Berufsbegleitend Promovieren: Welche Vor- und Nachteile gibt es?



18 Jan Berufsbegleitend Promovieren: Welche Vor- und Nachteile gibt es?

Wer berufsbegleitend Promovieren will, schlägt einen interessanten Weg ein. Aber wie kann diese Art der Promotion praktisch aussehen? Welche Arten der berufsbegleitenden Promotion gibt es? Welche Chancen und welche Risiken gilt es zu beachten? Dieser Artikel informiert über verschiedene Möglichkeiten und beleuchtet Vor- und Nachteile.

Warum berufsbegleitend beim Schreiben der Dissertation?

Wer sich nach dem Studium gegen eine Wissenschaftskarriere entschieden hat, aber trotzdem auf den Doktortitel nicht verzichten möchte, promoviert oftmals berufsbegleitend.
Promovenden schlagen so zwei Fliegen mit einer Klappe: zum einen können sie das Promotion finanzieren sicherstellen, zum anderen sammelt man relevante Berufserfahrung. Letztere kann dabei helfen, die Karriereleiter im Unternehmen weiter hochzuklettern: In der industriellen Forschung und Entwicklung ist ein Doktortitel immer gefragter, gerade bei hohen Positionen im Bereich Management.

Welche Möglichkeiten gibt es beim Schreiben der Dissertation?

Im Allgemeinen ist es wichtig, dem Chef vor Augen zu führen, dass ein Masterstudium mit Masterarbeit noch nicht das Ende sein muss. Eine Promotion dient außerdem nicht nur der eigenen Karriere, sondern auch den Erfolg der Firma positiv beeinflussen kann:
In Deutschland genießt der Doktortitel ein hohes Ansehen, was sich positiv auf das Kundenmarketing der Firma auswirken kann, besonders für mittelständische Unternehmen. Bei einer „Hobby-Promotion“ hingegen kann die Verhandlung von Arbeitszeiten mit dem Arbeitgeber schwieriger sein. Doch welche Möglichkeiten bieten sich, wenn man berufsbegleitend Promovieren will?

Berufsbegleitend promovieren in der Industrie

Wer sich für eine Promotion in einer Firma entscheidet, sammelt nicht nur Berufserfahrung, sondern hat oft auch gute Chancen, später übernommen zu werden. Große Unternehmen der Industrie sehen Promotionen ihrer Mitarbeiter häufig als wichtiges Element der Personalentwicklung an. Immer mehr Arbeitgeber bieten ihren Mitarbeitern die Möglichkeit, im Rahmen einer Industriepromotion für eine Zeit freistellen zu lassen oder Teilzeit bei vollem Gehalt weiterzuarbeiten. Von dieser Art der Zusammenarbeit profitieren sowohl Doktorand als auch Unternehmen. In der Regel gibt das Unternehmen das Thema der Dissertation vor, um einen geeigneten Betreuer müssen sich Doktoranden jedoch meist selbst kümmern.

Auch die EU möchte mit dem Marie-Curie-Programm verstärkt berufsbegleitende Industriepromotionen fördern und klassische Grenzen zwischen Wissenschaft und Wirtschaft auflösen. PhD-Studenten arbeiten dort zur einen Hälfte in einem dreijährigen Programm einerseits in der Industrie und arbeiten die anderen fünfzig Prozent an einer Hochschule an ihrer Dissertation. Es gilt also nur, sich zu bewerben und vielleicht in einem solchen Programm aufgenommen zu werden. Mit einer guten Bewerbung stehen die Chancen nicht schlecht.

Per Fernstudium berufsbegleitend promovieren

Wer seine bereits bestehende Berufstätigkeit zeitlich einschränken, aber nicht aufgeben möchte, kann eine „Fernpromotion“ in Betracht ziehen. In Deutschland sprießen immer mehr Fernuniversitäten aus dem Boden, die strukturierte Promotionsstudiengänge anbieten. Formale Zugangsvoraussetzung sind, wie sonst auch, ein universitärer Abschluss. Auswahlverfahren sind ebenfalls die Regel. Falls man einen Masterabschluss von einer Fachhochschule vorlegen kann, die nicht promotionsberechtigt ist, gibt es mittlerweile auch die Möglichkeit, eine berufsbegleitende Promotion im Fernstudium mit einem Masterstudiengang zu verbinden.
Einige Institute kooperieren mit ausländischen Partneruniversitäten, was für eine internationale Karriere besonders attraktiv ist. So breiten zum Beispiel die Programme des Instituts für Hochschulkooperation und internationale Promotionsprogramme (IHP). auf die international anerkannten Abschlüsse Doctor of Business Administration (DBA) und Doctor of Philosophy (PhD) vor. Diese sind der Promotion an einer deutschen Universität gleichgestellt. Es lohnt sich also, so viele Infos wie möglich des jeweiligen Fachs zu besorgen.

