Was sind die Gefahren und Risiken beim Ghostwriting?

Gefahren Ghostwriting
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16 Nov Was sind die Gefahren und Risiken beim Ghostwriting?

Ghostwriting ist spätestens seit die Plagiatsvorwürfe gegen die Minister Guttenberg (2011) und Schavan (2013) bundesweit ruchbar wurden, nicht mehr zu leugnen. Neu eingereichte wissenschaftliche Texte, egal ob Bachelorarbeiten, Masterarbeiten oder Dissertationen, unterliegen von vornherein einem Generalverdacht. Wurde die vorgegebene akademische Leistung auch vom Studierenden selbst erbracht, ist die Frage, die oftmals unausgesprochen im Raum steht.

Mittels einer Plagiatsprüfung mit einer Software lässt sich ein Betrug ohnehin schnell feststellen. Dennoch gibt es immer wieder Studierende, die der Versuchung nicht widerstehen können und sogenannte akademische Ghostwriter mit der Abfassung ihrer wissenschaftlichen Texte betrauen.

Aber eins nach dem anderen. Zunächst ist die Frage, was akademisches Ghostwriting überhaupt ist – und, angesichts vieler Missverständnisse auf diesem Gebiet, was akademisches Ghostwriting nicht ist. Hernach sollte geklärt werden, ob es legal und lediglich moralisch fragwürdig ist, einen Ghostwriter zu beschäftigen oder ob dies juristisch illegal ist.
Und für den Fall, dass eine solche Beauftragung illegal wäre, ergäbe sich die Anschlussfrage, welche Konsequenzen der Auftraggeber in diesem Fall zu gewärtigen hätte.

Zu guter Letzt sollte man nicht die Augen vor der Wirklichkeit verschließen. Trotz der bekannten Risiken wächst der Markt für akademisches Ghostwriting. Angesichts dieser Risiken ist die Frage, ob es eigentlich auch lohnenswerte Alternativen zur Beauftragung eines Ghostwriters gibt. Dieser Artikel versucht, Licht ins Dunkel zu bringen.

Erscheinungsformen des Ghostwritings

Wenn man sich dem Thema Ghostwriting nähert, sollte man sich zunächst mit den verschiedenen Erscheinungsformen befassen.

Selbstverständlich lassen Politiker auch weiterhin ihre Reden und Vorträge von professionellen Ghostwritern verfassen. Manche von ihnen haben es selbst zu einiger Berühmtheit gebracht, wie zum Beispiel Klaus Harprecht, der Redenschreiber des Bundeskanzlers Willy Brandt („Mehr Demokratie wagen“) oder Theodore Sorensen, der Redenschreiber von US-Präsident John F. Kennedy („Fragt nicht, was Euer Land für Euch tun kann, fragt, was Ihr für Euer Land tun könnt.“). Auch dürfte klar sein, dass viele Unternehmen den Content für Firmenblogs, Newsletter, Webseiten etc. von externen Anbietern – also Ghostwritern – beziehen, und sich nicht selbst der Mühe unterziehen, diese Kanäle regelmäßig mit Inhalten zu befüllen.
Ja, und auch so mancher Prominente nutzte schon dankbar die Dienste eines Ghostwriters, zum Beispiel um ein Buch zu verfassen, besonders dann, wenn die eigenen Fähigkeiten limitiert sind oder sich die Talente des Prominenten auf einem anderen Feld befinden.

Der Ghostwriter – das unbekannte Wesen

Entgegen der wörtlichen Übersetzung sind Ghostwriter also äußerst lebendig. Es sind Auftragsschreiber, die ihr Können anderen Personen zur Verfügung stellen und gegen eine Entlohnung auf ihre Namensnennung verzichten. Bisweilen werden sie für Verlage tätig, für besagte Prominente, Politiker oder Unternehmen. In manchen Fällen kann der Name des Autors im Impressum genannt werden oder der Ghostwriter – zum Beispiel ein bekannter Journalist – tritt als Co-Autor in Erscheinung. Er kann auch in Form einer Danksagung geehrt werden.

Viele dieser Erscheinungsformen des Ghostwritings sind völlig unproblematisch, gesellschaftlich akzeptiert und juristisch nicht zu beanstanden. Lediglich das sogenannte akademische Ghostwriting bildet eine Ausnahme, wobei auch in der Welt der Wissenschaft das Ghostwriting weiterverbreitet ist, als man gemeinhin anzunehmen bereit ist (Hartmer/Detmar, 2017).

