ibooks
zmazon
PDF eBook E-Book Wissenschaftliches Arbeiten

Kapitel 6 Dissertationen

In diesem Kapitel wird das Basiswissen über wissenschaftliches Schreiben vorausgesetzt, d. h. Du solltest mit Quellen adäquat umgehen können, hast Übung bei der Literaturrecherche, beim Auswerten von Quellen und beim fachgerechten Formulieren. Außerdem weißt Du, wie Du eine Arbeit systematisch und logisch aufbaust. Demzufolge werden in diesem Kapitel lediglich die wesentlichen Aspekte, die Du speziell bei einem umfangreichen wissenschaftlichen Projekt, wie einer Dissertation, berücksichtigen solltest, thematisiert.

6.1 Wie findest Du Dein Thema?

Das Thema Deiner Dissertation solltest Du möglichst nach eigenen Interessen wählen, denn es ist schwieriger, die Motivation für ein fremdauferlegtes Thema, für das Du Dich nur leidlich interessierst, aufrechtzuerhalten. Da der Umfang mit ca. 250 bis 300 Seiten groß ist, solltest Du Dir also von Anfang an über die eigene Motivation, den Aufwand und die zu investierende Zeit im Klaren sein und Dir sicher sein, dass Du sowohl das Interesse als auch die Ausdauer besitzt, das Projekt zu planen, umzusetzen und zu Ende zu führen.

Beachte hinsichtlich der Themenfindung Folgendes:

  • Möglicherweise haben frühere wissenschaftliche Arbeiten (Seminar-, Bachelor- oder Masterarbeiten) bestimmte Forschungsfelder eröffnet, die in diesen Arbeiten jedoch nicht erforscht werden konnten.
  • Hast Du bereits ein bevorzugtes Fachgebiet und kennst Du eventuell bereits einen Teil der vorhandenen Literatur und bisherigen Forschungsprojekte und ­ergebnisse?
  • Nimm Einsicht in die Forschungsdatenbanken mit Dissertationsthemen Deines Fachbereichs! Du solltest sichergehen, dass Dein Thema zuvor noch nicht als Dissertation bearbeitet und eingereicht wurde. Jede Universität, jeder Fachbereich erstellt Listen über laufende und am Institut fertiggestellte Dissertationen. Außerdem sind im Katalog der Deutschen Nationalbibliothek alle deutschsprachigen Dissertationen seit 1913 verzeichnet.
  • Die Kenntnis bereits erforschter Themengebiete hilft Dir bei der
    präzisen Abgrenzung und Definition der eigenen Fragestellung. Die Auseinandersetzung mit thematisch ähnlichen Dissertationen liefert erste Hinweise für eine fachrelevante Literaturrecherche.

Verschaffe Dir frühzeitig einen Überblick über Deine Fragestellung

Als nächsten Schritt solltest Du Dir einen Überblick über die Quellenlage zu Deinem Thema verschaffen. Geeignete wissenschaftliche Literatur wie Fachbücher, Monografien, Zeitschriften und andere fachspezifische Veröffentlichungen – keine Wikipedia­Einträge und populärwissenschaftliche Online­Artikel – kannst Du in Universitäts- und Fachbibliotheken, Landesbibliotheken und elektronischen Volltext- oder Literaturdatenbanken recherchieren. Einen guten Überblick über die verfügbare Literatur liefern Fachdatenbanken, die Deutsche Nationalbibliografie, Verzeichnisse lieferbarer Bücher (VLB), WorldCat und andere Quellen.

Bezüglich der ausgewählten Quellen gilt: Qualität vor Quantität! Bereits in dieser Phase der Literaturrecherche solltest Du Dir Notizen machen, Themenschwerpunkte eingrenzen, die notwendige Literatur überblicken und der Frage nachgehen, ob sie lieferbar oder nur vor Ort – im Inland oder Ausland – einsehbar ist.

Bei einer wissenschaftlichen Arbeit dieses Umfangs ist die Gefahr groß, sich zu verzetteln. Achte darauf, dass Du richtig abwägst, welche Aspekte und Forschungsfragen für Dein Thema relevant sind. Verzichte auf Bereiche, die zu weit abseits liegen. Du beweist damit, dass Du Dein Thema beherrscht und dass Du systematisch vorgehen kannst.

