Wie man eine Bachelorarbeit verteidigen kann und dabei Erfolg hat

Bachelorarbeit verteidigen
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17 Nov Wie man eine Bachelorarbeit verteidigen kann und dabei Erfolg hat

Die Bachelorarbeit verteidigen ist für viele die abschließende, mündliche Prüfung zur Bachelorarbeit. Damit wollen Gutachter prüfen, ob man sich tatsächlich selbstständig und tiefgehend mit der Bachelorarbeit auseinandergesetzt hat und sie nicht von jemand anderem geschrieben worden ist. Dieser Text erklärt, wie man sich auf das Verteidigungsgespräch richtig vorbereitet. 

Muss jeder Student seine Bachelorarbeit verteidigen?

Nicht jeder, der eine Bachelorarbeit schreibt, muss diese auch verteidigen. Viele können mit der Abgabe ihrer Bachelorarbeit erst einmal aufatmen, doch in einigen Studiengängen ist ein Verteidigungsgespräch Pflicht (vgl. Karmasin/Ribing 2017: 24). Ob man tatsächlich für den Studienabschluss seine Bachelorthesis mündlich präsentieren muss, erfährt man in der Prüfungsordnung.

So heißt es im Studiengang Medizinische Informatik an der Ostbayerischen Technischen Hochschule in Regensburg zum Beispiel: „Gemäß § 12 Absatz 4 der gültigen SPO vom 14.10.2010 ist die Bachelorarbeit mündlich zu präsentieren und zu erläutern. Voraussetzung dafür ist, dass die schriftliche Ausarbeitung der Arbeit mit mindestens „ausreichend“ bewertet worden ist.“

Manchmal findet diese mündliche Prüfung bereits vor der Abgabefrist statt, in der Regel aber erst, wenn für die schriftliche Leistung bereits eine Note feststeht und sich die Gutachter sich dieser durch die Verteidigung noch einmal vergewissern wollen (vgl. Meister 2015:125). Auch hier gibt die jeweilige Prüfungsordnung Aufschluss.

Wozu dient die Verteidigung?

Das Verteidigungsgespräch gilt als die „Königsdisziplin“ unter den Prüfungen für das Studium (siehe Bartsch/Rex 2008: 85). Beim Schreiben der Bachelorarbeit hat man Zeit, um seine wissenschaftlichen Gedanken zu formulieren, man kann Sätze umstellen, löschen und durch neue ersetzen. Vor der Prüfungskommission hat man diese Möglichkeiten nicht mehr.

Daher nutzen die Gutachter die mündliche Prüfung, um jemandem auf dem Zahn zu fühlen. Nur wer über Monate hinweg das Thema seiner Bachelorthesis bearbeitet hat und die Literatur gelesen hat, kann ohne herumzureden dazu Fragen beantworten (vgl. Meister 2015: 125).

Dabei geht es nicht zwingend darum, die eine richtige Antwort parat zu haben, sondern darum, dass man im Gespräch ruhig, sachlich und eloquent bleibt. Bei der Verteidigung soll man so zeigen, dass man sich in einem wissenschaftlichen Gespräch behaupten kann (vgl. Meister 2015: 126 sowie Samac/Prenner/Schwetz 2014: 30).

Wenn jemand dagegen versucht vom Thema abzulenken oder nicht zum Punkt kommt, ist das für Prüfer häufig ein Zeichen dafür, dass man für die Abschlussarbeit fremde Hilfe in Anspruch genommen hat, beziehungsweise ein Thema nur oberflächlich bearbeitet hat.

Wie läuft ein Verteidigungsgespräch in der Regel ab?

Die Verteidigung findet im Rahmen eines Gesprächs vor der Prüfungskommission statt. Diese besteht in der Regel aus den Betreuern beziehungsweise Gutachtern der Bachelorarbeit (Siehe hierzu z.B. die Hinweise zum Prüfungsverfahren der Universität Paderborn). In manchen Fällen ist die Prüfung auch öffentlich. Als Student kann man diese Gelegenheit zur Prüfungsvorbereitung nutzen und als Zuschauer teilnehmen (vgl. Esselborn-Krumbiegel 2008: 169).

Um seine Bachelorarbeit zu verteidigen, hat man meist 20 bis 30 Minuten Zeit. Manchmal kann die mündliche Prüfung aber auch bis zu einer Stunde dauern (vgl. Voss 2017: 153).

Das Verteidigungsgespräch besteht dabei meist aus zwei Prüfungsteilen. Zuerst hält man einen Vortrag, in dem man das Wesentliche seiner Bachelorarbeit zusammenfasst. Dabei soll man die Forschungsfrage, die Herangehensweise an das Thema sowie die Ergebnisse in einer vorgegeben Zeit erklären (vgl. Samac; Prenner/Schwetz 2014: 30).

Nach dieser Präsentation haben die Prüfer die Gelegenheit, Fragen zu stellen. Dabei können sie entweder direkten Bezug auf den eben gehörten Vortrag nehmen, aber auch Fachfragen zu verwandten Themengebieten sind erlaubt. Damit wird überprüft, ob man einen Transfer zur eigenen Bachelorarbeit herstellen kann (vgl. Voss 2017: 153).

Wie bereitet man sich auf die Verteidigung vor?

Wichtig ist, dass man bei seinem Vortrag im vorgegebenen zeitlichen Rahmen bleibt und die zentralen Aussagen der Bachelorarbeit und den roten Faden auf den Punkt bringt. Zuhause kann man das gut mit einer Stoppuhr oder dem Timer auf dem Handy üben. Wer merkt, dass er überzieht, sollte nicht einfach schneller reden, sondern Teile des Vortrags kürzen, die nicht zielführend sind.

