Wissenschaftliches Arbeiten in der Bachelorarbeit – Tipps und Tricks

Wissenschaftliches Arbeiten in der Bachelorarbeit
Teile diesen Beitrag mit Freunden:

17 Nov Wissenschaftliches Arbeiten in der Bachelorarbeit – Tipps und Tricks

Wissenschaftliches Arbeiten in der Bachelorarbeit und Masterarbeit ist für viele zunächst ein Buch mit sieben Siegeln. Es klingt wunderbar seriös und ist im Studium natürlich absolut unverzichtbar. Aber: Was konkret bedeutet es, von der Einleitung über den Hauptteil bis zum Fazit wissenschaftlich zu arbeiten? Und wie funktioniert es? Die Bachelorarbeit ist ein guter Zeitpunkt, um das herauszufinden. Wer dabei nicht mit vagem Halbwissen von Kapitel zu Kapitel zu stolpern will, ist bestens beraten, wenn er sich an die folgenden Grundregeln hält.

Relevanz und Klarheit der Forschungsfrage

Um eine solide Bachelorarbeit oder Masterarbeit abzuliefern, muss klar sein, worum es darin gehen soll. Deshalb steht das Finden und Formulieren einer Forschungsfrage an erster Stelle. Dafür muss man zunächst herausfinden, woran man Lust hat zu forschen. Meist kann man die eigenen Interessengebiete rasch aufspüren, indem man die vergangenen Semester Revue passieren lässt. Dabei ist es dem Schreiber überlassen, ob er sich in seiner Arbeit mit der Erforschung von Phänomenen, von selbst erhobenen Daten, von Theorien oder Begriffen befassen will.

Hat man eine Fragestellung gefunden, muss man im nächsten Schritt prüfen, ob sie für das eigene Fach wissenschaftlich relevant ist (die Universität Regensburg hat typische Probleme zusammengestellt, das Fehlen einer Forschungsfrage ist die Nummer 1.) Das heißt: Auch andere Akademiker haben sich bereits mit dem Thema beschäftigt, haben die eigene Fragestellung aber bisher noch nicht beantwortet. Ist dies der Fall, sollte auch die Realisierbarkeit des Forschungsvorhabens auf dem Prüfstand stehen. Hierbei gilt es, die zur Verfügung stehende Zeit, die materiellen Ressourcen und natürlich auch die eigenen Kompetenzen realistisch einzuschätzen (Sieh dazu auch den Blog der Universität Paderborn).

In einem letzten Schritt steht die präzise Formulierung der Forschungsfrage im Fokus (vgl. Bänsch/Alewell 2013: 28). Es lohnt sich hier ausgiebig mit Wortwahl und Satzbau zu experimentieren, damit die Frage unmissverständlich ist.

Logik und Roter Faden der Gliederung

Steht die Forschungsfrage auf sicheren Beinen, kann man ihr ein Geländer zur Seite stellen, an der sie sich durch den Text hangeln kann. Eine Gliederung zu entwickeln ist also der zweite Schritt wissenschaftlichen Arbeitens. Anhand von Hauptkapiteln, Unterkapiteln und Unterpunkten soll hierbei sichtbar werden, wie man vorhat die Forschungsfrage im Textverlauf zu beantworten. Es muss ablesbar sein, welche fachliche Methode und welche Inhalte hierfür herangezogen werden (vgl. Bänsch/Alewell 2013: 69). Dabei ist es wichtig, diese Informationen nicht wahllos, sondern logisch zu verbinden, denn die Gliederung ist als nachvollziehbare Argumentationskette zu verstehen. Jedes Kapitel baut auf das vorherige auf. Steht ein Kapitel in keinem logischen Zusammenhang zum nächsten, ist es fehl am Platz oder sogar verzichtbar.

Die Aufteilung der zu vermittelnden Inhalte in Hauptkapitel und Unterkapitel ermöglicht beim Beantworten der Forschungsfrage auch Exkurse. Hierbei sollte man beachten, stets den Hauptkapiteln mehr Platz und jedem Unterkapitel in etwa gleich viel Platz einzuräumen. Obgleich in Unterkapiteln lediglich Vertiefungen einzelner Aspekte ausgeführt werden, ist es wichtig, einen logischen Zusammenhang zwischen allen Haupt- und Unterkapiteln herzustellen. Nur auf diese Weise entsteht ein Textganzes, das einen Roten Faden aufweist. Darüber hinaus hat die Gliederung noch einen weiteren Nutzen. Wer im Zuge der Schreibarbeit Gefahr läuft sich zu verzetteln, kann dank ihr den Überblick über die eigene Arbeit behalten. Wer sich trotzdem um den roten Faden sorgt, erhält in einem Lektorat zu seiner Bachelorarbeit oder Masterarbeit wertvolle Hinweise.

