Tipps für die computergestützte Analyse qualitativer Daten

Computergestützte Datenanalyse
Teile diesen Beitrag mit Freunden:

13 Nov Tipps für die computergestützte Analyse qualitativer Daten

Die Feldforschung ist abgeschlossen, alle Interviews sind geführt – nun heißt es: ab an den Schreibtisch zur Auswertung der Daten für die Bachelorarbeit, Masterarbeit oder Dissertation. Dafür muss man längst nicht mehr den Bleistift spitzen, denn mittlerweile gibt es für die systematische Erfassung und computergestützte Analyse qualitativer Sozialforschung zuverlässige Software, die Forschern die Arbeit erleichtert. Diese Programme nennt man in der Fachsprache abgekürzt CAQDAS („Computer Assisted Qualitative Data Analysis Software“) bzw. QDA-Software („Qualitative Data Analysis“) (vgl. Kuckartz 2010, S. 9).

Zum Repertoire der Programme gehören beispielsweise Textanalysen, Inhaltsanalysen, Argumentationsanalysen und viele weitere Methoden der wissenschaftlichen Textbearbeitung. Einige bieten sogar die Möglichkeit Medien, wie Videos, Bilder und Audiodateien, zu analysieren. Mittlerweile gibt es, neben den kostenpflichtigen Versionen, auch einiges an Freeware und Open Source-Software. Für welche man sich letztendlich entscheidet, hängt vor allem vom Forschungsinteresse und den dafür erforderlichen Funktionen ab.

Die Vorbereitung des Rohmaterials

Um das für die Forschung relevante Material, wie Interviews, Protokolle usw., anhand eines Analyseprogrammes zu untersuchen, muss man diese zunächst in die richtige „Form“ bringen. Dazu gehört in erster Linie die Verschriftlichung des Forschungsmaterials für eine Bachelorarbeit, Masterarbeit oder Dissertation. Texte, die bereits digital vorliegen, kann man oft einfach in das Analyse-Programm importieren. Bei audio(visuell) gespeicherten Daten, wie z. B: Interviews, ist die meist genutzte Form der Verschriftlichung das vollständige Transkribieren (vgl. Misoch 2015, S. 249ff). Dabei muss man sämtliche verbale Daten Wort für Wort in ein Textprogramm (wie z. B. Word) abtippen und speichern. Anschließend werden die Dokumente in das Analyseprogramm importiert.

Kategorien erstellen und Codierung

Erste Kategorien für die computergestützte Analyse lassen sich oft bereits vor der Erhebung aus der Forschungsfrage ableiten. Weitere ergeben sich aus dem Inhalt des gesammelten Materials. Beim ersten Schritt der computergestützte Analyse, der Einzelanalyse der Texte, werden diese sorgfältig gelesen und forschungsrelevante Textstellen und -passagen codiert (Sieh dazu Hinweise der Universität Augsburg). Dabei kann es sich um einzelne Wörter, Wortkombinationen oder ganze Zusammenhänge im Text handeln, die für die einzelnen Kategorien relevant sind.

Viele Programme bieten mittlerweile zwar auch eine automatische Codierung an, allerdings ist eine Codierung durch den Forscher selbst, die sogenannte intellektuelle Codierung, die zuverlässigere Wahl. Wie genau codiert wird, z. B. theoretisch oder thematisch, hängt vom methodischen Ansatz ab, anhand dessen die Forschungsergebnisse analysiert werden sollen.
Die sorgfältige Codierung der einzelnen Texte ermöglicht anschließend eine gezielte generalisierende computergestützte Analyse, da so systematisch auf die einzelnen Textstellen zurückgegriffen werden kann.

Aufzeichnungen miteinbeziehen

Aber nicht nur die erhobenen Daten aus dem Feld gehören zu den Dokumenten einer Analyse. Oft verfasst man während des Forschungsprozesses Memos, in denen man Gedanken und Hypothesen zum Untersuchungsgegenstand festhält. Diese sind eine wertvolle Hilfe für die Theoriebildung und sollten bei der computergestützten Analyse miteinbezogen werden. Außerdem schafft man sich mit den im Laufe der Forschung erstellten Notizen eine gute Grundlage für den späteren Forschungsbericht. (vgl. Kuckartz 2010, S. 134).