Halte Dir vor Augen, dass eine Dissertation von 500 und mehr Seiten zwar auf jeden Fall mehr wiegt, aber deshalb nicht unbedingt „schwergewichtiger“ ist, d. h. innovativ. Auch ist sie später in der Regel schwieriger zu publizieren bzw. muss sie vor der Publikation noch gekürzt werden. Wesentlich ist, dass Du zu einem klar ausformulierten Thema neue Forschungsergebnisse lieferst, in einer fest definierten Zeit fertig wirst und die Dissertation zügig publizierst.

Suche Kritik und Hilfe!

Eine Dissertation ist ein großes Projekt, welches Dich über mehrere Jahre begleitet. Um zu vermeiden, dass Du Dich während der Entstehungszeit verrennst, ist es empfehlenswert, zu Deinem Betreuer einen guten Kontakt zu pflegen sowie Feedback und Meinungen anderer einzuholen. Alles im Alleingang durchführen zu wollen, ohne Austausch mit anderen zu suchen, ist eher hinderlich. Nachfolgend findest Du Informationen, die Dir diesbezüglich helfen können.

Ein nicht zu unterschätzender Faktor ist die Suche nach einem geeigneten Betreuer, der Dich fachlich begleitet, d. h. nach einem „Doktorvater“ oder einer „Doktormutter“. Idealerweise sollte Dein Betreuer nicht nur über fachspezifische, sondern auch über menschliche Qualitäten verfügen, um Dich über diesen Zeitraum zu begleiten. Betreuer helfen, ein Thema zu finden, das sich in drei Jahren bewältigen lässt, außerdem beraten sie bei inhaltlichen und methodischen Fragen und geben Anregungen. Suche regelmäßigen Kontakt, denn wenn Du Deinen Betreuer lediglich einmal aufsuchst und danach als Einzelkämpfer weitermachst, tust Du Dich! erfahrungsgemäß schwer und brauchst länger.

mentorium_9

Es ist empfehlenswert, im Vorfeld einen groben Themenplan zu erstellen. Mögliche Punkte, über die Du Dich mit Deinem Betreuer austauschen solltest, sind: das Thema selbst, Eingrenzung des Themas, themenrelevante Einzelaspekte, Kapitelgliederungen, Verfügbarkeit der Literatur, zeitaufwendige Archiv-Recherchen im Ausland oder der grobe Zeitrahmen. Auch wenn Du zwischendurch nicht mehr weiterkommst, solltest Du frühzeitig den Austausch mit Deinem Betreuer suchen. Vor allem in der Phase der Konzeption und der ersten unsicheren Schritte hilft Dir der Austausch gut weiter. Dabei ist es unerheblich, ob Du im Rahmen eines Forschungsprojekts, Doktorandenprogramms, Dozentenvertrags oder auf eigene Faust promovierst. Hat die Arbeit erst einmal „Fahrt aufgenommen“, dann können auch einzelne Kapitel zum Lesen eingereicht und das weitere Vorgehen diskutiert werden.

Eine weitere Möglichkeit zum fachlichen, inhaltlichen und persönlichen Austausch sind spezielle Treffen, bei denen sich Doktoranden fachübergreifend über Schwierigkeiten aller Art austauschen. Dein Betreuer kann Dir Doktorandenkolloquien oder Konferenzen empfehlen, in denen Du Dein Dissertationsprojekt vorstellen und Dir Anregungen holen kannst.

Vorausschauendes Planen und systematisches Vorgehen

Es ist zwar nicht einfach, einen Zeitplan für die nächsten Jahre zu erstellen, aber es hilft. Fragen, die Du in diesem Zusammenhäng klären musst, sind beispielsweise: Wie viel Zeit steht mir eigentlich zur Verfügung? Muss ich „nebenbei“ noch arbeiten? Sind Forschungsaufenthalte im Ausland nötig, die vorbereitet werden müssen? Genauso erfordern fachlicher Austausch und kritische Diskussionen Zeit. Zudem solltest Du immer Erholungsphasen einplanen und diese auch einhalten. Dadurch steigerst Du die Motivation an der Arbeit. All das bedeutet, dass Du schon zu Beginn der Arbeit an der Dissertation ans Ende denken solltest, um Hektik, Stress und Termindruck zu vermeiden.