Transparenz & Auswahl der Quellen

Wissenschaftliches Arbeiten bedeutet auch, den eigenen Weg zur Beantwortung der Forschungsfrage für den potentiellen Leser transparent und nachvollziehbar zu machen. Es muss offengelegt werden, auf welche Weise, das heißt mittels welcher Methoden und unter Zuhilfenahme welcher Quellen Wissen gewonnen wurde. Bezieht man sich auf selbstständig geleistete Forschungsarbeit, gilt es, das eigene Vorgehen zu begründen sowie nach Möglichkeit reproduzierbar zu machen (vgl. Kruse 2014: 23). Zieht man dagegen Forschungsmaterialien anderer für die eigene Argumentation zu Rate, beispielsweise in Form von selbst recherchierter Sekundärliteratur, gelten strenge Zitationsregeln. Das Zitieren fremder Arbeiten ohne dies erkenntlich zu machen, ist „Diebstahl geistigen Eigentums“ und hält keiner Plagiatsprüfung stand. (vgl. hierzu die Definition von Plagiat im Duden)

Doch nicht nur auf die richtige Zitierweise, auch auf die richtige Auswahl der Quellen kommt es an. Dabei ist es für die eigene Forschung natürlich wichtig, den bisherigen Wissensstand zum Thema kennen. Sekundärliteratur muss gewälzt werden, um bei der Beantwortung der eigenen Fragestellung zum Einsatz kommen zu können. Weil in Vorbereitung auf eine Abschlussarbeit meist aber deutlich mehr gelesen wird, als tatsächlich brauchbar ist, muss man die Quellen schließlich sorgfältig filtern. Nicht alles Wissen kann und darf Eingang in den Text finden (vgl. Theisen 2013: 46).

Sachlichkeit & Objektivität der Argumente

Zwei weitere Gütekriterien für wissenschaftliches Arbeiten lauten Sachlichkeit und Objektivität. Anstelle wahlloser Annahmen oder ungestümer Ausführungen müssen begründete Argumente zur Beantwortung der Forschungsfrage führen. Subjektive Meinungen und Urteile sowie Pathos und Polemik haben in einem wissenschaftlichen Text wie der Bachelorarbeit nichts zu suchen. Objektiv ist eine Aussage immer dann, wenn sie unabhängig vom Beobachter von diesem sachlich erläutert und logisch hergeleitet also bewiesen wird (vgl. hierzu die Definition von Objektivität im Wirtschaftslexikon von Gabler).

Das Ziel einer Forschungsarbeit ist es also, den potentiellen Leser nicht zu überreden oder zu manipulieren, sondern ihn durch eine gute wissenschaftliche Qualität zu überzeugen. Sollte eine persönliche, wertende Stellungnahme ab und an nicht vermeidbar sein, sollte diese in jedem Fall als solche deutlich gemacht werden. Übrigens müssen Sachlichkeit und Objektivität nicht zwangsläufig zu einem staubtrockenen Schreibstil führen. Rhetorische Finessen und der ein oder andere dramaturgische Kniff haben noch keiner Bachelorarbeit geschadet.

Wissenschaftliches Arbeiten ist kein Mysterium, sondern eine Technik, die klaren Regeln folgt. Ziel dieses Regelwerks sind eine relevante, präzise formulierte Forschungsfrage und ein logischer Weg zu ihrer Beantwortung – und zwar mit Hilfe korrekt zitierter Quellen und objektiver Argumente. Nicht zu unterschätzen ist dabei der Übungseffekt. Die Grundregeln kennen und genug Zeit haben, um sie zu verinnerlichen – so lautet also der Masterplan, der sicher zur erfolgreichen Bachelorarbeit führt.

Literatur

Bänsch, Axel/Alewell, Dorothea (2013): Wissenschaftliches Arbeiten, 11. Aufl., München.

Kruse, Otto (2014): Lesen und Schreiben, 2. Aufl., Stuttgart.

Theisen, Manuel-René (2013): Wissenschaftliches Arbeiten: Erfolgreich bei Bachelor- und Masterarbeit., 16. Aufl., München.

Teile diesen Beitrag mit Freunden:
Autor:


 

 

 

Send this to a friend