Der Sperrvermerk bei Bachelorarbeiten und Masterarbeiten

Tipps, Vorlagen, Beispiele für einen Sperrvermerk für Bachelorarbeit, Masterarbeit, Dissertation
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12 Mrz Der Sperrvermerk bei Bachelorarbeiten und Masterarbeiten

Was ist ein Sperrvermerk?

In einigen Studienrichtungen ist es gängige Praxis, eine Bachelorarbeit oder Masterarbeit in Kooperation mit einem Unternehmen anzufertigen. Davon profitieren sowohl Unternehmen als auch Studierende. Neue Erkenntnisse, die im Rahmen dieser Zusammenarbeit gewonnen werden, sind eine wertvolle Ressource für das Unternehmen; Studierende profitieren im Gegenzug vom Praxisbezug ihrer Forschungsarbeiten.
Dies geschieht entweder im Rahmen eines Arbeitsverhältnisses – d. h. dass der/die Studierende als Werkstudent angestellt ist und die Abschlussarbeit im Zuge dessen verfasst. Oder ein Unternehmen vergibt im Rahmen einer Forschungsarbeit Themen, die von Studierenden aufgearbeitet werden.

In beiden Fällen hat der/die VerfasserIn Zugriff auf sensible und vertrauliche Unternehmensdaten sowie Erfolgsstrategien, welche die Grundlage für die wissenschaftliche Aufarbeitung des gewählten Themas bilden. Diese firmeninternen Daten sind ein wesentliches Standbein eines Unternehmens, das zur Wettbewerbsfähigkeit beiträgt. Daher ist es verständlich, dass solche sensiblen Daten Unbefugten nicht weitergegeben werden dürfen.

Um dies zu gewährleisten, muss einer Bachelorarbeit oder Masterarbeit, die auf firmeninternen Daten aufbaut, ein Sperrvermerk hinzugefügt werden. Dieser besagt, dass die betreffende wissenschaftliche Arbeit in einem gewissen Zeitraum, der sogenannten Sperrfrist, nicht öffentlich einsehbar sein darf (vgl. Theisen 2013: 217). Die Dauer der Sperrfrist ist üblicherweise zeitlich beschränkt. Abhängig vom Thema und vom Unternehmen kann sie zwischen drei und fünf Jahre betragen (vgl. Dib, Langstrof & Petrasch 2005: 8). Ist die Sperrfrist abgelaufen, darfst Du wieder über Deine Bachelorarbeit oder Masterarbeit verfügen und sie der Öffentlichkeit zugänglich machen.

Alternative Bezeichnungen für den Sperrvermerk sind die Geheimhaltungsverpflichtung oder die Vertraulichkeitserklärung (vgl. Oertner, St. John & Thelen 2014: 30).

Für wen gilt der Sperrvermerk?

Da jede Prüfungsarbeit beurteilt werden muss, gilt ein Sperrvermerk einer Bachelorarbeit oder Masterarbeit nicht für die BetreuerInnen bzw. die GutachterInnen, welche die Arbeit beurteilen. Diese müssen selbstverständlich Zugang zur gesamten schriftlichen Arbeit bekommen, worunter auch sensible Daten fallen, um die Qualität der Bachelorarbeit oder Masterarbeit zu beurteilen (vgl. Stickel-Wolf & Wolf 2013: 263).

Um sicherzustellen, dass interne Unternehmensdaten, auf die im Rahmen von wissenschaftlichen Abschlussarbeiten zugegriffen wird, nicht unbefugt veröffentlicht und weitergegeben werden, ist es üblich, dass Mitglieder des Prüfungsausschusses sowie BetreuerInnen und der/die AutorIn selbst eine sogenannte Geheimhaltungserklärung unterschreiben. Diese gilt in der Regel für den gesamten Zeitraum der Sperrfrist (d. h. beispielsweise drei oder fünf Jahre).

Für den Fall, dass Du während des Studiums als Werkstudent in jenem Unternehmen arbeitest, für das Du Deine Bachelorarbeit oder Masterarbeit anfertigst, und einen Arbeitsvertrag unterzeichnet hast, musst Du in der Regel keine weitere Vertraulichkeitserklärung unterschreiben. In den meisten Fällen enthält nämlich Dein Arbeitsvertrag eine Regelung hinsichtlich der Behandlung vertraulicher Daten und Informationen.

Vorlagen für einen Sperrvermerk und Platzierung in der Arbeit

Der Text eines Sperrvermerkes ist in der Regel nicht vorgegeben, d. h. die Formulierung ist frei wählbar, da er zu den Vortexten einer wissenschaftlichen Arbeit zählt. Er fungiert als Hinweis, der darüber informiert, dass die betreffende Arbeit für einen gewissen Zeitraum gesperrt ist, da sie sensible Daten eines bestimmten Unternehmens enthält. Zur Vervielfältigung und Veröffentlichung ist nur die betreffende Firma berechtigt.

Eingefügt wird der Sperrvermerk vor dem Inhaltsverzeichnis. Abhängig davon, ob es in Deiner Arbeit eine Danksagung gibt, steht der Sperrvermerk entweder direkt nach dem Deckblatt oder nach Deckblatt und Danksagung (vgl. Leist 2010: 3). Beachte, dass ein Sperrvermerk kein Bestandteil des Inhaltsverzeichnisses ist und deswegen keine Seitenzahl erhält!

Im Folgenden findest Du Vorlagen, wie ein Sperrvermerk formuliert werden kann. Bei allen Beispielen handelt es sich um praxisbezogene Vorlagen, die von Hochschulen publiziert werden.