Hilfreich ist auch, seine Bachelorarbeit vor Studienkollegen, Freunden oder Familienmitgliedern zu präsentieren. Mit ihrem Feedback kann man dann seinen Vortrag anpassen. So wird man außerdem im freien Reden vor Publikum immer sicherer. Aber Achtung: Die Präsentation sollte nicht auswendig gelernt wirken (für einen strukturierten Vortrag empfiehlt die Universität Stuttgart ihren Studenten einen systematischen Aufbau.

Auf den Fragenteil kann man sich dagegen weniger vorbereiten, da die meisten Fragen sich spontan im Gespräch ergeben. Allerdings sollte man sich im Vornhinein überlegen, welche Schwachstellen die eigene Bachelorarbeit haben und was die Gutachter kritisch sehen könnten. Bei den Antworten gilt es immer, sachlich zu bleiben und seine persönliche Meinung zurückzuhalten bzw. auch hier die Regeln des wissenschaftlichen Arbeitens einzuhalten  (vgl. Meister 2015: 127).

Auf was sollte man bei der Verteidigung noch achten?

Beim Vortrag für die Verteidigung sollte man sich einerseits verständlich ausdrücken, andererseits aber auch das in der Wissenschaft übliche Fachvokabular nutzen, um kompetent zu wirken (vgl. Meister 2015: 134 sowie Voss 2017: 153).

Anschaulicher kann man seinen Vortrag außerdem gestalten, indem man Medien einbindet wie zum Beispiel Folien oder eine PowerPoint-Präsentation (vgl. Voss 2017: 153 sowie Samac/Prenner /Schwetz 2014: 30). Hierbei sollte man sich allerdings zuvor erkundigen, ob der Prüfungsraum mit einem funktionierenden Beamer ausgestattet ist und welcher Anschluss dafür benötigt wird.

Auch mit der Wahl der richtigen Kleidung sorgt man bereits beim Betreten des Prüfungsraums für einen überzeugenden Eindruck. Dabei muss es nicht der Anzug oder das Kostüm sein, allerdings auch nicht die Schlabberjeans mit abgetretenen Turnschuhen. Vielmehr zählt hier, dass man ordentlich aussieht und sich in seiner Kleidung wohlfühlt (vgl. Bartsch/Rex 2008: 87).

Wie wird das Verteidigungsgespräch benotet?

Die Endnote der Bachelorarbeit setzt sich aus der schriftlichen Arbeit und der mündlichen Verteidigung zusammen. Wem es gelingt in der mündlichen Prüfung zu überzeugen, bei dem macht sich dies positiv in der Benotung bemerkbar (vgl. Brunner/Knitel; Mader/Resinger 2015: 30).

Wie diese Prüfungsteile jeweils gewertet werden, hängt ebenfalls von der Studienordnung ab (vgl. Samac/Prenner/Schwetz 2014: 29). Deutlich mehr gewichtet wird aber immer die schriftliche Arbeit. Am Institut für Arbeitswissenschaft und Technologiemanagement der Universität Stuttgart macht die Verteidigung zum Beispiel 20 Prozent der Note aus. Dort steht dazu in den Richtlinien, 7. Bewertung: „Ihr Bachelorarbeitsvortrag wir mit einer Note bewertet, die zu 20 % in die Endnote Ihrer Bachelorarbeit einfließt. Dabei wird die Erfüllung der o.g. Punkte berücksichtigt.“

Wissenschaftliche Argumente in der Bachelorarbeit auf das Papier zu bringen ist das eine, sie mündlich auf den Punkt zu bringen und kritische Fragen dazu zu beantworten das andere. Wer seinen Vortrag aber klar strukturiert, ihn immer wieder übt und im Gespräch sachlich argumentiert, wird bei seinen Prüfern einen kompetenten Eindruck hinterlassen – und hat, falls er weiterstudierten möchte, schon für die Verteidigung der Masterarbeit oder für die Disputatio bei einer Dissertation geübt

Literatur

Bartsch, Tim Christian/Rex, Bernd F. (2008): Rede im Studium! Eine Einführung, Paderborn.

Brunner, Hans/Knitel, Dietmar/Mader, Robert/Resinger, Paul Josef (2015): Leitfaden zur Bachelor- & Masterarbeit. Einführung in wissenschaftliches Arbeiten und berufsbezogenes Forschen an Hochschulen und Universitäten, 3. Aufl., Marburg.

Esselborn-Krumbiegel, Helga (2008): Leichter lernen. Strategien für Prüfung und Examen, 2. Aufl., Paderborn.

Karmasin, Matthias/Ribing, Rainer (2017): Die Gestaltung wissenschaftlicher Arbeiten. Ein Leitfaden für Facharbeit/VWA, Seminararbeiten, Bachelor-, Master-, Magister- und Diplomarbeiten sowie Dissertationen, 9. Aufl. Wien.

Meister, Nina (2015): Die mündliche Prüfung meistern. Ein Ratgeber aus der Praxis, Paderborn.

Samac, Klaus/Prenner, Monika/Schwetz, Herbert (2014): Die Bachelorarbeit an Universität und Fachhochschule. Ein Lehr- und Lernbuch zur Gestaltung wissenschaftlicher Arbeiten, 3. Aufl., Wien.

Voss, Rödiger (2017): Wissenschaftliches Arbeiten leicht verständlich, 5. Aufl. Konstanz.

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