Fazit schreiben für eine Bachelorarbeit oder Masterarbeit – Tipps & Beispiele

Das Fazit schreiben für eine Hausarbeit, Seminararbeit, Bachelorarbeit und Masterarbeit
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07 Sep Fazit schreiben für eine Bachelorarbeit oder Masterarbeit – Tipps & Beispiele

Die Funktion des Fazits

Ein Fazit – auch Resümee, Ergebnis, Ausblick, Perspektiven, Zusammenfassung genannt (vgl. Oertner, St. John & Thelen 2014: 94; Rossig & Prätsch 2005: 76) – beinhaltet die prägnante Zusammenfassung der Ergebnisse sowie die Beantwortung der Forschungsfrage. Es stellt daher einen wesentlichen Bestandteil einer wissenschaftlichen Arbeit dar. Dabei ist es unerheblich, ob es sich um eine Bachelorarbeit oder um eine Masterarbeit handelt.

Der Schlussteil dient beispielsweise dazu, die Kernaussagen des wissenschaftlichen Textes zu wiederholen, sie dem Leser nochmals vor Augen zu führen und die Ergebnisse im Hinblick auf Zielsetzung und Problemstellung zu interpretieren (vgl. Winter 2004: 75). In diesem Zusammenhang wird die eingangs vorgestellte Forschungsfrage beantwortet, indem die Ergebnisse aus dem Hauptteil mit der Fragestellung verknüpft werden (vgl. Samac, Prenner & Schwetz 2014: 74). Aus dem Fazit ist sozusagen der Wissenszuwachs, der durch die vorliegende Arbeit erreicht wurde, herauszulesen.

Des Weiteren spiegelt sich im Fazit die Fähigkeit des/der Autors/Autorin wieder, komplexe Zusammenhänge zu verstehen und zusammenzuführen sowie Ergebnisse darzustellen (vgl. Brauner & Vollmer 2004: 121). Außerdem ist im Schlussteil Platz für einen Ausblick auf mögliche Forschungsvorhaben und für die Frage, wie die vorliegende Bachelorarbeit oder Masterarbeit in den Forschungskontext eingeordnet werden kann.

Ein Fazit ist jedoch nicht nur eine nochmalige Beschäftigung mit der Thematik der Abschlussarbeit unter einem anderen Blickwinkel, sondern vor allem auch eine Visitenkarte. Ein schlüssig geschriebenes und gut verständliches Fazit hinterlässt beim Leser einen kompetenten Gesamteindruck. Dies ist in der Regel der letzte Eindruck, den Du mit Deiner schriftlichen Arbeit hinterlässt. So kann ein schlecht und hastig geschriebenes Fazit einen negativen Beigeschmack beim Leser auslösen, der einen möglicherweise sehr gut geschriebenen Hauptteil unnötig überschattet (vgl. z. B. Franck 2004: 201).

TIPPS:

  • Beim Verfassen von Bachelorarbeiten und Masterarbeiten ist eigenständiges wissenschaftliches Arbeiten gefragt. Die Fähigkeit, neues Wissen generieren und interpretieren zu können, zeigt sich unter anderem im Fazit. Achte beim Formulieren also darauf, dass Du Deine Ergebnisse in einem angemessenen Licht präsentierst.
  • Versetze Dich beim Verfassen des Resümees in die Leserperspektive. Da sich ein Leser nicht so intensiv mit einer Thematik auseinandergesetzt hat wie Du, ist es für ihn hilfreich, wenn er die wesentlichen Aussagen und Kerngedanken noch einmal zusammengefasst lesen kann.

Aufbau und Inhalte eines Fazits

Die Länge eines Fazits richtet sich nach dem Umfang der schriftlichen Arbeit. Während eine kürzere Bachelorarbeit auch ein weniger umfangreiches Resümee benötigt (ca. zwei bis drei Seiten), sollte der Zusammenfassung der Ergebnisse, der Interpretation sowie dem Ausblick auf Forschungsvorhaben und dergleichen in einer umfangreicheren Masterarbeit mehr Platz eingeräumt werden (ca. drei bis fünf Seiten) (vgl. z. B. Brauner & Vollmer 2004: 117, Stickel-Wolf & Wolf 2013: 207). Esselborn-Krumbiegel empfiehlt, dass ein Resümee rund 5 % der Bachelorarbeit oder Masterarbeit umfassen sollte (vgl. 2002: 143).

Folgende Punkte sind wesentliche Bestandteile eines guten Resümees:

  • Zusammenfassung der wesentlichen Aussagen: Hier wird ein Überblick über die Struktur der Arbeit gegeben sowie die Ergebnisse der einzelnen Kapitel zusammengefasst (vgl. Oertner, St. John & Thelen 2014: 31). Dem Leser sollen die wesentlichen Aspekte nochmals in prägnanter Form vermittelt werden.
  • Die Beantwortung der Forschungsfrage: Anhand der Ergebnisse wird die eingangs gestellte Forschungsfrage beantwortet.
  • Kritische Würdigung: In einem Fazit soll die eigene Arbeit in den Forschungskontext eingeordnet werden. Der Geltungsbereich wird abgesteckt und kritisch eingeschätzt. Des Weiteren können in diesem Zusammenhang Kritikpunkte an der eigenen Arbeit erläutert werden, es kann eine selbstkritische Reflexion stattfinden und auf Beschränkungen sowie Fehlstellen verwiesen werden (vgl. z. B. Oertner, St. John & Thelen 2014: 31 und Winter 2004: 76).
  • Konsequenzen darlegen: Ein wichtiger Punkt ist auch das Formulieren von Schlussfolgerungen, die sich aufgrund der gewonnenen Ergebnisse ziehen lassen. Außerdem werden offene Fragen erwähnt, die sich im Verlauf der Forschungsarbeit neu gestellt haben. Zusätzlich ist es möglich, Forschungsvorschläge zu formulieren (vgl. z. B. Franck 2004: 199 und Samac, Prenner & Schwetz 2014: 74).

