Nicht bestanden in der Bachelorarbeit: So geht es trotzdem weiter

Durchgefallen Bachelorarbeit
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15 Nov Nicht bestanden in der Bachelorarbeit: So geht es trotzdem weiter

Es ist kein Drama, wenn man die Bachelorarbeit nicht bestanden hat, denn es gibt es ein sinnvolles Leben danach. Vor allen Dingen aber gibt es auch keinen Grund, sofort den Kopf in den Sand zu stecken, denn ein erster Misserfolg bei der Bachelorarbeit muss noch lange nicht das Ende des Studiums bedeuten. Die meisten Prüfungsordnungen halten für diesen Fall sinnvolle Regelungen bereit.

Außerdem: Bill Gates hat es getan. Mark Zuckerberg hat es getan. Und selbst unser aller Quizkönig Günther Jauch hat es getan – sie alle haben ihr Studium vorzeitig abgebrochen und blieben ohne Studienabschluss. Probleme mit dem Kontostand dürften diese Herrschaften dennoch nicht haben. Ebenso wenig wie die Studienabbrecher Stefan Raab, Brad Pitt oder Charles Darwin.

Das Wichtigste ist, zunächst einmal die Ruhe zu bewahren und sich selbstkritisch zu hinterfragen, woran es gelegen haben könnte. Anschließend sollte man in aller Ruhe seine Optionen abwägen. Soll man die Note anfechten? Wechselt man den Betreuer? Oder wählt man lieber ein gänzlich anderes Thema?

Dieser Artikel versucht, denjenigen Studierenden Hilfestellungen zu geben, die ihre Bachelorarbeit im ersten Versuch nicht bestanden haben.

Selbstreflexion

Wie schon gesagt, sollte man zunächst einmal die Situation in aller Ruhe analysieren. Im ersten Anlauf in der Bachelorarbeit ein „nicht bestanden“ zu bekommen, mag für den Studierenden erst einmal wie ein Drama aussehen – ist es aber nicht.

Was jetzt gefragt ist, ist Reflexion – vor allen Dingen Selbstreflexion. Denn bevor man den zweiten Schritt geht und sich an den Betreuer wendet, um dessen Gründe für seine negative Bewertung zu erfragen, sollte man erst einmal vor der eigenen Haustüre kehren und sich selbstkritisch fragen, warum es nicht gereicht haben könnte.

Was sind typische Gründe für eine negative Bewertung bei der Bachelorarbeit und liegen solche Gründe bei meiner Arbeit vor, sind Fragen, die man sich zunächst stellen sollte.

Typische Gründe für eine nicht bestandene Bachelorarbeit

Einer der häufigsten Gründe für das Durchrasseln bei der Bachelorarbeit ist zugleich einer der vermeidbarsten – das Plagiat. Falsch bzw. unsauber zu zitieren und sich nicht an Zitierregeln halten, ist völlig überflüssig. Denn im Rahmen einer wissenschaftlichen Arbeit darf man so viel man will und nach Herzenslust andere Autoren zitieren. Man muss es eben nur kenntlich machen. Hat man dies versäumt und keine Plagiatsprüfung vorgenommen, braucht man sich hinterher nicht zu beschweren.

Ein weiterer typischer Grund für das Verdikt 5,0 kann in einer mangelnden Wissenschaftlichkeit begründet liegen. Die selbstkritisch zu stellenden Fragen lauten hier: Durchzieht meine Bachelorarbeit ein roter Faden, der einen logischen und klaren Aufbau meiner Argumentation erkennen lässt? Habe ich unter Umständen eine irrelevante Forschungsfrage aufgeworfen – was nur durch eine mangelnde Rücksprache mit dem Betreuer zustande gekommen sein kann. Oder habe ich eine relevante Forschungsfrage nicht adäquat beantwortet, also in den Worten von Sommer (2015), das Thema verfehlt.

Oder spiegeln meine Forschungsergebnisse schlicht und ergreifend nicht den aktuellen Stand der Forschung wider? Auch dies ist (selbst-) kritisch zu hinterfragen.

Wer die nächste (selbst-) kritische Frage mit Ja beantworten muss, sollte nach Meinung von Bensberg (2013) für den nächsten Anlauf einen Vorbereitungskurs in Erwägung ziehen bzw. seine Bachelorarbeit vor der Abgabe von einem Lektor Korrekturlesen lassen.

Sind mangelhafte Deutschkenntnisse der Grund, dass mir eine bessere Note verwehrt wurde? Professoren sind bei diesem Thema sicher Kummer gewohnt, aber wer nicht weiß, ob nach dem Komma „das“ oder „dass“ geschrieben wird, Sätze ohne Verben bildet oder augenscheinlich die Fachtermini seines eigenen Studiengangs nicht draufhat, sollte danach trachten, diese Defizite möglichst zeitnah auszugleichen und beim nächsten Mal die Bachelorarbeit Korrekturlesen zu lassen (Siehe hierzu auch den Artikel zu den typischen Fehlern in einer Bachelorarbeit und Masterarbeit).

Das Gespräch mit dem Betreuer

Erst nach dieser gründlichen Introspektive sollte man sich an den Betreuer wenden und ihn um eine Begründung für seine Bewertung bitten.

Hierbei geht es darum, wirklich zuzuhören. Das heißt, man sollte der Versuchung widerstehen und den Betreuer nicht mit Vorwürfen oder eigenen Projektionen überhäufen. Die Wahrscheinlichkeit, dass dieser aufgrund dessen seine Benotung noch einmal ändert, dürfte sehr gering ausfallen. Wichtig dagegen ist, wirklich zu verstehen, wo nach seiner Meinung die Schwachpunkte der Arbeit lagen. Denn nur so kann man daraus lernen und es beim nächsten Mal besser machen.

