Den Hauptteil schreiben: Tipps und Hinweise für die Bachelorarbeit und Masterarbeit

Hauptteil schreiben
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19 Nov Den Hauptteil schreiben: Tipps und Hinweise für die Bachelorarbeit und Masterarbeit

Man will den Hauptteil der Bachelorarbeit schreiben. Nun heißt es, dass muss man sich klar macht, dass es jetzt kein Aufschieben aufs nächste Kapitel mehr gibt. Hier wird gegebenenfalls eingelöst, was die Einleitung verspricht. Der Hauptteil ist im Grunde genommen das Herzstück jedes wissenschaftlichen Textes. 

Tatsächlich muss infolgedessen im Hauptteil die Fragestellung anhand eigener Forschungsarbeit stichhaltig, schlüssig und nachvollziehbar beantwortet werden. Doch was bedeutet das überdies konkret? Und wie kommt das eigene Wissen schließlich aufs Papier? Diese Übersicht verrät es im Folgenden.

Was ist der Hauptteil?

Der Hauptteil nimmt dann mit etwa achtzig Prozent der Gesamtlänge unter dem Strich den größten Teil ein. Demnach ist hier schließlich viel Platz für die Beantwortung der Forschungsfrage. Diese ist gerahmt von der anfänglichen Einleitung und dem abschließenden Fazit.

Die hierfür notwendigen theoretischen Grundlagen werden indes dem Hauptteil vorangestellt. Ferner wird mittels der Erläuterung von Begriffen, Theorien und Modellen nebenbei das Verständnis für die folgende Argumentation gesichert (Siehe hierzu die Hinweise der Georg-August-Universität Göttingen  zum wissenschaftlichen Arbeiten). Ob es sich dabei  beispielsweise um einen in sich geschlossenen, daher gesonderten Textteil oder daher um ein dem Hauptteil zugehöriges Unterkapitel handelt, bestimmen schließlich sowohl die Fachrichtung als auch das Thema. Nichtsdestotrotz gilt: Die Präsentation der für die Beantwortung der Forschungsfrage relevanten Theorien sollte dessen ungeachtet weniger Raum beanspruchen, als die Beantwortung selbst.

Ansonsten ist eine Argumentation daher die schlüssige und stringente Verknüpfung von Informationen zu einer stichhaltigen Antwort auf die Forschungsfrage. Sie beinhaltet zum einen nicht nur die strukturierte Darstellung jenes wissenschaftlichen Arbeitens, die zur Ergebnisfindung notwendig war. Der Hauptteil schließt auf jeden Fall zudem mit der detaillierten Präsentation der Forschungsergebnisse und ihrer Diskussion (Siehe hierzu den Leitfaden der Technischen Universität Braunschweig.

Was gehört in den Hauptteil?

Den konkreten Inhalt des Theorie- und Hauptteils einer wissenschaftlichen Arbeit bestimmt indes maßgeblich die studierte Fachrichtung. Der Forschungsgegenstand kann also sowohl ein naturwissenschaftliches Experiment, als auch ein Kunstwerk, aber darüber hinaus auch ein empirisch erhobener Datensatz sein. Was mit ihm passiert ist dagegen im Grunde genommen immer gleich: Er wird analysiert und interpretiert. In den Text gehört dabei letztlich natürlich nur, was schließlich zur Beantwortung der Forschungsfrage beiträgt (vgl. Bänsch/Alewell 2013: 82).

Darüber hinaus muss der Hauptteil gleichfalls strukturiert Auskunft über die eigene Vorgehensweise geben. Warum gerade welche Methode zur Ergebnisfindung gewählt wurde, gehört zuletzt notwendigerweise in den Text (vgl. Bänsch/ Alewell 2013: 83). Erst danach erfolgt übrigens gegebenenfalls die Präsentation der Argumentation und schließlich der Forschungsresultate. Wie übrigens im Einzelnen der Theorie- und Hauptteil einer wissenschaftlichen Arbeit strukturiert sein kann, zeigen die folgenden Beispiele ansonsten aus ganz unterschiedlichen Fachrichtungen.

