Mit den richtigen Fragen zum Forschungsdesign

Forschungsdesign
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07 Apr Mit den richtigen Fragen zum Forschungsdesign

Es gehört zum täglichen Geschäft der Wissenschaft, Forschungspläne zu erstellen. Auch Studierende müssen ein Forschungsdesign vorlegen, wenn sie größere Abschlussarbeiten oder die Dissertation vorbereiten. Drei simple Fragen an das eigene Projekt reichen aus, um ein schriftliches Gerüst zu erstellen: Was, warum und wie?

Warum überhaupt ein Forschungsdesign für die Bachelorarbeit, Masterarbeit oder Dissertation erstellen?

Das planvolle und kontrollierte Vorgehen gehört zu den Grundprinzipien von Wissenschaft. Zu diesem Zweck verbringen Forscher häufig viel Zeit damit, einen detaillierten Plan für ein Projekt zu erstellen.
Im Rahmen von Doktorarbeiten werden diese Pläne in Form eines Exposés beim zuständigen Gremium der Universität eingereicht (siehe hierzu die den Leitfaden der Universität Bielefeld). Das funktioniert wie eine Bewerbung: Das Vorhaben wird auf Durchführbarkeit, Relevanz und Wissenschaftlichkeit geprüft und entsprechend angenommen oder abgelehnt.
Einen möglichst detaillierten Projektplan zu erstellen (für Abschlussarbeiten oder die Dissertation) sorgt zudem auch für Klarheit über die eigenen Ideen. Der Zwang zum Aufschreiben der noch nicht ganz durchdachten Ansätze hilft, dem Projekt eine Form zu geben

Offenheit vs. Planung in der Bachelorarbeit, Masterarbeit und Dissertation

Wenn man die Schritte des eigenen Projekts aufschreibt, sollte man dabei ein gesundes Verhältnis zwischen konkreter Planung und nötiger Flexibilität berücksichtigen. In Kürze heißt das, dass man Thema, Vorgehen und Zeitplanung so konkret wie nötig, aber so offen wie möglich formuliert. Es sollte Raum zur nachträglichen Anpassung vorgesehen sein, ein Forschungsprozess hält sich leider nicht immer an Pläne.

Um aber zu gewährleisten, dass Leser die Darstellung nachvollziehen können, ist ein roter Faden von Nöten, der das Dokument durchzieht. Ein solcher Faden kann am besten mit den drei folgenden Fragen an euer Projekt erzeugt werden – Forschen heißt, Fragen zu beantworten!

Was, warum und wie: Mit diesen 3 Fragen zum Forschungsdesign

Damit der Leser (z.B. der Betreuer) und man selbst das geplante Projekt nachvollziehen und verstehen kann, helfen folgende Fragen: Was möchte ich erforschen, warum möchte ich das und wie beabsichtige ich das zu tun?

Was? Thema und Fragestellung

Im Vorfeld eines Projektplans hat man in der Regel bereits ein Themenfeld gefunden, mit dem man sich beschäftigen möchte. Das kann vom Fachbereich vorgegeben sein oder man sucht sich selbst ein „eigenes Thema“ (vgl. Frank et al. 2007, 17). Das Thema einzugrenzen und zugänglich zu machen ist dann Aufgabe der Fragestellung. Für die Erstellung eines Forschungsplans ist die Fragestellung die Antwort auf die Frage „Was möchte ich erforschen?“. Sie ist der Ausgangspunkt des roten Fadens, sozusagen der Haken in der Wand.

Warum? Forschungsstand und Forschungslücke

Fragestellungen gibt es aber viele und spätestens bei der Dissertation sollte das eigene Forschungsprojekt eine sogenannte Forschungslücke bearbeiten. Das heißt: Die Frage, die man bearbeiten möchte, wurde bisher noch nicht gestellt oder bearbeitet.
Diese Leerstelle gilt es aufzuzeigen, indem man aktuelle Erkenntnisse und Grenzen der Forschung aus Studien rund um das eigene Thema darstellt. Der Grund für die gewählte Ausgangsfrage sollte also nicht nur das eigene Interesse sein. Vielmehr ist der wissenschaftliche Fortschritt das Leitziel, neue Erkenntnisse für Dritte die Perspektive.

