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Woran erkennt man zitierfähige Literatur für die Abschlussarbeit?



11 Mai Woran erkennt man zitierfähige Literatur für die Abschlussarbeit?

Es gehört zu den Grundsätzen des wissenschaftlichen Arbeitens, von anderen getätigte Aussagen durch die Angabe der entsprechenden Belegstelle verifizierbar zu machen. Das Literaturverzeichnis ist bekanntlich der passende Ort, um den Fundort der zitierten Ideen entsprechend beim richtig Zitieren zu kennzeichnen.

Allerdings gilt längst nicht jeder Text als zitierfähige Literatur. Der Grat ist also schmal und der Vorwurf für un-wissenschaftliches Arbeiten schnell erhoben. Daher erscheint es ratsam – bevor man lernt, korrekt zu zitieren – erst einmal die Frage zu klären, welche Literatur überhaupt zitierfähig sind – und welche nicht.

Dieser Artikel möchte schließlich bei der Klärung hilfreich sein.

Woran kann man eine seriöse Quelle für die Bachelorarbeit oder Masterarbeit erkennen?

Zunächst einmal ist beim Umgang mit wissenschaftlicher Literatur von vornherein eine gehörige Portion Skepsis vonnöten. Selbst einschlägige Fachdatenbanken und Universitätsbibliotheken enthalten nämlich auch populärwissenschaftliche Literatur, die in eine wissenschaftliche Arbeit unter Umständen nicht hineingehört.

Grundsätzlich sollte wissenschaftliche Literatur aber vier Ansprüchen genügen: Sie muss glaubwürdig, genau, vernünftig und nachweisbar sein. Aber wie erkennt man, ob eine Quelle dann diesen vier Ansprüchen genügt?

Die folgenden fünf Hinweise können in jedem Fall bei der Beantwortung dieser Frage hilfreich sein:

Verfasser

Man sollte in jedem Fall das Renommee des Verfassers sorgfältig prüfen. Was wurde von ihm bereits publiziert? Welchen Ruf genießt der Autor in der Fachwelt und wie lange beschäftigt er sich mit dem Thema bereits?

Ein weiterer Hinweis: Taucht zum Beispiel im Literaturverzeichnis einer Veröffentlichung der Name eines Autors besonders häufig auf, ist dies aber ein deutlicher Fingerzeig auf dessen Reputation und somit auf seine Glaubwürdigkeit. Ist dagegen der Autor selbst zwar unbekannt, genießt der Herausgeber oder der Verleger der Veröffentlichung dafür einen hohen Bekanntheitsgrad, ist auch dies ein Hinweis auf zitierfähige Literatur. In gewisser Weise bürgt hier dementsprechend der Verleger bzw. Herausgeber mit seinem guten Namen für die Qualität des Inhalts.

Publikation

Wurde die zu prüfende Publikation eventuell von einer Institution oder einem renommierten Verlag veröffentlicht? Falls ja, ist das dann ein Hinweis auf eine erhöhte Glaubwürdigkeit, denn immerhin bürgt die Institution mit ihrem Namen für den Inhalt und man kann sich sicher sein, dass eine Publikation, z.B. eine Doktorarbeit ein gründliches Lektorat und Korrekturlesen einer Dissertation erfahren hat. Ähnliches gilt aber auch für Zeitungen und Zeitschriften. Die angesehenen Vertreter dieser Zunft sind mit ihren Veröffentlichungen in der Regel kritischer als Publikumszeitungen – was ebenfalls auf eine höhere Qualität der Publikation hindeutet.

Nachvollziehbarkeit

Glaubwürdige Literatur von zitierfähiger Qualität ist weiterhin nur solche, die entsprechend durch Belege nachvollziehbar ist. Man sollte also darauf achten, ob der Autor der infrage kommenden Publikation andere Autoren korrekt zitiert. Ist dies der Fall, kann auch aus dessen Veröffentlichung in der Regel problemlos zitiert werden.

Das Gleiche gilt übrigens auch für Grafiken und Tabellen. Auch diese müssen mit Quellennachweisen versehen sein. Fehlen diese, sollte man von einem Zitat letzendes Endes Abstand nehmen.

Stil

Viel über die Qualität einer Quelle und damit über ihre Zitierfähigkeit verrät auch der Stil, in dem die Publikation schließlich verfasst wurde. Ist der Schreibstil sachlich und enthält wenig (oder am besten keine) subjektiven Bewertungen des Autors, lässt dies auf Glaubwürdigkeit schließen. Andernfalls ist aber Vorsicht geboten.

Aktualität

Zu guter Letzt sollte man laut Berger-Grabner (2016), S. 97 auch besonderen Wert auf die Aktualität der Quelle legen. Grundsätzlich gilt: Je kürzer das Erscheinungsdatum der Quelle zurückliegt, umso höher ist ihre Qualität. Dies gilt bei bestimmten Fachgebieten, wie etwa den Rechtswissenschaften oder Informatik, in verstärktem Maße, da hier der IST-Stand der Forschung schneller veraltet, als bei anderen Fachgebieten. Nichtsdestotrotz kann es natürlich auch Klassiker der Forschung geben, die, auch ohne aktuell zu sein, noch Relevanz haben.

