Wie kann man die Lesegeschwindigkeit steigern?

Lesegeschwindigkeit
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03 Mrz Wie kann man die Lesegeschwindigkeit steigern?

In der Prüfungsphase oder in Vorbereitung auf die Bachelorarbeit oder Masterarbeit, ein Referat oder die nächste Seminararbeit: Oft fühlt man sich unter Monographien, Aufsätzen, Zeitschriftenartikel oder Internetbeiträgen begraben. Dabei wollen alle mit der gleichen Aufmerksamkeit gelesen und verstanden werden. Dann fragt man sich nicht nur einmal „Wie kann man die eigene Lesegeschwindigkeit steigern?“ – und das ohne, dass dabei wichtige Informationen der Texte auf der Strecke bleiben.

In diesem Beitrag werden die gängigsten Fehler beim Lesen aufgedeckt. Im Anschluss stellen wir verschiedene Lesetechniken sowie bestimmte Tipps und Tricks vor, die mit etwas Übung die Lesegeschwindigkeit steigern können. Diese Praktiken versprechen nicht nur ein schnelleres Lesen, sondern auch ein besseres Verständnis von Texten.

Neue Lesegewohnheiten für die Bachelorarbeit und Masterarbeit

Das heutige, schnelllebige Informationszeitalter hat unsere Lesegewohnheiten verändert. Man will die wichtigsten Inhalte eines Textes, ganz gleich ob Zeitschriftenartikel, Blogbeiträge oder Nachrichten, am liebsten auf den ersten Blick aus der Überschrift erfahren, ohne sich erst durch den Text wühlen zu müssen. Besonders davon betroffen sind Webseitentexte: Laut dem dänischen Webseiten-Forscher Jakob Nielsen „scannen“ Leser Webseiten nur noch, verbleiben maximal vier Sekunden auf einer Website (Vgl. Artikel auf SpiegelOnline) .

Diese kurz angebundene, nervöse Art zu lesen begleitet uns mitunter auch beim Lesen von Romanen und Recherchieren von Literatur für die Bachelorarbeit und Masterarbeit: Man ist leicht ablenkbar, verliert den roten Faden und vergisst letztendlich, was man gerade gelesen hat. Gerade weil man aber auf diese Weise schnell vergisst, was und wo man etwas gelesen hat, neigen unkonzentrierte Leser auch zu Fehlern in ihren Notizen und somit beim Zitieren. Durch eine Plagiatsprüfung können sie böse überrascht werden!

Doch man kann seine neueren, aber auch seine alt eingesessenen Lesegewohnheiten über den Haufen werfen und in diesem Zuge seine Lesegeschwindigkeit steigern.

Die drei gängigsten Fehler beim Lesen für die Bachelorarbeit und Masterarbeit

Unsere Lesegewohnheiten haben wir uns in der Grundschulzeit angewöhnt, in der man zunächst das Alphabet, dann kleine, später längere Wörter lernte und schließlich vollständige Sätze entschlüsseln konnte. Davon geblieben ist uns der enge Blickfokus, nach welchem man Wort für Wort liest und so schließlich den Sinn eines Satzes erfasst. Dass das Zeit frisst, liegt daran, dass der Blick nur auf einen halben oder ganzen Zentimeter beschränkt bleibt. Man kann allerdings auch größere Abstände, zeilen- oder absatzweise erfassen, und das Gehirn bleibt in der Lage, den Sinn des Gelesenen zu verstehen.

Nichtsdestotrotz passiert es, dass man beim Lesen mit den Gedanken abschweift und im Text nicht nur ein paar Sätze sondern oft ganze Seiten zurückspringen muss. Diesen Vorgang nennt man auch Regression. Der Grund dafür ist, dass das Gehirn beim Lesen eines Textes nicht überfordert sondern im Gegenteil mit der Lesegeschwindigkeit unterfordert war und Zeit hatte sich mit anderen Dingen zu beschäftigen. Die Lösung des Problems: Bewusst das Lesetempo erhöhen, denn mit der Anstrengung der Denkleistung, steigt auch die Konzentration wieder (Vgl. Schmitz 2009: 24f.).

