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PDF eBook E-Book Wissenschaftliches Arbeiten

Kapitel 2  … zur Praxis

Dieses Kapitel ist dazu gedacht, Dir die wesentlichen Charakteristika des wissen- schaftlichen Schreibens zu vermitteln. Zum einen ist Thema, welche Ansprüche an einen wissenschaftlichen Text gestellt werden, zum anderen wird Dir mit einem Überblick über das Formulieren, Zitieren und Formatieren die Grundlage gezeigt, wie diese Ansprüche erreicht werden können.

2.1 Wissenschaftliches Schreiben

Nachdem Du Dir einen Überblick über die Literatur zu Deinem Thema verschafft hast und Dir bereits Gedanken über eine erste Gliederung gemacht hast, solltest Du Dich mit den sprachlichen Eigenschaften des wissenschaftlichen Schreibstils auseinandersetzen. In diesem Kapitel findest Du die notwendigen Informationen dazu.

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und gegeneinander abwägen kannst, ob Du mit den formalen Anforderungen zurechtkommst und ob Du eine klare, objektive Sprache verwendest. Bei späteren, umfangreicheren Arbeiten wird zusätzlich die Qualität Deiner genuinen Forschungsarbeit beurteilt.

Stilistische Charakteristika

Was sind nun die stilistischen Anforderungen an die wissenschaftliche Sprache? Das Ziel ist, objektiv über die Sachverhalte des Themas zu schreiben. Zum einen müssen alle Aussagen korrekt sein und zum anderen müssen diese auch sachlich präsentiert werden. Vermeide Orthographie- und Grammatikfehler; auch Tippfehler sollten in einer wissenschaftlichen Arbeit nicht vorkommen. Durch Fehler bewirkst Du einen negativen Eindruck, Deine Arbeit wird nicht gern gelesen und wird noch viel schneller beiseitegelegt.

Einige Charakteristika haben sich eingebürgert, das sind z. B.: unpersönliche grammatische Konstruktionen (Passiv): Sprich den Leser nicht direkt an und nenne Dich selbst nicht (Ausnahme: Es handelt sich z. B. um einen Praktikumsbericht.) Der Gebrauch von Fachbegriffen ist notwendig, um die Materie exakt zu bezeichnen. Wortwiederholungen sind in wissenschaftlichen Texten nicht zwangsläufig ein stilistischer Fehler, denn es sollen immer dieselben Fachtermini auf denselben Sachverhalt hinweisen. Verzichte auf Schachtelsätze und verwende stattdessen mehrere kurze Sätze. Umgangssprache, Dialekt, Ironie und Humor dürfen in wissenschaftlichen Arbeiten nicht verwendet werden.

Nachfolgend wird Dir erklärt, auf welche Aspekte Du besonders Rücksicht nehmen musst.

Verständlichkeit

Der Inhalt wissenschaftlicher Arbeiten ist zumeist sehr komplex. Vermeide es, ihn durch den Gebrauch von zu vielen Fremdwörtern und Schachtelsätzen schwer verständlich zu machen. Je klarer und prägnanter Du formulierst, desto besser können Deine Aussagen nachvollzogen werden. Manche Wissenschaftler pflegen einen sehr komplizierten Schreibstil – lass Dich dadurch nicht beirren, denn die Wissenschaftlichkeit wird nicht durch komplizierte Formulierungen erreicht.