Psychologie

Hier folglich ein Gliederungsbeispiel des Theorie- und Hauptteils im Fachbereich Psychologie zum Thema „Angststörungen. Empirisch untersuchte Mittelwertunterschiede zwischen Männern und Frauen“:

2 Konzeptionelle Grundlagen
2.1 Psychische Störungen
2.2 Angst
2.3 Angststörung
2.4 Formen der Angststörung
2.4.1 Agoraphobie
2.4.2 Soziale Phobie
2.4.3 Spezifische Phobien
2.4.4 Panikstörung
2.4.5 Generalisierte Angststörung
2.4.6 Posttraumatische Belastungsstörung
2.4.7 Zwangsstörung

3 Empirische Studien
3.1 Gender and age differences in the prevalence of specific fears and phobias
3.1.1 Ergebnisse
3.2 Gender Differences in Phobias: Results of the ECA Community Survey
3.2.1 Ergebnisse
3.3 Sex Differences in the Prevalence Detection of Depressive and Anxiety Disorders in General Health Care Settings
3.3.1 Ergebnisse

Kunstgeschichte

Im Gegensatz dazu hier Gliederungsbeispiel des Theorie- und Hauptteils im Fachbereich Kunstgeschichte zum Thema „Feministische Kunstgeschichte. Versuch einer Überprüfung einiger Positionen“:

2. Feminismus
2.1. Feminismus und Wissenschaft
2.2. Feminismus und Kunstgeschichte

3. Das „Weibliche“ in der Kunst
3.1. „Weibliche“ Ästhetik
3.2. „Weiblichkeit“ in der Kunstrezeption

4. Das Leben der Künstlerin im „patriarchalen System“
4.1. „Künstlerinnen wurden aus dem Kanon ausgeschlossen“
4.2. „Frauen durften nicht an die Akademie“
4.3. „Die Kaufkraft ist männlich“
4.4. Mäzeninnen

5. Feministische Äußerungen über ausgewählte Künstlerinnen
5.1. Sofonisba Anguissola
5.2. Artemisia Gentileschi
5.3. Berthe Morisot
5.4. Rosa Bonheur

6. Feministische Interpretationen über die Frau im Bild
6.1. Frauen-Bilder in Ehe und Sexualität
6.2. Der weibliche Akt

Betriebswirtschaftslehre

Hier zum Beispiel eine Gliederung des Theorie- und Hauptteils im Fachbereich BWL zum Thema „Service Engineering. Systematische Entwicklung innovativer Dienstleistungen“:

2 Theoretische Grundlagen zu Service Engineering
2.1 Begriffsdefinition
2.2 Historische Entwicklung
2.3 Ziele und Aufgaben

3 Prozess des Service Engineering
3.1 Grundarten der Vorgehensmodelle
3.2 Lineare Modelle der Dienstleistungsentwicklung
3.3 Iterative Modelle der Dienstleistungsentwicklung

4 Methoden und Werkzeuge
4.1 Angewandte Methoden
4.2 Praktische Werkzeuge

Den Hauptteil schreiben: Wie geht das?

Den Hauptteil schreiben und ihn somit schließlich zu Papier zu bringen, erfordert entsprechend einen kühlen Kopf. Genauer gesagt gilt es, mühevoll erarbeitetes Wissen und einen ganzen Sack an Forschungsergebnissen zu strukturieren und überdies in die Antwort auf die Forschungsfrage zu verwandeln. Wer dabei ansonsten die folgenden Tipps beherzigt, findet den roten Faden allerdings leichter.

  • Als erstes den Hauptteil schreiben

    Wenn man den Hauptteil schreiben will, sollte man auf jeden Fall auch die ganze Arbeit mit dem Hauptteil beginnen. Dies gilt, obwohl im fertigen Text die Einleitung auf jeden Fall an erster Stelle steht (vgl. Theisen 2013: 47). Sie ist im Grunde genommen als Formsache zu verstehen, die für die Forschungsarbeit selbst indes gar keine Bedeutung hat.

