Wissenschaftlicher Schreibstil in der Bachelorarbeit oder Masterarbeit

Wissenschaftlicher Schreibstil
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30 Mrz Wissenschaftlicher Schreibstil in der Bachelorarbeit oder Masterarbeit

Jedes Studium hat seine ganz eigene Fachsprache. Dazu kommt der allgemeine wissenschaftliche Schreibstil. Spätestens bei der Bachelorarbeit oder Masterarbeit wird es wichtig, dass man diese Wissenschaftssprache nicht nur versteht, sondern auch selbst beim Schreiben anwenden kann. Dieser Artikel erklärt, wie man sich in wissenschaftlichen Texten richtig ausdrückt und wie man seinen eigenen wissenschaftlichen Schreibstil findet.

Was kennzeichnet den wissenschaftlichen Schreibstil?

Die Wissenschaftssprache grenzt sich klar durch bestimmte Regelungen von der Alltagssprache und vor allem von der journalistischen oder populärwissenschaftlichen Sprache ab (vgl. Haines 2009: 143). Dies beinhaltet unter anderem das Verwenden eines Wortschatzes aus zahlreichen Fachbegriffen. Wer im Studium erfolgreich sein will, muss daher diesen wissenschaftlichen Schreibstil beherrschen.

1. Füllwörter vermeiden

Wissenschaftliche Texte sind gespickt mit Informationen. Jegliche Aussagen müssen jedoch mit Verweisen oder Zitaten auf die entsprechende Literatur oder Quelle in der korrekten Zitierweise belegt werden (vgl. Krumbiegel-Esselborn 2010: 16). Um daher in einer Bachelorarbeit, Masterarbeit oder Dissertation bei einer begrenzten Seitenzahl all die notwendigen Informationen unterzubringen, muss man diese genau und unmissverständlich auf den Punkt bringen (vgl. ebd. 41 und siehe den Leitfaden der Technischen Universität Freiberg).

Der Schreibstil im Studium muss daher möglichst präzise und eindeutig sein. Es bringt nichts, inhaltslos um eine Aussage herumzuschreiben oder sich zu verlieren, nur um eine Seite voll zu bekommen. Vielmehr sollte man vor der Abgabe der Abschlussarbeit solche Textstellen oder unnötigen Füllwörter streichen, damit die zentralen Aussagen im Vordergrund stehen (Heimes 2011: 75).

Typische Füllwörter sind zum Beispiel: also, wohl, meistens, in der Regel, gewissermaßen,
anscheinend, entsprechend, gewiss, schon oder nämlich.

2. Verständlicher Satzbau

Diese klare Aussagekraft sollte man auch im Satzbau verfolgen. Für den Leser müssen die Sätze schließlich logisch und verständlich sein. Verschachtelte Konstruktionen, die über mehrere Zeilen gehen, erschweren die Lesbarkeit und sollten in kurze, einfachere Sätze umformuliert werden (vgl. Haines 2009: 117 sowie Heimes 2011: 72).

Beispiel:
Der Autor, der sein Werk 1956 erstmalig veröffentlichte, stieß mit seinen Aussagen, die gemeinhin als provokant bezeichnet wurden, einen öffentlichen Disput, an dem sich zahlreiche führende Wissenschaftler beteiligten, an.

1956 veröffentlichte der Autor sein Werk erstmalig. Aufgrund seiner provokanten Aussagen stieß er einen öffentlichen Disput an. Zahlreiche führende Wissenschaftler beteiligten sich daran.

3. Präzise Wortwahl

Gleiches gilt für die Wortwahl: Diese sollte treffend sein und keine Zweideutigkeiten zulassen. Floskeln, Metaphern und umgangssprachliche Begriffe haben in einem wissenschaftlichen Text nichts zu suchen (vgl. Heimes 2011: 99).

Beispiele:
Das Werk des Autors ist so vielseitig wie ein bunter Strauß Blumen.
Die Diskussion zu seinem Werk dreht sich im Kreis.
Der Autor erscheint als typischer Besserwisser.

Wie verwendet man Fachbegriffe in der Bachelorarbeit oder Masterarbeit richtig?

Ein bestimmtes Fachvokabular ist in jeder Wissenschaft geläufig und dient der Kommunikation unter Fachleuten. Daher sollte es auch verwendet werden, um in der Bachelorarbeit oder Masterarbeit zu zeigen, dass man diese Fremdwörter versteht und richtig verwenden kann. Allerdings gilt es, auf solche Fachbegriffe nur in Maßen zurückzugreifen (vgl. Haines 2009: 115).

Schließlich soll die Abschlussarbeit trotz Fachterminologie noch verständlich bleiben. Beim Schreiben sollte man daher immer im Hinterkopf behalten, wer der Leser ist. Der Text sollte nicht nur für den Betreuer als Fachwissenschaftler geschrieben werden, sondern auch für einen Laien und Nicht-Fachmann nachvollziehbar sein (vgl. Rost 2012: 236 sowie Haines 2009: 142). Spezifische Fachbegriffe bedürfen daher einer kurzen Erklärung.

Wer dagegen beim Schreiben mit Fremdwörtern nur so um sich wirft, erweckt rasch den Eindruck, damit nur imponieren und vom den wesentlichen Inhalten der Arbeit ablenken zu wollen (vgl. Rost 2012: 236). Statt einem geschwollen klingenden „in conclusio“ kann man also ohne weiteres die deutsche Formulierung „zusammenfassend“ verwenden.

