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Gruppeninterview – So klappt es!

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Gruppeninterview


Ein Gruppeninterview will gut organisiert sein. Deshalb stellen wir Dir hier den grundsätzlichen Ablauf vor und überlegen, wie die ideale Gruppenzusammensetzung aussieht. Ferner haben wir eine Checkliste zur Durchführung vorbereitet und wir klären, über welche Fähigkeiten Du als Moderator verfügen solltest. Im Folgenden erfährst Du alle wichtigen Schritte bei Planung, Durchführung und Transkription von Interviews einer Gruppe!

Was ist ein Gruppeninterview?

Das Gruppeninterview ist, kurz gesagt, eine Methode der empirischen Forschung, bei der mehrere Personen gleichzeitig befragt werden. Es wird gerne sowohl in der angewandten Marktforschung als auch in der Kommunikationsforschung eingesetzt (vgl. Brosius, Koschel, Haas 2009). Aus diesem Grund ist es vielleicht auch Bestandteil für deine empirische Bachelorarbeit, für die viele mit einem oder mehreren Interviews qualitativ forschen. Zahlreiche Beispiele für den Einsatz des Gruppeninterviews in der Praxis der Marktforschung zeigt die folgende Übersicht:

Einsatzbereich von Gruppeninterviews in der Marktforschung
Abb. 1: Einsatzbereich von Gruppeninterviews in der Marktforschung (vgl. Kühn, Koschel (2017): Gruppendiskussionen: Ein Praxis-Handbuch.)

Wie effektiv ein Gruppeninterview ist, hängt einerseits von der Qualität des Gesprächsleitfadens, andererseits von den Fähigkeiten des Moderators ab. Seine Aufgabe ist es daher, die Diskussion anzuregen und zum Gedankenaustausch zu stimulieren. Hierbei werden im Gegensatz zum Einzelinterview zudem auch die sozialen Beziehungen innerhalb der Gruppe sichtbar.

Wie läuft ein Gruppeninterview ab?

Ein Gruppeninterview durchläuft mehrere Phasen. Anfangs gibt der Moderator eine vorbereitende Erläuterung zum Ziel und Ablauf des Gruppeninterviews, um in dieser Phase das Vertrauen der Teilnehmenden zu gewinnen. Hier ist es auch wichtig, auf die Aufzeichnung des Gesprächs hinzuweisen. Auf jeden Fall ist eine Einwilligung dazu unbedingt erforderlich.

Anschließend folgt eine kurze Einführung in das Thema mittels Präsentation, Film oder einer Erzählung. Erst dann startet die Diskussion in der Gruppe, die durch geeignete Fragen gesteuert werden kann. Dazu kannst Du im Vorfeld einen Interviewleitfaden erstellen. In dieser Phase ist es Aufgabe des Moderators, den Gesprächsfluss aufrecht zu erhalten und gleichzeitig nebenher aufmerksam zu verfolgen.

In einem letzten Teil fasst der Moderator schließlich die Gruppenmeinung zusammen und bedankt sich bei den Teilnehmenden. Die Anmerkung, dass gemeinsam ein wichtiger Beitrag im Gruppeninterview erarbeitet wurde, hinterlässt in jedem Fall einen guten Eindruck.

Welche Gruppenzusammensetzung eignet sich für ein Gruppeninterview?

Bei einem Gruppeninterview sind die Teilnehmer zumeist auch außerhalb der Interviewsituation eine Gruppe. Es kann sich beispielsweise um eine Gruppe von Kunden einer bestimmten Firma oder um eine Gruppe Bürger einer bestimmten Stadt handeln. Auf jeden Fall geht es darum, die Gruppenmeinung zu erforschen und nicht die Meinung des Einzelnen.

Die Gruppengröße sollte demzufolge zehn bis zwölf Personen nicht übersteigen. Die Universität Innsbruck stellt die Regel auf, dass je mehr Erfahrung die Teilnehmenden mit dem Thema des Gruppeninterviews haben, desto kleiner die Gruppe sein kann. Abgesehen davon steigt mit der Gruppengröße die Möglichkeit von „Privatgesprächen“ zwischen einzelnen Personen und es ist für den Moderator schwieriger, die Konzentration aller Teilnehmer auf das Thema zu lenken.