TIPPS UND TRICKS

Satzstruktur: Achte auf einfach gebaute, klar formulierte Sätze. Verwende lieber mehrere kurze Sätze als einen langen und kompliziert verschachtelten Satz. Wird in den Nebensätzen jeweils deutlich, worauf sich diese im Hauptsatz beziehen?
Fremdwörter mit Bedacht einsetzen!
Überlege Dir, wer Dein Zielpublikum ist! Bei Texten, die sich ausschließlich an Experten wenden, kannst Du mehr Fachwissen voraussetzen als bei Texten, die sich an eine breitere Leserschaft richten. Dementsprechend musst Du den Wissensstand Deiner Leser einschätzen und auch Deinen Schreibstil solltest Du daran anpassen. Erkläre alle Begriffe, die Du nicht als allgemeinverständlich voraussetzen kannst. Solche Erläuterungen können direkt im Text oder aber in einer Fußnote erfolgen.
Führe Deine Leser in das Thema ein! Auch hier solltest Du wieder daran denken, wer Deinen Text liest. Um die Verständlichkeit Deines Textes zu überprüfen, bietet sich ein Test an fachfremden Personen an.
Erkläre Deine Thesen einer Person ohne Vorwissen. Dadurch kannst Du überprüfen, ob Dein Schreibstil verständlich ist.

Wissenschaftlichkeit

Um Wissenschaftlichkeit zu erreichen, solltest Du Dich um einen möglichst deskriptiven, also nicht wertenden Schreibstil bemühen. Logik, Nachvollziehbarkeit der Aussagen und Perspektivenvielfalt sollten gegeben sein. Achte darauf, dass Du die einzelnen Quellen, auf die Du Dich beziehst, neutral beschreibst und relevante Aspekte hervorhebst.

MORALISCHE WERTUNGEN sind in wissenschaftlichen Arbeiten unpassend. Eigene Meinungen müssen mit Vorsicht behandelt werden, denn wenn Du Deine eigene Meinung vertreten möchtest, musst Du sie in Form von Thesen formulieren und anhand von Belegen herleiten können. Folgende Formulierungen solltest Du demnach vermeiden:

„Ich denke, es könnte…“
„Möglicherweise/Vielleicht“
„Meine Erfahrung ist, dass…“
„Viele sind der Meinung, dass…“
„Es ist schlecht/gut/unerträglich/…“.

Beachte hier, dass Deine Argumentation in einen wissenschaftlichen Kontext eingebettet wird und, gestützt auf Fachliteratur, nachvollzogen werden kann. Um Objektivität herzustellen, wurde lange Zeit auf das Wort „ich“ verzichtet. Heutzutage ist es von der Studienrichtung abhängig, ob dieser persönliche Bezug verwendet werden soll oder nicht. Wenn man das Wort „ich“ verwendet, dann im Vorwort und/ oder der Einleitung und im Fazit. Lediglich in Praxisberichten wird es auch außerhalb dieser Textteile verwendet.

TIPPS UND TRICKS

Argumentiere immer ausgehend von einer fundierten Quellenbasis.
Beachte die Grundsätze der Nachvollziehbarkeit bzw. Wiederholbarkeit von
Argumenten bzw. Experimenten.
Möchtest Du dennoch auf weiterführende Gedanken verweisen, dann formuliere das mithilfe einer Frage: „An dieser Stelle ließe sich auch die Frage danach stellen, ob…“). Auf diese Weise kannst Du Deine Gedanken einbringen, ohne sie als Forschungsthese herleiten zu müssen.

PRAKTISCHES BEISPIEL
(VERSTÄNDLICHKEIT UND WISSENSCHAFTLICHKEIT)

Weniger gut:

Ich möchte jetzt über die Thematik der Nachtschatten-Gewächse, welche ihnen sicherlich schon begegnet ist, schreiben bzw. reflektieren und außerdem weise ich darauf hin, dass diese Thematik von vielen Fachleuten, von denen es gar nicht so viele gibt, wie gemeinhin ja angenommen wird, als besonders schwierig bezeichnet wird.

Besser:

In der vorliegenden Arbeit soll sich mit dem Thema der Funktion des Enzyms XY im Stoffwechsel der Solanaceae (Nachtschattengewächse) auseinandergesetzt werden.

Dieser Gegenstand ist komplexer Natur, wie die hohe Anzahl an kontroversen einschlägigen Publikationen (s. grundlegend Mustermann 2014) nahelegt.