Herausforderungen und Chancen der Promotion

Eine externe Promotion zusätzlich zu einem Vollzeitjob und einer Partnerschaft/Familie lässt sich jedoch nur unter großen Anstrengungen unter einen Hut bringen. Oft unterschätzen Promovierende den Aufwand, denn eine eigenständige und inhaltlich relevante Forschungsarbeit schreibt man nicht mal eben nebenher.

Herausforderungen

Ein Problem besteht beispielsweise darin, dass sich viele durch den Betreuer weniger unterstützt fühlen, da sie nicht zum klassischen „wissenschaftlichen Nachwuchs“ in der „Wissenschaft“ gehören. Dies kann zur Folge haben, dass die Investition des Doktorvaters in Zeit und Ressourcen eher dürftig ausfällt (vgl. Wegern 2014: 61).

Im besten Fall besteht also noch Kontakt zu einem Dozenten. Wenn nicht, kann es sehr hilfreich sein, frühere Profs per E-Mail anzufragen. Wenn man ein paar Jahre im Job war, sollte man außerdem sicherstellen, dass man noch auf dem Forschungsstand ist. Andernfalls kann es auch passieren, dass die eigene Themenvorstellung gar nicht zum aktuellen Forschungsstand passt. Zudem sollte man sicherstellen, das man alle Voraussetzungen für die Promotion erfüllt.

Egal, für welches Thema und welchen Betreuer man sich entscheidet:
Bevor man erste Schritte einleitet, sollte man verschiedene Fragen ehrlich beantworten. Bin ich in der Lage, mir meine freie Zeit gut und diszipliniert einzuteilen? Wie kann ich mit Rückschlägen umgehen, auch wenn sich beispielsweise Bedingungen im Job verändern?
Woher bekomme ich mentalen Beistand?

Man muss sich darüber im Klaren sein, dass man über einen sehr langen Zeitraum hinweg kaum Zeit hat, die man frei gestalten kann. Das generelle Wohlbefinden und Lebensgefühl kann über eine lange Zeit stark eingeschränkt werden, da man selbst in der wenigen Freizeit unterschwellig den Druck spürt.
Eine gute Organisation ist dabei mehr als die halbe Miete. Sehr gutes Zeitmanagement, eine hohe Motivation und Selbstdisziplin sind für alle Promovierenden fundamental. Promovierende, die berufsbegleitend promovieren, brauchen jedoch ein besonders gutes Zeitmanagement und effektive Motivationsstrategien, mit denen sie vor und nach einem Arbeitstag oder an Wochenenden an ihrer Dissertation arbeiten. Damit kann man sich übrigens auch helfen lassen: Viele Studienberatungen bieten Kurse zu Zeitmanagement und Selbstorganisation an, oder helfen, wenn man eine Schreibblockade hat.

Chancen

Die Bearbeitungsdauer der Dissertation kann natürlich durch Überschneidung von Arbeitszeit und promotionsbegleitenden Terminen eingeschränkt werden, hängt jedoch größtenteils vom eigenen Arbeitstempo und Eigendisziplin ab. Wenn man ein Thema gefunden hat, das einen packt und die Mühe wert ist, nichtsdestotrotz sollte man sich von all diesen Aspekten auch nicht zu sehr verunsichern lassen.

Die Promotionsdauer muss sich nicht zwingend um Jahre nach hinten verschieben.
Selbst diejenigen, die an der Uni Vollzeit arbeiten, klagen häufig über zu wenig Zeit für die Dissertation. Sie müssen sich zusätzlich um Lehraufträge, Tagungen und Vorträge kümmern, sind viel unterwegs und werden nicht automatisch schneller fertig. Eine externe dreijährige Promotion in der Industrie kann also sogar schneller gehen.

Diejenigen, die es wagen, genießen vor allen Dingen einen großen Vorteil: Das große Plus beim berufsbegleitenden promovieren ist die finanzielle Sicherheit, die über den gesamten Zeitraum gegeben ist. Oft werden externe Promovierende in der Wirtschaft gut bezahlt, was nicht zu unterschätzende positive psychische Auswirkungen hat. „Klassische“ Promovierende kämpfen hingegen oftmals über einen langen Zeitraum mit finanzieller Ungewissheit oder haben durch ein Stipendium oder einen Vertrag eine Frist im Nacken.

Viele Wege führen nach Rom – berufsbegleitend promovieren kann also ganz unterschiedlich aussehen und an individuelle Interessen und Situationen angepasst werden. Wichtig ist, sich frühzeitig über Fristen und spezifische Zugangsvoraussetzungen zu informieren.

Literatur

Wergen, Julia (2014): Promotionsplanung und Exposee: Die ersten Schritte auf dem Weg zur Dissertation, Leverkusen.

Knigge-Illner, Helga (2015): Der Weg zum Doktortitel: Strategien für die erfolgreiche Promotion, Frankfurt/New York.

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