Zudem sollte man darauf achten, dass man sich der korrekten Bedeutung der verwendeten Begrifflichkeiten bewusst ist (vgl. Haines 2009: 143). Wer zum Beispiel ökonomisch mit ökologisch verwechselt, zeigt dem Prüfer damit, dass er das Fachvokabular nicht beherrscht. Solche Wörter müssen daher spätestens beim Korrekturlesen der Bachelorarbeit oder Masterarbeit noch einmal mit einem Fremdwörterbuch abgeglichen werden.

Mit welchen Mitteln drückt man sprachlich Objektivität aus?

Eines der wichtigsten Kriterien beim wissenschaftlichen Arbeiten ist die Objektivität (vgl. Krumbiegel-Esselborn 2010: 14). Daher gilt es auch beim Schreiben, sich neutral ausdrücken und seine eigene, subjektive Meinung außen vor zu lassen. Bestimmte Formulierungen sollte man daher im wissenschaftlichen Schreibstil vermeiden.

Dies gilt zum einen für eine persönliche Ausdrucksweise, in der man in einer Ich- oder Wir-Form schreibt. Stattdessen sollte man eine passive Position einnehmen und vom Verfasser oder Autor der Arbeit schreiben (vgl. Haines 2009: 117). Viele Satzkonstruktionen lassen sich auch umformulieren, in dem man das Passiv verwendet, wie das folgende Beispiel zeigt.

Beispiel:
Ich habe in der Arbeit herausgearbeitet, dass…
-> In der Arbeit wurde herausgearbeitet, dass…

Allerdings findet in manchen Wissenschaften bereits ein Umdenken statt und persönliche Formulierungen werden mehr und mehr akzeptiert, zum Beispiel in Kommentaren. Wer sich unsicher ist, sollte daher im Vorfeld mit dem Prüfer der Arbeit klären, welche Einstellung dieser vertritt und welche Anforderungen der jeweilige Studiengang zu diesem Thema stellt (vgl. Krumbiegel-Esselborn 2010: 15).

Auch bei der Wortwahl sollte man auf Objektivität achten. Hier gilt es nur Wörter zu verwenden, die sachlich sind und mit keinerlei Wertungen und Emotionen verbunden sind. Aus einer Präsentation der Technischen Universität Dresden zum wissenschaftlichen Schreiben kommt folgendes Negativ-Beispiel:

Beispiel:
In diesem beeindruckenden Kapitel thematisiert der Autor das bedauernswerte Scheitern seiner dritten Ehe.
Diese Aussage hingegen sagt dasselbe auf eine wissenschaftliche Art und Weise:

-> In diesem emotionalen und anekdotenreichen Kapitel thematisiert der Autor das Scheitern seiner dritten Ehe, das er im weiteren Verlauf des Buches immer wieder bedauert.

Wie findet man seinen persönlichen Schreibstil in der Bachelorarbeit oder Masterarbeit?

In manchen Studiengängen ist es üblich, dass man bereits vom ersten Semester an kürzere Seminararbeiten schreibt, bevor man sich schließlich mit der Bachelorarbeit, Masterarbeit oder Dissertation auf die Langstrecke wagt. Wer dagegen einen technischen oder naturwissenschaftlichen Studiengang wählt, der muss oft erst bei der Abschlussarbeit beweisen, dass er wissenschaftlich schreiben kann (vgl. Haines 2009: 116).

Je nachdem fehlt dann die Schreibpraxis, Routine und Sicherheit beim Schreiben. Daher hilft es, bei der Literaturrecherche für die Abschlussarbeit nicht nur auf die Inhalte zu achten, sondern auch darauf, wie andere Autoren ihre Texte strukturieren und sich sprachlich ausdrücken. Beim Lesen kann man daraus seinen eigenen Schreibstil entwickeln (vgl. Heimes 2011: 21 sowie Haines 2009: 118).

Wichtig ist vor allem, dass der persönliche Stil einheitlich und flüssig zu lesen ist. Indem man sich das Geschriebene selbst laut vorliest, wird hörbar, wo man über seine eigenen Wörter stolpert. Diese Textstellen sollte man dann nachbessern und zum Beispiel Sätze kürzen oder den Satzbau umstellen (vgl. Haines 2009: 116).

Vermischen sich mehrere Stile in einer Arbeit, ist das für den Prüfer außerdem ein Indiz, dass man sich nicht mit eigenen Worten ausdrückt. Dann stellt sich für ihn die Frage, ob es sich vielleicht um ein Plagiat handelt, also hier die Aussagen fremder Autoren verwendet wurden, ohne diese als solche zu kennzeichnen (vgl. Heimes 2011: 73). Durch eine Plagiatsprüfung kann der Betrug dann enttarnt werden.

Wissenschaftlich schreiben heißt nicht, seine Texte mit Fremdwörtern zu überhäufen. Trotz Fachvokabular sollte die Bachelorarbeit, Masterarbeit oder Dissertation verständlich bleiben. Wichtig dabei ist aber vor allem, dass der Schreibstil sachlich ist und die Forschungsergebnisse auf den Punkt bringt.

Literatur

Haines, Maria (2009): ABC der wissenschaftlichen Abschlussarbeit, Paderborn.

Heimes, Silke (2011): Schreiben im Studium: das PiiP-Prinzip. Mit 50 Tipps von Studierenden für Studierende, Göttingen.

Krumbiegel-Esselborn, Helga (2010): Richtig wissenschaftlich schreiben. Wissenschaftssprache in Regeln und Übungen, 5. Aufl., Paderborn.

Rost, Friedrich (2012): Lern- und Arbeitstechniken für das Studium, 7. Aufl., Wiesbaden.

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