Wie bereite ich ein Gruppeninterview vor?

Da die Durchführung eines Gruppeninterviews eine komplexe Aufgabe ist, kann für die Vorbereitung möglicherweise eine Checkliste hilfreich sein. Hier werden die wesentlichen Punkte abgefragt, aber selbstverständlich kannst Du die Liste bei Bedarf anpassen. Die erste Spalte beinhaltet die zu erledigenden Aufgaben, während Du in der zweiten Spalte die Antworten, Details oder Dateinamen hinterlegen kannst. Die dritte Spalte zeigt Dir durch ein Piktogramm, ob die Aufgabe bereits erledigt ist oder nicht.

Tabelle 1: Checkliste zur Vorbereitung auf ein Gruppeninterview:

Aufgabe Details/Datei  
Eignet sich mein Thema für ein Gruppeninterview?
Welchen Personenkreis möchte ich befragen?
Wie kann ich diese Personen kontaktieren?
Habe ich auf die richtige Gruppengröße geachtet?
Wie lange soll das Gruppeninterview dauern?
Ist die einleitende Präsentation/Film etc. fertiggestellt?
Habe ich Fragen für das Gruppeninterview vorbereitet?
Sind alle Teilnehmer eingeladen?
Sind alle Einverständniserklärungen unterschrieben?
Welcher Raum mit welcher Größe ist geeignet?
Habe ich an einem passenden Tag einen Raum gebucht?
Sind Materialien vorbereitet (z. B. Flipchart, Stifte u. ä.)?
Soll es eine Sitzordnung geben?
Wie werde ich den Verlauf dokumentieren?

Typische Fragen für ein Gruppeninterview

Alle Fragen in einem Gruppeninterview haben eine Gemeinsamkeit: Sie sollten möglichst offen gestellt werden. Auf diese Weise kannst Du folgerichtig einen guten Einblick in die Gedankenwelt der Teilnehmenden bekommen. Dementsprechend können die Fragen desto spezifischer gestellt werden, je mehr Du dich dem Ende näherst. Eine Zusammenstellung typischer Fragen hat die Universität Innsbruck verfasst. Die Worte Projekt, Produkt, Idee können hier synonym verwendet werden. Das heißt, Du kannst die Fragen Deinem Thema genau anpassen:

Idealtypische Fragen für Fokusgruppen
Abb. 2: Idealtypische Fragen für Fokusgruppen von der Universität Innsbruck

Welche Fähigkeiten brauchst Du als Moderator im Gruppeninterview?

Als Moderator bist Du der wesentliche Erfolgsfaktor. Anders gesagt, eine positive, vertrauensvolle Beziehung ist wichtig für die erfolgreiche Moderation. Du bist also dafür verantwortlich, dass eine entspannte Atmosphäre zur Diskussion aufkommt. Das Zuhören nimmt dabei einen zentralen Platz ein, aber dennoch musst Du das Gespräch so steuern, dass das Thema auf jeden Fall im Fokus bleibt.

Aufgepasst:

Es ist wichtig, die Zeit im Auge zu behalten und zu wissen, wie lange das Gruppeninterview laufen soll und wann Dein Eingreifen nötig ist. Außerdem soll der Moderator die Teilnehmer zu umfassenden und möglichst detaillierten Aussagen veranlassen. Das kann durch gezielte beziehungsweise möglichst offene Fragen umgesetzt werden.

Wie auch die Universität Siegen in ihrem Leitfaden für Qualitative Interviewfragen hervorhebt, ist bei allen Aussagen zudem wichtig, dass Du das „Neutralitätsgebot“ beachtest. Besser gesagt, Du greifst zwar steuernd ein, aber Du musst Deine eigene Meinung zum Thema zurückhalten (vgl. Kühn, Koschel (2018)): Einführung in die Moderation von Gruppendiskussionen).