  • Das Forschen beenden, mit dem Schreiben anfangen

    Wissen ist unendlich, der Umfang einer Bachelorarbeit oder Masterarbeit dementgegen nicht. Oft entsteht im Laufe der eigenen Forschungen der Eindruck, das eigene Thema sei gleichwohl unerschöpflich. Um das Ziel nicht aus dem Fokus zu verlieren, hilft darüber hinaus ein abgesteckter Zeitrahmen, der festlegt, wann die Schreibarbeit schließlich beginnt.

  • An der Gliederung entlangschreiben

    Die Gliederung einer wissenschaftlichen Arbeit muss auf jeden Fall feststehen, bevor der Hauptteil geschrieben wird (vgl. Franck 2011: 36). Sie bestimmt nämlich die Argumentationsstruktur des Textes und sowohl seinen Ablauf als auch seinen Umfang. An der Gliederung kann man sich überdies im Zuge der Schreibarbeit festhalten wie an einem Geländer. Darüber hinaus behält man dank ihr stets den Überblick.

  • Sich einen Leser vorstellen

    Damit das Schreiben anfangs leichter fällt, kann man sich beim Schreiben außerdem einen potenziellen Leser vorstellen. Dieser ist währenddessen nicht der Betreuer, der in dem Gebiet ein Experte ist, sondern vielleicht der beste Freund, der überdies eine vollkommen andere Studienrichtung gewählt hat.

  • Pause machen und lesen lassen

    Nichts ist unter dem Strich so gut wie der Moment der Abgabe einer fertigen Arbeit. Trotzdem ist es es sinnvoll, sich beispielsweise auch schon während des Schreibprozesses gegebenenfalls in die Karten gucken zu lassen. Damit können nebenher eventuelle Schwächen des Textes frühzeitig erkannt und aus dem Weg geräumt werden. Spätestens aber bei der fertigen Rohfassung sollte man ein Lektorat für die Bachelorarbeit oder Masterarbeit machen lassen (Siehe zu allen diesen Aspekten auch diesen  Artikel aus der Welt)!

Ob man will oder nicht, den Hauptteil schreiben muss man in jedem Fall. Hier wird es in einer wissenschaftlichen Abschlussarbeit schließlich ernst. Während Einleitung und Fazit vor allem Formsache sind, geht es hier gegebenenfalls ums Ganze. Hier wird das erarbeitete Wissen strukturiert und folglich die Forschungsfrage beantwortet. Wie genau das aussieht, bestimmt neben der Forschungsfrage selbst überdies auch die studierte Fachrichtung. Anhand einer sorgfältig angefertigten Gliederung lässt sich später dann recht entspannt entlangschreiben. Und zwar nicht nur von der Vorstellung der ersten These an, sondern auch bis zur Diskussion des letzten Forschungsergebnisses.

Literatur

Bänsch, Axel/Alewell, Dorothea (2013): Wissenschaftliches Arbeiten, 11. Aufl., München.

Franck, Norbert (2011): Die Technik wissenschaftlichen Arbeitens, 16. Aufl., Stuttgart.

Giller, Viktoria (2012): Angststörungen. Empirisch untersuchte Mittelwertunterschiede zwischen Frauen und Männern, München.

Konovalov, Ivan (2015): Service Engineering. Systematische Entwicklung innovativer Dienstleistungen, München.

Pichler, Nina (2008): Feministische Kunstgeschichte. Versuch einer Überprüfung einiger Positionen, München.

Theisen, Manuel-René (2013): Wissenschaftliches Arbeiten: Erfolgreich bei Bachelor- und Masterarbeit, 16. Aufl., München.
Weiterführende Literatur:

Esselborn-Krumbiegel, Helga (2014): Von der Idee zum Text: Eine Anleitung zum wissenschaftlichen Schreiben, 4. Aufl., Paderborn.

Karmasin, Matthias/Ribing, Rainer (2017): Die Gestaltung wissenschaftlicher Arbeiten, 9. Aufl., Stuttgart.

Kruse, Otto (2014): Lesen und Schreiben, 2. Aufl., Stuttgart.

Pospiech, Ulrike (2012): Wie schreibt man wissenschaftliche Arbeiten?, 2. Aufl., Mannheim.

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