Reicht all dies nicht aus, um zu bestimmen, ob es sich bei dem erwogenen Text um zitierfähige Literatur handelt, sollte man sich im Zweifel auf die Werke aus Universitäts- bzw. Fachbibliotheken beschränken. Es ist ohnehin empfehlenswert, sich das notwendige Wissen über Bücher zu erschließen und andere Quellen wie etwa das Internet außen vor zu lassen.

Internetquellen in der Bachelorarbeit oder Masterarbeit

Es sollte deutlich geworden sein, dass elektronische Quellen den meisten Anforderungen an zitierfähige Literatur häufig nicht entsprechen und deshalb nur selten als zitierfähige Literatur durchgehen können. Der Grund ist laut Nünning (2008), S. 57 schlicht, dass die Herkunft der dargebotenen Informationen schlecht verifizierbar ist. Insbesondere Wikipedia-Einträge sind in der Regel voreingenommen und damit unwissenschaftlich. Oftmals haben mehrere Autoren an dem gleichen Eintrag gearbeitet und allesamt sind sie unbekannt. Jedenfalls haftet keiner von ihnen für die Richtigkeit der getätigten Aussagen.

Dennoch kann eine Literaturrecherche im Internet hilfreich sein, um sich einen ersten groben Überblick über die Thematik zu verschaffen und um gegebenenfalls Ideen für die weiterführende Recherche zu erhalten. Zudem bieten mittlerweile auch Hochschulen, Forschungsinstitute und Verlage Material im Internet an, z.B. Open-Access-Bücher. Hier kann man sich auf die Verlässlichkeit der Institutionen zumeist verlassen.

Trägt man sich, trotz aller Bedenken, mit der Absicht aus einer Internetquelle zu zitieren, sollte in jedem Fall im Literaturverzeichnis das letzte Zugriffsdatum aufgeführt oder alternativ ein Screenshot oder Ausdruck des zitierten Inhalts beigefügt werden. Denn nur so ist für den Leser die notwendige Nachvollziehbarkeit der Information sichergestellt. Umfangreiche Erläuterungen zum Thema liefert außerdem ein Handout der Humboldt Universität zu Berlin).

Im Folgenden finden sich zum Zwecke der besseren Übersichtlichkeit konkrete Beispiele für zitierfähige und, in Abgrenzung davon, für nicht zitierfähige Literatur:

Grundsätzlich zitierfähige Literatur

  • wissenschaftliche Fach- oder Lehrbücher aus Universitäts- oder Fachbibliotheken
  • Gutachten, Gesetzestexte und Kommentarliteratur, Festschriften, Tagungsbände, Berichte von Stiftungen
  • Offizielle Statistiken, Informationsschriften von Ministerien
  • wissenschaftliche Veröffentlichungen in Fachzeitschriften, Aufsatzsammlungen, Konferenzbänden, Bachelorarbeit, Masterarbeit oder Habilitationsschrift
  • Forschungsberichte anerkannter Institute, Geschäfts- und Jahresberichte von Firmen
  • Fachlexika (im Unterschied zu allgemeinen Lexika)

Übrigens: Auch hier gilt, dass die Verlässlichkeit dieser Quellen nicht dadurch verringert wird, dass sie im Internet zu finden sind!

Nicht zitierfähige Literatur

  • Populärliteratur (wie Romane u.Ä.)
  • Populärwissenschaftliche Literatur
  • Publikumszeitungen und –zeitschriften
  • Vorlesungsskripte
  • allgemeine Lexika
  • private Webpräsenzen
  • Wikipedia
  • Diplom-, Seminar- und Hausarbeit

Ausnahme hiervon ist die Verwendung dieser Literatur als Primärliteratur. Möchte man beispielweise aus einem frauenfeindlichen Artikel in einer Modezeitschrift zitieren, kann man das natürlich tun – etwa als Aufhänger in der Einleitung. Den Artikel jedoch als Beitrag zur Forschung oder als Wissensspeicher zu nutzen und zu zitieren, ist eher nicht zulässig. Weiterführende Hinweise zum Thema gibt auch ein Merkblatt der Westfälischen-Wilhelms-Universität Münster.

Wie diese Auflistung klarmacht, steht dem Studierenden – jenseits der zu vermeidenden Quellen – noch eine ganze Bandbreite an zitierfähiger Literatur zur Verfügung.
Wird diese effektiv genutzt, findet der Leser der Abschlussarbeit nicht nur einen besonders hohen Grad an Wissenschaftlichkeit vor. Der Autor darf infolgedessen auch mit einer besonders guten Note rechnen.

Literatur

Berger-Grabner, Doris (2016): Wissenschaftliches Arbeiten in den Wirtschafts- und Sozialwissenschaften – Hilfreiche Tipps und praktische Beispiele (2. Aufl.), Wiesbaden.

Nünning, Vera (Hrsg.) (2008): Schlüsselkompetenzen: Qualifikation für Studium und Beruf, Stuttgart & Weimar.

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