Abhängig von der Thematik der Arbeit ist es möglich, den Schlussteil mit einem sogenannten Ausblick zu beenden. Die gewonnenen Forschungsergebnisse werden in diesem Teil in die Zukunft projiziert, zudem können zukünftige Entwicklungen skizziert werden. Des Weiteren kann man auch auf die erwarteten Auswirkungen der Ergebnisse eingehen.

TIPPS:

  • Im Vergleich zu einer einfachen Hausarbeit oder Seminararbeit, wo erwartet wird, dass Du die Forschungsfrage anhand von bereits vorhandenen Forschungsergebnissen beantwortest, sollte bei einer Bachelorarbeit oder Masterarbeit nicht nur eine tiefergehende Interpretation der Ergebnisse erfolgen, sondern auch der Verweis auf zukünftige Forschungsarbeiten.
  • Mit Ausnahme des Ausblicks beziehen sich alle Teile eines Resümees auf das bereits Gewesene. Beachte dies bei der Verwendung der korrekten Zeitform!
  • Nicht jede Studie führt zu den erwünschten bzw. erwarteten Ergebnissen. Außerdem ist es möglich, dass aufgestellte Hypothesen und Rechercheergebnisse nicht korrelieren. Auch dies muss im Fazit erwähnt werden. Versuche nicht, etwas in das Fazit zu schreiben, das anhand des Hauptteiles nicht gezeigt werden konnte!

Das Verfassen eines Fazits

Beim Resümee handelt es sich um einen eigenständigen Teil der wissenschaftlichen Arbeit, der als ein abgeschlossenes Ganzes verstanden werden soll. Während in der Einleitung Fragen aufgeworfen werden und zum Thema hingeführt wird, ist das Fazit die Abrundung der ganzen Arbeit. Die eingangs gestellten Fragen werden wieder aufgegriffen und beantwortet. An dieser Stelle schließt sich der Kreis. Jedoch nicht, indem das Fazit eine einfache Wiederholung des bereits Gesagten ist, sondern indem im Resümee Schlüsse gezogen, Ergebnisse präsentiert, Konsequenzen gezeigt etc. werden.

Folgende Fehltritte solltest Du vermeiden:

  • Ausschweifende und langatmige Ausführungen sowie lange sinngemäße Wiederholungen des Hauptteiles. Bemühe Dich darum, die Ergebnisse kurz zusammenzufassen.
  • Vermeide es, eigene Beurteilungen Deiner Arbeit vorzunehmen. Ob es sich bei Deinen Ergebnissen um „wissenschaftlich wertvolle Ergebnisse“ oder um eine „lückenlos geschlossene Argumentationskette“ handelt, wird Dein Gutachter beurteilen (Bänsch & Alewell 2013: 86).
  • Zu reißerische Formulierungen führen dazu, dass der Text nicht mehr neutral ist. Dazu gehören zum Beispiel: selbstverständlich, tragisch, es darf nicht vergessen werden etc.
  • Die Dringlichkeit eines Themas sollte nicht unterstrichen werden, indem der Leser mithilfe eines Appells dazu aufgefordert wird, sich der Weiterführung der Forschung zu widmen.
  • Eigene Leistungen sollten nicht geschmälert werden! Falsche Bescheidenheit ist hier fehl am Platz.

TIPPS:

  • Es ist empfehlenswert, sich zunächst der Ausarbeitung des Hauptteiles zu widmen. Erst wenn die Ergebnisse feststehen, kann das Fazit geschrieben werden. Um eine gute Brücke zur Einleitung zu bilden, ist es ratsam, die Einleitung zum Schluss zu schreiben.
  • Um ein Fazit auf seine Aussagekräftigkeit zu überprüfen, ist es empfehlenswert, diesen Teil der Arbeit vom Hauptteil losgelöst zu lesen. Stell Dir die Frage, ob alle Ausführungen auch ohne Kenntnis des Hauptteiles nachzuvollziehen sind.

Quellenverzeichnis und weiterführende Literatur

Bänsch, Axel & Alewell, Dorothea (2013): Wissenschaftliches Arbeiten. 11. Aufl. München: Oldenbourg Verlag.

Brauner, Detlef Jürgen & Vollmer, Hans-Ulrich (2004): Erfolgreiches wissenschaftliches Arbeiten – Seminararbeit Diplomarbeit Doktorarbeit. Sternenfels: Verlag Wissenschaft und Praxis.
Esselborn-Krumbiegel, Helga (2002): Von der Idee zum Text – Eine Anleitung zum wissenschaftlichen Schreiben. Paderborn: Ferdinand Schöningh.

Franck, Norbert (2004): Handbuch Wissenschaftliches Arbeiten. Frankfurt: Fischer Taschenbuch Verlag.

Franck, Norbert & Stary, Joachim (2009): Die Technik des wissenschaftlichen Arbeitens. 15. Aufl. Paderborn: Ferdinand Schöningh.

Oertner, Monika; St. John, Illona & Thelen, Gabriele (2014): Wissenschaftlich Schreiben – Ein Praxisbuch für Schreibtrainer und Studierende. Paderborn: Wilhelm Fink.

Rossig, Wolfram E. & Prätsch, Joachim (2005): Wissenschaftliche Arbeiten. 5. Aufl. Weyhe: PRINT-TEC.

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