In diesem Zusammenhang hilft die frühzeitige Erstellung von realistischen Zeit- und Arbeitsplänen sowie die Orientierung an diesen. Darin sollte auch Platz für unvorhersehbare Dinge enthalten sein. Solltest Du in Zeitnot geraten, musst Du abwägen: Ist es wirklich besser, ein sehr umfangreiches Werk abzugeben, oder kann das Thema zeitlich und inhaltlich abgespeckt werden? Ist Qualität wirklich von Quantität abhängig?

Beim Verfassen einer Dissertation bist Du hauptsächlich mit der Recherche, Konzeption und dem Schreiben der Arbeit beschäftigt. Dennoch musst Du auch Zeit für die redaktionelle Schlussdurchsicht einplanen (z. B. formale Vereinheitlichung, Umformulierung, Korrekturen). Sprachliche Fehler und eine uneinheitliche Formatierung solltest Du unbedingt vermeiden.

Sei Dir im Klaren darüber, was Du wissen willst!

Die Grundprinzipien, wie Du eine klar strukturierte Arbeit erstellst, bleiben auch bei einer Dissertation dieselben: Eine klare Leitfrage und die Ausrichtung an einem roten Faden sind für die eigene Forschung unentbehrlich. Analytische Genauigkeit und eine gezielte Sichtung relevanter Forschungsliteratur sind nur auf Grundlage dieser Leitfrage möglich. Aus Deiner zentralen Forschungsfrage entwickeln sich die Unterfragen, die für Dein Thema von Bedeutung sind. Sie stehen in einem engen Verhältnis zur Leitfrage. Wichtig ist, dass Du mit diesen Unterfragen keine neuen Forschungsfelder eröffnest, sondern dass Du dadurch Deine zentrale Forschungsfrage sinnvoll und folgerichtig beantworten kannst. Die entwickelten Unterfragen bilden die Basis für die Gliederung Deiner Arbeit und den Orientierungspunkt für Deine Literaturrecherche.

Als nächsten Schritt solltest Du Dir grobe Notizen zu Abschnitten und Kapiteln, zur Einordnung der Forschungsarbeiten anderer Autoren in die eigenen Gliederungspunkte, zum thematischen Ablauf und zur Dramaturgie der eigenen Argumentation machen. Wenn Du zu diesem Zeitpunkt die Literatur konsequent sammelst, auswertest und die genauen Quellen (mit Seitenzahlen!) festhältst, musst Du später nicht nachrecherchieren.

Eine Dissertation ist vor allem eine schriftliche Arbeit; Lesen, Sammeln und Recherchieren allein führen nicht ans Ziel. Aufgrund der Bearbeitungsdauer solltest Du parallel dazu bereits mit dem Schreiben anfangen, denn wenn Du dies auf einen späteren Zeitpunkt verschiebst, musst Du wahrscheinlich die bereits gelesene Literatur erneut heranziehen. Dadurch verlierst Du unnötig Zeit. Du solltest beim Recherchieren und Schreiben die zentralen Fragen zuerst bearbeiten. Dadurch vermeidest Du einerseits Zeitnot, falls Du Dich bei Nebenaspekten, die Du zuvor behandelt hast, verzettelst. Andererseits gewinnst Du dadurch Zeit, die Du später gezielt für Nebenbereiche und Neues verwenden kannst. Ein weiterer wichtiger Aspekt ist das kontinuierliche Schreiben: Versuche, jeden Tag 5 (oder mehr) Seiten zu schreiben. Wer regelmäßig dabeibleibt, muss sich nicht immer wieder neu einarbeiten.

Du solltest Dir außerdem überlegen, wie Du Deine Literaturrecherchen effektiv verwalten willst. Aufgrund der Fülle an Quellen leistet hier eine systematische Vorgehensweise gute Dienste. Literaturverwaltungsprogramme (z. B. Zotero, Citavi, EndNote) oder Deine persönliche Form der Literaturverwaltung helfen bei der zeitsparenden und qualitativen Auswertung der Forschungsliteratur. Es ist empfehlenswert, Quellenangaben und Literaturnachweise für spätere Literaturlisten schon jetzt in der richtigen Form zu erfassen. Du solltest den für Deinen Fachbereich empfohlenen Zitationsstil kennen und ihn auch einheitlich beibehalten.

Teile diesen Beitrag mit Freunden:

 

0800 589 3253

 

 

Send this to a friend