Die folgende Übersicht fasst insoweit Deine Rollen und Aufgaben als Moderator in einem Gruppeninterview zusammen:

Wichtige Aspekte in der Moderation
Abb. 3: Wichtige Aspekte in der Moderation (vgl. Freimuth (2010): Moderation – Praxis der Personalpsychologie.)

Gruppeninterview und Datenschutz

Ein ganz wesentlicher Aspekt bei der Durchführung eines Gruppeninterviews ist die Einverständniserklärung der Teilnehmenden dafür. Denn aufgrund der neuen Datenschutz-Grundverordnung ist es besonders wichtig, den Teilnehmenden zu erläutern, was mit ihren Daten geschehen soll und wie im Folgenden die Anonymität gewährleistet wird. Im Internet findest Du zahlreiche Muster für solche rechtlich geprüften Einverständniserklärungen wie beispielsweise die Einwilligungserklärung zur Erhebung und Verarbeitung personenbezogener Interviewdaten der Universität Bielefeld.

Die Einverständniserklärung passt Du dann inhaltlich auf Dein Thema des Gruppeninterviews an und druckst sie zweimal aus. Eine Version ist für den Teilnehmenden und eine ebenso unterschriebene Version für Deine Unterlagen.

Die ideale Dauer für ein Gruppeninterview liegt zwischen 30 Minuten und zwei Stunden. Normalerweise ist nach ca. zwei Stunden die Aufmerksamkeit von Teilnehmern und Moderator erschöpft, aber es gibt genauso auch Veranstaltungen, die nach drei Stunden noch interessente Ergebnisse bringen.

Auch musst du bedenken, dass du das Interview gegebenenfalls später nach den Transkriptionsregeln transkribieren musst, was auch mit einer guten Transkriptionssoftware ein großer Aufwand ist.

Bei einer längeren Gesprächsdauer oder Unruhe in der Gruppe kannst Du mitunter auch eine kleine Pause einbauen, um anschließend konzentriert mit dem Thema fortzufahren.

Wie dokumentiere ich ein Gruppeninterview?

Es bietet sich an, ein Gruppeninterview beispielsweise mit einem Diktiergerät auf einer Tonspur auf Kassette, Tonband, DVD o. ä. aufzuzeichnen. Eine Videoaufzeichnung kann je nach Thema sinnvoll sein, erschwert aber unter Umständen auch die Interviewsituation. Denn es sind nämlich wahrscheinlich nicht alle Teilnehmenden mit einer Bildaufnahme einverstanden oder einige fühlen sich durch die Kamera verunsichert. Auch die Auswertung einer Videoaufzeichnung ist schwieriger als die einer reinen Tonaufzeichnung.

Allerdings kann auch bei Tonaufzeichnungen im Nachhinein das Problem bestehen, dass Beiträge nicht mit Sicherheit der entsprechenden Person zugeordnet werden können (falls das für Dein Thema erforderlich ist). Hilfreich kann die Dokumentation der Sitzordnung sein oder noch besser, Du nimmst eine Assistenz zum Gruppeninterview mit. Diese zusätzliche Person kann unterstützend Protokoll führen und so den Diskussionsverlauf dokumentieren.

Vorausgesetzt Du beachtest die beschriebenen Beispiele und arbeitest mit der Checkliste, dann kannst Du ein Gruppeninterview gut planen und durchführen. Für die Moderation geben wir auch Hinweise ebenso wie für die abschließende Dokumentation der Ergebnisse. Wenn Du Dich bei der Aufgabe der Audiotranskription entlasten möchtest, findest Du die passende Unterstützung hier.

Literatur

Hans-Bernd Brosius, Friederike Koschel, Alexander Haas (2009): Methoden der empirischen Kommunikationsforschung, Wiesbaden.

Joachim Freimuth (2010): Moderation – Praxis der Personalpsychologie, Göttingen.

Thomas Kühn, Kay-Volker Koschel (2017): Gruppendiskussionen: Ein Praxis-Handbuch, Wiesbaden.

Thomas Kühn, Kay-Volker Koschel (2018): Einführung in die Moderation von Gruppendiskussionen, Wiesbaden.

Universität Innsbruck, Institut für Wertprozessmanagement (o. J.): Fokusgruppen.

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