Die Lesegeschwindigkeit steigern kann man zuletzt auch, indem man das unterschwellige Mitsprechen beim Lesen unterlässt. Auch dieses ist ein Anhängsel aus der Grundschulzeit, welches beim Lesen lernen half. Durch das innere Mitsprechen (Subvokalisieren) wird Kapazität im Arbeitsgedächtnis verbraucht, die deshalb nicht mehr zum Verstehen des Textes zur Verfügung steht (Vgl. Online-Lexikon für Psychologie und Pädagogik). Außerdem passt sich das Lesetempo dem wesentlich langsameren Sprachtempo an, wodurch die Lesegeschwindigkeit unnötig ausgebremst wird. Ohne das Mitsprechen kann man also schneller lesen.

Die eigene Lesegeschwindigkeit steigern: Verschiedenen Lesetechniken

Grundsätzlich unterscheidet man zwischen drei Lesetechniken: dem kursorischen, dem intensiven und dem diagonalen Lesen. Während es beim intensiven Lesen darum geht Texte genauestens und vollständig zu erfassen, zielen das kursorische sowie das diagonale Lesen darauf ab, wichtige Informationen schnell herauszufiltern. Im Durchschnitt liest der Mensch drei bis vier Wörter pro Sekunde, das heißt 180 bis 240 Wörter pro Minute. Mit Lesetechniken wie dem diagonalen Lesen kann man die Lesegeschwindigkeit steigern – auf bis zu 1.000 bis 3.800 Wörtern pro Minute.

Kursorisches und diagonales Lesen

Bei der Methode des kursorischen und diagonalen Lesens überfliegt man Texte nur bzw. liest sie quer. Man liest also sehr selektiv, sodass nur die wichtigsten Informationen erfasst werden. Hierbei konzentriert man sich auf die Schlüsselbegriffe des Textes, die Gliederung sowie Überschriften und Zwischenüberschriften und andere Hervorhebungen wie Markierungen und Kursivschrift (Vgl. Skript der Eberhard Karls Universität Tübingen).

Ein Tipp: Hilfreich ist auch der Blick auf Illustrationen, Grafiken und die dazugehörigen Bildunterschriften, um den Inhalt eines Textes zu scannen bzw. zu „skimmen“. Im Fließtext werden die Bilder schließlich meist nur eingehender erläutert.

Punktuelles Lesen

Eine weitere Methode ist das punktuelle Lesen, wobei Texte nur in Auszügen durchgearbeitet werden. Man springt von einer Textstelle zur nächsten Textstelle, sodass sich der Leser inhaltliche Zusammenhänge selbst „zusammenpuzzeln“ muss.

Das punktuelle Lesen eignet sich nur für lineare Texte, in denen Gedankengänge fortlaufend bzw. aufeinander aufbauend erläutert sind. Zu solchen Texten gehören grundsätzlich alle Bücher und gedruckten Medien, während nicht-lineare Texte Hypertexte sind. Da diese mit (Hyper-)Links auf andere Texte verweisen, die – je nach Wunsch des Lesers – mit einem Mausklick aufgerufen werden können, kann die Technik des punktuellen Lesens hier nicht angewendet werden (Vgl. Kuhn 2010: 85).

Speed Reading

Eine der ältesten Lesetechniken ist das in den 70er Jahren entwickelte Speed-Reading nach Tony Buzan – Erfinder der Mind Maps und führender Intelligenzforscher. Seiner Technik sind die Erkenntnisse vorausgesetzt, dass das Auge Texte auch mit hoher Geschwindigkeit wahrnehmen und das Gehirn diese gerade bei höheren Lesegeschwindigkeiten besser verarbeiten kann.

Um das Speed Reading und die schnellere Augenbewegung zu trainieren, können beim Lesen ein Bleistift, Essstäbchen oder Lineal zur Hilfe genommen werden. Auf diese Weise wird das Zurückspringen zu vermeintlich nicht oder falsch verstanden Sätzen und Textstellen verhindert. So wird das Auge zu einem linearen, konzentrierten Lesen gezwungen.