Für die computergestützte Analyse werden die Memos – ebenso wie die Interviews – Wort für Wort abgetippt und als Text-Dokument in die Datensammlung des Programmes mit aufgenommen. Auch Ideen und Anmerkungen, die während der Einzelanalyse der Texte aufkommen, können auf diesem Wege digitalisiert und für die Gesamt-Auswertung berücksichtigt werden.

Die Auswertung

Nach dem jeder Text einzeln codiert und analysiert wurde, geht es im nächsten Schritt der computergestützten Analyse darum, Gemeinsamkeiten, typische Generalisierungen und Differenzen zwischen den Interviews herzustellen. Die einfachste Form ist beispielsweise, sich im Analyse-Programm alle Textelemente zusammenstellen zu lassen, die einer bestimmten Kategorie zugeordnet wurden (vgl. Kuckartz 2010, S. 111). Aber auch kompliziertere computergestützte Analysen, wie das Überprüfen der Interviews auf Gemeinsamkeiten in Bezug auf bestimmte Kategorien, können durchgeführt werden. Grundlage einer möglichst genauen Auswertung ist dabei stets die sorgfältige Vorarbeit in Bezug auf die Transkription und die Codierung der Texte.

Die Darstellung der Ergebnisse

Während es bei einer quantitativen Datenanalyse gängig ist, die Ergebnisse anhand von bunten Grafiken und Diagrammen darzustellen, gestaltet sich die Darstellung der Ergebnisse einer qualitativen Datenanalyse schwieriger. Auf Grund der Komplexität der Zusammenhänge lässt sich oft keine einfache Form der Darstellung finden. Dennoch verfügen auch qualitative Analyse-Programme über Möglichkeiten Ergebnisse visuell aufzubereiten.

Anhand der sogenannten Mapping-Tools lassen sich zum Beispiel Grafiken mit direktem Link zu den analysierten Daten erstellen (vgl. Kuckartz 2010, S. 184). Ein gutes Beispiel für die Darstellung von vielschichtigen Zusammenhänge einer qualitativen Datenauswertung sind Konzept-Maps. Anhand der netzwerkartigen Darstellungen aus Knoten und verbindenden Linien lassen sich neben den einzelnen Elementen der Forschung auch die Beziehungen im Projekt verknüpfen und darstellen.

Auch freie Elemente können in die Konzept-Maps integriert werden, auch wenn sie keinen direkten Bezug zu einem anderen haben (vgl. Kuckartz, S. 187). Zusätzlich kann man durch das Anklicken der einzelnen Punkte die dahinterliegenden Daten, wie z. B. codierte Textstellen, aufrufen um die Darstellung so auch für die computergestützte Analyse zu nutzen. Jede Software bietet ihre eigenen Mapping-Tools, es ist also sinnvoll diesen Punkt bei der Auswahl des Programms miteinzubeziehen.

Zusammenfassend lässt sich sagen, dass die computergestützte Analyse auch bei der Auswertung von qualitativen Daten immer mehr an Bedeutung gewinnt und der entscheidende Punkt bei deiner Bachelorarbeit, Masterarbeit oder Dissertation sein kann. Ständig weiterentwickelte Programme ermöglichen umfassende Analysen und schnell abrufbare Ergebnisse. Wichtig für eine möglichst präzise Analyse ist die Vorarbeit: das detailgenaue Transkribieren und das sorgfältige Codieren der Texte. Bei der Auswahl des Programmes sollte darauf geachtet werden, dass es über die Funktionen und Darstellungsformen verfügt, die am besten zum Forschungsgegenstand passen.

Literatur

Kuckartz, Udo, (2010): Einführung in die computergestützte Analyse qualitativer Daten,
3. Auflage, Wiesbaden.

Misoch, Sabina (2015): Qualitative Interviews, Berlin/München/Boston.

Teile diesen Beitrag mit Freunden:
Autor:


 

 

 

Send this to a friend