Im ersten Beispiel werden Dir folgende stilistische Fehler gezeigt: unübersichtlicher und zu langer Satzbau, Subjektivität, häufige Selbstreferenz und die Verwendung von Füllwörtern (Bsp.: aber, auch, eigentlich, ja etc.). Außerdem fehlen die Quellenverweise.

Wichtig ist hierbei, dass dies nicht nur einfache stilistische Mängel sind, sondern dass dadurch die Objektivität – und somit die Wissenschaftlichkeit – verletzt wird. Bedenke, dass Du durch solche Fehler schlechter benotet werden kannst.

Sonstiges

Zwar werden in Zwischenfazits sowie in Einleitung und Schluss oft zwangsläufig Inhalte wiederholt, doch solltest Du wörtliche Wiederholungen von Textstellen vermeiden.

Wichtig ist des Weiteren, dass Du vom eigentlichen Thema nicht abschweifst. Eine gute Vorbereitung, vielleicht ein Mindmap oder eine bereits kleinteilig ausgearbeitete Gliederung, ist für das wissenschaftliche Schreiben deshalb hilfreich. Wenn Du bemerkst, dass Du Dich beim Schreiben oft in irrelevante Bereiche verirrst, solltest Du Dich nochmals mit der Gliederung befassen.

TIPPS UND TRICKS

Wissenschaftliches Schreiben ist ein stetes Vor- und Zurückspringen und es ist in
den wenigsten Fällen möglich, eine Arbeit von vorne nach hinten durchzuschreiben. Oftmals beeinflusst die Praxis (Anwendung) wiederum den Theorieteil – und die Theorie wird zunächst als Basis für die Praxis gebraucht. Es ist also ganz normal, dass immer wieder Unsicherheiten auftauchen und Inhalte umstrukturiert werden müssen. Damit Deine Arbeit in sich stimmig wird, ist es empfehlenswert, dass Du Dich auch während des Schreibens mit der inhaltlichen Gliederung befasst.

Wissenschaftler, Wissenschaftler/innen oder Wissenschaftler und Wissenschaftlerinnen?

Die Geschlechterthematik solltest Du auch beim wissenschaftlichen Schreiben beachten. Wofür auch immer Du Dich entscheidest (Binnen-I, die Nennung beider Geschlechter, den Unterstrich oder die Nutzung einer einzigen Form), Du solltest dies zu Beginn Deiner Arbeit bei der ersten Nennung eines geschlechtsanzeigenden Begriffes in einer Fußnote erläutern.

Wenn im Text Bezug auf Personen genommen wird, sollten sowohl weibliche als auch männliche Formen adäquat verwendet oder am Anfang der Arbeit auf die Verwendung der weiblichen und männlichen Form hingewiesen werden – z. B. mit dem Vermerk: „Wenn im folgenden Text Bezug auf Personen genommen wird, wird der Einfachheit und besseren Lesbarkeit halber die männliche Form verwendet. Gemeint sind jedoch sowohl männliche als auch weibliche Personen.“

Korrektur

In wissenschaftlichen Arbeiten sind nicht nur die fachlichen, sondern auch die sprachlichen Anforderungen hoch. Fehler sollten in diesen Texten nicht vorkommen, weswegen die Korrekturphase einen wichtigen Stellenwert einnimmt. Neben dem Prüfen von Grammatik und Rechtschreibung solltest Du auch auf die Verständlichkeit und den Inhaltsverlauf hin Korrektur lesen. Lass Deine Arbeit von Bekannten lesen oder aber von professionellen Lektoren. Empfehlenswert ist auch, vor Abgabeschluss noch etwas Zeit zu haben und die Arbeit einmal zwei Tage ruhen zu lassen. Auf diese Weise entdeckst Du etwaige Unstimmigkeiten besser, die Dir in der Schreibphase entgangen sind.

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