlussreich. Wer nicht erklären kann, warum ein Kapitel Eingang in die Arbeit finden soll, muss sich fragen, ob es vielleicht verzichtbar ist. Das Feilen an der Mikrostruktur sorgt somit neben der Lesbarkeit auch für die bessere Sichtbarkeit des Roten Fadens. Gerade wenn man sehr lange wissenschaftliche Texte produziert – etwa mit der Dissertation – ist dies besonders wichtig.

Eine Geschichte erzählen: Fesselndes Forschen

Nicht nur normale Menschen mögen Geschichten, Professoren tun es auch. Vielleicht ist wissenschaftliches Arbeiten nicht ganz so aufregend wie einen Roman oder Blockbuster zu schreiben, trotzdem leben die Texte genauso von einer guten Story. Und hinter der versteckt sich immer ein Roter Faden. Dabei gilt der potentielle Leser als bester Kritiker. Wie kann sein Interesse geweckt werden? Versteht er, warum es so und nicht anders weitergeht? Ist das Ende für ihn plausibel?

Die Geschichte selbst läuft im Wesentlichen so ab: Es gibt ein spannendes Thema. Weil es so spannend ist, wurde darüber bereits geforscht und geschrieben. Ein Aspekt allerdings kam dabei zu kurz oder wurde sogar ganz übersehen. Das soll mit der folgenden Arbeit geändert werden. Doch wie? Mithilfe eines Modells, einer Theorie, einer Datenerhebung oder eines Experiments. Lediglich die abschließende Frage nach dem Gelingen des Vorhabens am Ende unterscheidet die wissenschaftliche Arbeit von Büchern und Filmen.

Der Rote Faden ist unterm Strich kein Mysterium, sondern eine Technik. Um sie anzuwenden braucht es Zeit und Konzentration. Wer beispielsweise eine klare Forschungsfrage und eine schlüssige Gliederung zu ihrer Beantwortung entwickelt hat, bekommt den Roten Faden quasi geschenkt. Das Hauptkriterium ist dabei schließlich  immer die Logik. Ist es sinnvoll auf die Frage nach Äpfeln mit einer Ausführung über Birnen zu antworten? Wer weiß, wie diese Frage zu beantworten ist, hat das Wichtigste bereits verstanden.

Literatur

Esselborn-Krumbiegel, Helga (2014): Von der Idee zum Text: Eine Anleitung zum wissenschaftlichen Schreiben, 4. Aufl., Paderborn.

Franck, Norbert (2011): Die Technik wissenschaftlichen Arbeitens, 16. Aufl., Stuttgart.

Karmasin, Matthias/Ribing, Rainer (2017): Die Gestaltung wissenschaftlicher Arbeiten, 9. Aufl., Stuttgart.
Weiterführende Literatur:

Bänsch, Axel/Alewell, Dorothea (2013): Wissenschaftliches Arbeiten, 11. Aufl., München.

Kruse, Otto (2014): Lesen und Schreiben, 2. Aufl., Stuttgart.

Pospiech, Ulrike (2012): Wie schreibt man wissenschaftliche Arbeiten?, 2. Aufl., Mannheim.

Theisen, Manuel-René (2013): Wissenschaftliches Arbeiten: Erfolgreich bei Bachelor- und Masterarbeit, 16. Aufl., München.

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