Rechtliches zum Thema Ghostwriting

Die Beauftragung eines Ghostwriters an sich ist noch harmlos. Es ist lediglich illegal, eine fremde wissenschaftliche Arbeit als die eigene Leistung auszugeben. Das verstößt gegen das Gesetz. Dazu im Folgenden einige Details.

Wie kommt ein Ghostwritingauftrag zustande?

Eine solche Verabredung kommt auf der Grundlage der in Deutschland geltenden Vertragsfreiheit zustande. Genau genommen handelt es sich bei diesem Auftrag um einen Werkvertrag nach §631 BGB, mit den sich daraus ergebenden Rechten und Pflichten. Der Autor verpflichtet sich zur Erstellung der vertraglich vereinbarten Leistung wofür er im Gegenzug das verabredete Honorar erhält.

Gleichzeitig überträgt der Ghostwriter die sogenannten Nutzungsrechte an seinem Werk an den Auftraggeber. (Wer es in Sachen Urheberrecht und Nutzungsrechte genau wissen will, erhält mehr Informationen bei der Universität Hohenheim)

Ist akademisches Ghostwriting völlig harmlos?

Aber ist akademisches Ghostwriting harmlos? Ja und Nein. Aber vor allen Dingen – Nein.
In einem Grundsatzurteil stellte das Oberlandesgericht Frankfurt am 01.09.2009 (Az.: 11 U 51/08) fest, dass eine Ghostwritervereinbarung mit dem eben beschriebenen Inhalt grundsätzlich nicht zu beanstanden sei. Es komme auf die in Rede stehende Erscheinungsform an. Bezogen auf das akademische Ghostwriting bedeute dies, dass beispielsweise die Erstellung von Vorstudien, Exposés oder Mustervorlagen legal ist.

Ungeachtet dieser rechtlichen Feinheiten plädiert der Deutsche Hochschulverband (DHV) seit Jahren für die Einführung eines neuen Straftatbestandes, nämlich den des sogenannten „Wissenschaftsbetrugs“ (Siehe dazu Zeit Online zum Thema). In Ermangelung des rechtsstaatlich gebotenen Bestimmtheitsgebots nach Artikel 20 III GG dürfte mit einer einheitlichen Kodifizierung eines solchen Straftatbestandes in absehbarer Zukunft allerdings nicht zu rechnen sein. Daher bleibt der gegenwärtige juristische Status quo intakt, wonach das Ghostwriting weder rechtswidrig noch strafbar ist – solange man die erlaubten Grenzen beachtet.

Also gibt es keine Risiken beim akademischen Ghostwriting?

Gibt es also keine Risiken beim Ghostwriting? Oh doch, die gibt es. Wer eine von einem Ghostwriter verfasste wissenschaftliche Arbeit als die eigene akademische Leistung ausgibt und dies auch noch mit einer eidesstattlichen Erklärung bezeugt und erwischt wird, muss mit schwerwiegenden Konsequenzen rechnen. Der Studierende würde sich nach §156 StGB strafbar machen und er müsste – je nach Prüfungs- bzw. Hochschulordnung der betreffenden Universität – mit der Exmatrikulation und einem Bußgeld rechnen (Theisen, 2017). Sicher hat man dann aber die die Masterarbeit oder Bachelorarbeit nicht bestanden.

Zudem wird der Studierende durch den Ghostwriter oder die Ghostwriting-Agentur erpressbar. Mit dieser Möglichkeit  muss er dann lebenslang rechnen. Darüber hinaus kommt es immer wider vor, dass Ghostwriter Plagiate produzieren. Diese fliegen dann in der Plagiatsprüfung der Hochschule auf. Ebenso häufig kommt es vor,  dass Betreuer selbst erkennen, dass etwas nicht stimmt. Das kann beispielsweise passieren, weil der Stil der Arbeit nicht einheitlich ist. Oft entspricht auch die Leistung der Bachelorarbeit oder Masterarbeit nicht dem Niveau, dass der Betreuer vom Studierenden kennt.

Lohnt sich Ghostwriting nun – oder nicht?

Also nochmal zusammengefasst: Sich von einem Ghostwriter Vorstudien, Exposés, Mustervorlagen oder Ähnliches anfertigen zu lassen, ist nach Ansicht des OLG Frankfurt legal. Hierbei handele es sich lediglich um eine Abklärung des gegenwärtigen Forschungsstandes.