Durch diese Übung lernt das Auge außerdem, zur Steigerung der Lesegeschwindigkeit die Anzahl der Fixierungen zu verringern. Ungeübte Leser machen nämlich doppelt so viele Fixierungen – das heißt, sie halten an bestimmten Stellen an und nehmen nur ein Wort oder eine Wortgruppe auf, bevor sie weiterlesen. Hat man sich bewusstgemacht, dass das Auge mehrere Wortgruppen und Sätze über größere Abstände hinweg wahrnehmen kann, können schließlich mehrere Zeilen gleichzeitig und damit schneller gelesen werden (Vgl. Beyer/Rathje 2013: 113 ff.).

PhotoReading

Das PhotoReading ist eine weitere Schnell-Lesetechnik. Hinter ihr steht der Autor Paul Scheele. Sie hat einen bewusstseinsorientierten Zugang zum Lesen. Scheele geht davon aus, dass man mit dem „PhotoFokus“, einem körperlichen und mentalen Fenster, Texte „sieht“. Man fotografiert Texte Seite für Seite und speichert die Inhalte im Unterbewusstsein. Erst, wenn man sich dieses mentalen Vorgangs bewusst ist, kann man die eigene Lesegeschwindigkeit steigern.

Das PhotoReading vollzieht sich dabei in fünf Schritten. Nachdem man sich damit auseinandergesetzt hat, was man von der Lektüre eines Textes erwartet, verschafft man sich in nicht mehr als 90 Sekunden einen grundlegenden Überblick über den Lesestoff. Danach sollte man den sogenannten PhotoFokus einstellen: Man betrachtet zwei aufgeschlagene Seiten eines Buches als Ganzes, blickt durch die Mitte der Falz und nimmt so über das periphere Sehen den gesamten Text wahr. Auf diese Weise kann man in kürzester Zeit ein ganzes Buch scannen, die dabei aufgenommenen Informationen muss man allerdings bewusst „loslassen“, damit sie das Unterbewusstsein aufnehmen kann (Vgl. Hörner 2013: 88 ff).

Es handelt sich hierbei um eine Methode des vorwärtsorientierten Lesens, bei dem man auf visuelle Eindrücke vertraut, statt auf einzelne Textstellen. Nach Scheele soll es möglich sein, auf diese Weise bis zu 25.000 Wörter pro Minute zu erfassen. Man kann den Text schließlich 24 Stunden nach der Lektüre mit den bekannten Lesetechniken erneut lesen und im Detail bearbeiten.

Wenn es darum geht, dass man Herr der Lage über eine Vielzahl an Texten werden möchte, sind das kursorische, diagonale und punktuelle Lesen beliebte Techniken, die Lesegeschwindigkeit zu steigern. Das Speed Reading und PhotoReading sind dagegen weiterentwickelte Methoden, für die es mehr als etwas Übung braucht. Nichtsdestotrotz sollte bewiesen sein, dass bestimmte Techniken durchaus dabei helfen, die wichtigsten Inhalte eines Textes zu erfassen.

Literatur

Beyer, Andrea/Rathje, Britta (2013): Methodik für Wirtschaftswissenschaftler. Neue Lehr- und Prüfmethoden für die Praxis, München.

Hörner, Gerhard (2013): Professionelles Speed Reading: Maximale Lesegeschwindigkeit – minimaler Aufwand, München.

Kuhn, Birgit (2010): Lesetechniken optimieren. Schneller lesen – leichter merken, München.

Schmitz, Wolfgang (2009): Schneller lesen – besser verstehen, Hamburg.

Weiterführende Literatur:

Buzan, Tony (1988): Speed reading. Schneller lesen, mehr verstehen, besser behalten, München.

Scheele, Paul (2004): Photoreading. Die neue Hochgeschwindigkeitslesemethode in der Praxis, Paderborn.

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