Anschließend ist es an der Zeit, selber Fragen zu stellen. War das Thema für mich vielleicht nicht das richtige oder habe ich die Ratschläge des Betreuers nicht oder nur ungenügend befolgt? Oder habe ich generell zu wenig Feedback während des Schreibprozesses eingeholt?

Es gibt keine dummen Fragen, also löchert den Betreuer. Schließlich geht es um etwas und von den Antworten hängt das weitere Vorgehen ab.

Widerspruch einlegen

Zunächst einmal gilt es, wiederum in aller Ruhe, das Gespräch mit dem Betreuer auszuwerten. Ist man mit dessen Darlegungen nicht einverstanden oder fühlt man sich ungerecht behandelt, steht einem die Möglichkeit offen, die Benotung anzufechten. Ein solcher Widerspruch ist ein formaler Akt, der nach der jeweils geltenden Prüfungsordnung abgehandelt wird. Hierzu wird ein zweiter Korrektor hinzugezogen, der die Bachelorarbeit unabhängig vom Betreuer begutachtet. Im besten Fall wird die Note nach oben korrigiert und man hat die Bachelorarbeit doch noch bestanden.

Allerdings sollte man sorgfältig für sich abwägen, ob man wirklich eine 4,0 im Zeugnis zu stehen haben möchte. Diese Note wirkt doch eher peinlich und verbleibt für immer im Lebenslauf. Unter Umständen ist es klüger, die 5,0 zu wählen und mutig den zweiten Versuch anzugehen.

Tut man dies nicht und sollte auch der zweite Gutachter zu dem gleichen Ergebnis kommen wie der Betreuer, verengen sich die Optionen. Dann bleibt nur noch der Gang zum Rechtsanwalt, mit allen damit verbundenen Kosten und Risiken.

Wann das Studium, u.a. auch unter Gesichtspunkten der Bafög-Berechtigung, als endgültig beendet gilt, darüber gibt zum Beispiel die Sozialwissenschaftliche Fakultät der Humboldt Universität zu Berlin Auskunft.

Ein neuer Anlauf

Auch diese zweite Option wird gemäß der an der jeweiligen Universität gültigen Prüfungsordnung geregelt. Jedoch gestatten fast alle Fakultäten einen zweiten Versuch. Entscheidet man sich für diese Option, sollte die notwendige Fehleranalyse besonders gründlich ausfallen, wozu das Gespräch mit dem Betreuer noch einmal zu rekapitulieren ist.

Je nach Prüfungsordnung steht es einem frei, den Betreuer zu wechseln, das Thema zu wechseln oder beides zu wechseln, wobei alle Optionen sorgfältig erwogen werden sollten. Lag das Durchfallen im ersten Versuch vornehmlich an eigenen Fehlern, sollte man den Betreuerwechsel nicht voreilig vollziehen, denn auch ein neuer Betreuer bemerkt die alten Fehler. Vielmehr kann man zunächst aus dem inhaltlichen Feedback des alten Betreuers bezüglich Thema, Fragestellung, formaler Aspekte etc. die richtigen Schlussfolgerungen ziehen und erst im Anschluss daran über einen Wechsel des Betreuers nachdenken.

Sollte der Herr Professor allerdings universitätsweit als „Stinkstiefel“ bekannt sein und lässt die geltende Prüfungsordnung dies zu, gibt es auch keinen Grund, unnötig zu zögern.

Wenn man im zweiten Anlauf nicht bestanden hat

Wenn es auch beim zweiten Anlauf nicht geklappt hat, ist wieder die jeweilige Prüfungsordnung zu Rate zu ziehen. Bei den meisten Universitäten und Fachhochschulen ist nur eine Wiederholung der Bachelorarbeit möglich. Allerdings ist es nicht verboten, seinen Charme spielen zu lassen.

Sind zum Beispiel die gemachten Fehler kleinerer Natur, könnte man den Betreuer um die Erlaubnis bitten, eine korrigierte Version der zweiten Bachelorarbeit einzureichen. Es wäre nicht der erste Fall, wo dies gelungen wäre. Allerdings gibt es keine Garantie darauf und wurde die Bachelorarbeit auch im zweiten Versuch nicht bestanden, ist endgültig Fahnenstange. (Zum endgültig nicht bestandenen Prüfungsversuch siehe zum Beispiel die Hinweise der Prüfungsverwaltung der Universität Bremen).

Wie eingangs bereits deutlich wurde, ist das Durchfallen bei einer Bachelorarbeit nicht das Ende aller Tage. Das, was man gelernt hat, kann einem niemand mehr wegnehmen, und, man ist immer noch derselbe Mensch. Bei der Masterarbeit kann man es spätestens besser machen.  

Außerdem befindet man sich in prominenter Gesellschaft. Die Studienabbrecher Wolfgang Joop, Steven Spielberg, Michael Dell, Herbert Grönemeyer oder Sir Mick Jagger nagen jedenfalls auch nicht am Hungertuch – ganz ohne Bachelorarbeit, Masterarbeit oder Dissertation.

Literatur

Sommer, B. (2015): Spurensuche im Alltag eines Hochschullehrers – Geschichten, Anekdoten, Erzählenswertes, 1. Aufl., Marburg.

Bensberg, G. (2013): Survivalguide Schreiben – Ein Schreibcoaching fürs Studium Bachelor-, Master- und andere Abschlussarbeiten – Vom Schreibmuffel zum Schreibfan!, 1.Aufl., Heidelberg.

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