Um Fortschritt in Aussicht stellen zu können, muss die Antwort auf die Warum-Frage die offenen Enden des aktuellen wissenschaftlichen Stands herausstellen und damit klarstellen, warum die geplante Forschung für eine Bachelorarbeit, Masterarbeit oder Dissertation einen Mehrwert für das Themengebiet bietet. Dazu ist es ratsam, regelmäßig Zusammenfassungen aktueller Studien und Theorien zu erstellen und eine Literaturverwaltung zu verwenden.

Wie? Forschungsmaterial und Auswertungsprozess

Nachdem der Forschungsgegenstand in der aktuellen Diskussion verortet, das „was“ und „warum“ also beantwortet ist, geht es um die Frage nach dem „wie“.

Um einer konkreten Frage nachzugehen, muss das entsprechende Forschungsmaterial gefunden und methodisch gesammelt werden. Was als Material infrage kommt, hängt sowohl vom Fachbereich, als auch von der Fragestellung ab: Wo Naturwissenschaftler mit experimentellen Daten arbeiten, beschäftigen sich Literaturwissenschaftler vorwiegend mit Texten. Für den Projektplan ist es wichtig, das relevante Material und die Art und Weise, wie es gesammelt werden soll, darzustellen. Immerhin bildet dieses Material den Kern der geplanten Forschung und damit die Quelle möglicher Erkenntnis.

Der entscheidende Punkt jeder Forschung für die Bachelorarbeit, Masterarbeit oder Dissertation ist jedoch die Auswertung. Hier wird das gesammelte Material beobachtet und man zieht entsprechend Rückschlüsse auf Prozesse, Zusammenhänge und mögliche Ergebnisse. Je nach Material und Fragestellung gibt es eine Vielzahl an Auswertungsmethoden, mit denen Erkenntnisse aus dem Material gewonnen werden können.

Daher gilt es, erneut die Wie-Frage zu beantworten: Wie werden die erhobenen Daten beobachtet und wie werden Schlussfolgerungen gezogen? Für die meisten Auswertungsmethoden gibt es konkrete Vorgehensweisen, die in der entsprechenden Literatur nachgelesen werden können. Zudem haben die Fachbereiche an Universitäten und Fachhochschulen in der Regel Beratungs- und Austauschangebote speziell zu Fragen der Materialauswertung (Siehe hier beispielsweise das Beratungszentrum der TU Chemnitz.

Zeitplanung und Ergebnisausblick

Zu guter Letzt: Forschung benötigt Zeit und die ist begrenzt. Daher gehört auch ein detaillierter Zeitplan zum Forschungsplan. Sollte dieser nicht sowieso von Geldgebern oder Betreuern gefordert sein, so liefert ein Zeitplan zumindest eine Struktur für die eigene Arbeit.
Dementsprechend sollte man einzelne Schritte des Forschungsprozesses identifizieren und zeitlich planen: Die Datenerhebung ist in den meisten Fällen in einem konkreten Zeitraum vorgesehen und bildet damit den Kern des gesamten Prozesses. Je nach Forschungsansatz können so größere Zeitblöcke (häufig in Monaten) für die Vorbereitung vorher und Auswertung anschließend ausgewiesen werden.

Aber: Sackgassen und Änderungen gehören zu jeder wissenschaftlichen Arbeit. Umso wichtiger ist die genannte Offenheit in der Planung: Zeit- und Ergebnispläne sollten Anpassungen ermöglichen. Darüber hinaus sind Arbeitsweisen unterschiedlich und es ist nicht immer ratsam, jeden Schritt eines Forschungsprozesses zeitlich klar zu begrenzen. Daher gilt hier wieder das Motto: So konkret wie nötig, so offen wie möglich. Zudem sollte man nicht den Fehler machen, die „versteckten Arbeiten“ zu übersehen. Dazu gehört zum Beispiel die Formatierung oder das Lektorat einer Dissertation, Masterarbeit oder eines anderen wissenschaftlichen Projektes.

Mit anderen Worten: Die Schritte des Projekts aufzuschreiben ist zwar ein gutes Stück Arbeit, hilft aber dabei, das eigene Projekt richtig zu verstehen.
Denn für die Wissenschaft wie für ein Forschungsdesign gilt: Es braucht Zeit, Antworten zu finden und nicht selten sind die Antworten andere, als ursprünglich gedacht.

Literatur

Frank, Andrea/Haacke, Stefanie/Lahm, Swantje (2007): Schlüsselkompetenzen: Schreiben in Studium und Beruf, 1. Aufl. Stuttgart.

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