Selbstverständlich sind sogenannte Nebendienstleistungen wie auch das Lektorat & Korrektorat, die nur beim wissenschaftlichen Arbeiten helfen, diese aber nicht für den Kunden schreiben und inhaltlich nicht in Texte eingreifen, völlig legal.
Nicht legal hingegen ist es, ganze wissenschaftliche Arbeiten vom Ghostwriter erstellen zu lassen und diese unverändert als die eigene Leistung auszugeben. Dies ist illegal.

Alternativen zum Ghostwriting

Aber jetzt mal ganz ehrlich: Es dürfte klar sein, was ein Studierender bezweckt, wenn er eine Ghostwriting Agentur beauftragt, juristische Spitzfindigkeiten hin oder her. Es mag wohl erlaubt sein, sich vom Ghostwriter eine „Mustervorlage“ oder „Studien“ für die eigene Bachelorarbeit oder Masterarbeit erstellen zu lassen.

Aber wäre das moralisch gesehen nicht dennoch problematisch? Hat man jahrelang teure Studiengebühren bezahlt und sich in überfüllte Hörsäle gequetscht, um sich am Ende mit fremden Federn zu schmücken?

Das muss nicht sein und viele Universitäten bieten lohnenswerte Alternativen an. Dies geschieht zum Beispiel in Form von Vorbereitungskursen, die Schritt für Schritt an das große Ziel heranführen. Während einer solchen Vorbereitung hat der Studierende ausreichend Gelegenheit, sich einen Überblick über das potenzielle Themengebiet zu verschaffen, eine Gliederung zu entwerfen und einen individuellen Zeitplan aufzustellen. Somit wäre das Gros der Vorbereitungen für die Bachelorarbeit bereits erledigt, bevor es richtig losgeht. Erst nach Abschluss der Vorarbeiten braucht die Arbeit angemeldet zu werden und die Uhr fängt an zu laufen.

Zudem können legale Services wie Umschreiben oder das Lektorat einer Bachelorarbeit den Studierenden helfen, die schon etwas zu Papier gebracht haben, die die sprachliche Qualität ihrer Arbeit aber als nicht gut genug einschätzen und die für ein wissenschaftliches Feedback zu ihrer Arbeit dankbar sind, auch wenn sie selbst dann die Änderungen vornehmen müssen.

Das Beispiel der Ruhr-Universität Bochum

Die Ruhr-Universität Bochum beispielsweise bereitet Studierende mithilfe von Intensivkursen auf typische Herausforderungen vor, vor die Verfasser von Bachelorarbeiten üblicherweise gestellt sind. So können Schreibblockaden überwunden werden, indem Techniken vermittelt werden, um diese zu meistern. Hierzu gehören zum Beispiel Schreibkurse, in denen der Studierende lernt, die Fachsprache sinnvoll anzuwenden sowie adressatengerecht, präzise und nachvollziehbar zu formulieren. Des Weiteren lernt man in diesen Kursen, wie man ziel- und ergebnisorientiert arbeitet (z.B. mit Exerpten und Bibliographien), logisch argumentiert, zwischen Fakten und Bewertungen trennt und schließlich die eigenen Ergebnisse kritisch würdigt. (Einen Überblick über das komplette Angebot der Vorbereitungskurse an der Ruhr-Universität Bochum)

Wie man sieht, gibt es lohnenswerte Alternativen zur Beauftragung eines Ghostwriters. Die Ruhr-Universität Bochum bildet da keine Ausnahme. Mögen bestimmte Aspekte des akademischen Ghostwritings legal sein – es ist und bleibt illegal, einen fremden Text als die eigene Leistung auszugeben.
Angesichts des Entdeckungsrisikos und der schwerwiegenden Konsequenzen sollte sich jeder Studierende die Angelegenheit also lieber zweimal überlegen.

Außerdem: Ist es nicht ein schönes Gefühl sagen zu können, man hat die Bachelorarbeit oder Masterarbeit aus eigener Kraft geschrieben?

Literatur

Theisen, M.R. (2017): Wissenschaftliches Arbeiten – Erfolgreich bei Bachelor- und Masterarbeit, 17. Auflage, München.

Hartmer, M./Detmer, H. (2017): Hochschulrecht – Ein Handbuch für die Praxis, 3. Auflage, Heidelberg.

Abkürzungen:

  • GG Grundgesetz
  • StGB Strafgesetzbuch
  • BGB Bürgerliches Gesetzbuch
  • Az Aktenzeichen
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