FH Münster:

Formulierung eines Sperrvermerks für eine Bachelorarbeit oder Masterarbeit

(Quelle: https://www.fh-muenster.de/fb6/downloads/studierende/pruefungsamt/Vorlage_Sperrvermerk.pdf)

Universität Heidelberg:

Beispiel Sperrvermerk Bachelorarbeit oder Masterarbeit

(Quelle: http://www.informatik.uni-heidelberg.de/images/perSemester/2016SS/2016-Leitfaden-zur-Erstellung-der-Bachelorarbeit.pdf)

Universität Köln:

Vorlage eines Sperrvermerks einer Masterarbeit oder Bachelorarbeit

(Quelle: https://wisotypo3.uni-koeln.de/sites/bpl/pdf/wissenschaftlicher_leitfaden/Leitfaden_Wiss_Arbeiten_2015_de.pdf)

Das Korrekturlesen und die Publikation einer Bachelorarbeit oder Masterarbeit mit Sperrvermerk

In der Originalfassung darf eine wissenschaftliche Prüfungsarbeit mit Sperrvermerk erst nach Ablauf der Sperrfrist anderen Personen zugänglich gemacht werden. Muss eine wissenschaftliche Abschlussarbeit vor dem Einreichen korrekturgelesen werden, so ist dies in manchen Fällen nach Absprache mit dem jeweiligen Unternehmen möglich. In der Regel muss der/die LektorIn eine Verschwiegenheitserklärung unterschreiben.

Es ist nicht möglich, eine wissenschaftliche Arbeit in Originalfassung vor dem Ablauf der Sperrfrist zu veröffentlichen. Du musst also die vorgegebene Zeit abwarten, danach erst darfst Du sie publizieren. Dabei spielt es keine Rolle, ob Du die Bachelorarbeit oder Masterarbeit in Buchform oder als PDF veröffentlichen möchtest.

Möchtest Du Deinen Text dennoch vor Ablauf der Sperrfrist publizieren, musst Du ihn überarbeiten. Dies ist üblicherweise mit viel Aufwand verbunden, zusätzlich wird die Aussagekraft Deiner Bachelorarbeit oder Masterarbeit reduziert. Entfernt werden müssen alle vertraulichen Unternehmensdaten. Des Weiteren müssen auch alle Daten und Informationen gelöscht werden, die einen Rückschluss auf das involvierte Unternehmen ermöglichen. Ratsam ist es, eine geplante Veröffentlichung mit dem betreffenden Unternehmen im Vorfeld abzusprechen, um danach nicht mit unliebsamen Konsequenzen konfrontiert zu werden.

Vorteile und Nachteile einer Kooperation mit einem Unternehmen

Die beiden größten Vorteile der Erstellung einer Diplomarbeit in Kooperation mit einem Unternehmen sind die Praxisbezogenheit der wissenschaftlichen Arbeit sowie die erhöhten Einstellungschancen nach Abschluss des Studiums. Wissenschaftliche Erkenntnisse können direkt im Arbeitsumfeld einer Firma erlangt werden, was die Aussagekraft einer Bachelor- oder Masterarbeit in vielen Fällen erhöhen kann. Forschungsergebnisse werden nicht fernab der Praxis gewonnen. Vielmehr beziehen sie sich direkt auf das zukünftige Arbeitsumfeld des Studierenden. Damit verbunden erhöhen sich auch die Einstellungschancen nach dem Studium. Der Arbeitgeber lernt Dich mit Deinen Stärken, aber auch Schwächen im Zuge Deiner Tätigkeit bereits kennen. Sollte sich herausstellen, dass die Zusammenarbeit gut ist, erhältst Du die Chance, als MitarbeiterIn angestellt zu werden.

Als Nachteil gilt die Schwierigkeit, die Interessen der Universität bzw. der Wissenschaft und jene der Firma unter einen Hut zu bringen. Unternehmen möchten sensible Daten nicht verbreiten, die Wissenschaft hingegen strebt nach einem Erkenntniszuwachs, der in Konflikt mit vertraulichen Daten steht. Dein Nachteil ist, dass Du Dich mit einer Bachelorarbeit oder Masterarbeit, die für die Öffentlichkeit gesperrt ist, nicht profilieren kannst, da Du sie nur unter strengen Auflagen und in überarbeiteter Weise veröffentlichen darfst.

Quellenangaben

Dib, Ramzi; Langstrof, Eva & Petrasch, Thomas (2015): „Anleitung für die Erstellung von wissenschaftlichen Arbeiten – Anleitung für Bachelor-, Master-, Doktor-und Projektarbeiten“. URL: https://www.iem.thm.de/iem/uploads/media/Anleitung_wissenschaftliche_Arbeiten_Dib-20150421.pdf. Letzter Zugriff: 10.03.2017).

Leist, Susanne (2010): „Richtlinien zur Anfertigung von wissenschaftlichen Arbeiten und Präsentationen“. (URL: http://www.uni-regensburg.de/wirtschaftswissenschaften/wi-leist/medien/vorlagen/formale_richtlinien_2011-05-23.pdf. Letzter Zugriff: 10.03.2017).

Oertner, Monika; St. John, Illona & Thelen, Gabriele (2014): Wissenschaftlich Schreiben – Ein Praxisbuch für Schreibtrainer und Studierende. Paderborn: Wilhelm Fink.

Theisen, Manuel René (2013): Wissenschaftliches Arbeiten – Erfolgreich bei Bachelor- und Masterarbeit. München: Franz Vahlen.

Stickel-Wolf, Christine & Wolf, Joachim (2013): Wissenschaftliches Arbeiten und Lerntechniken – Erfolgreich studieren – gewusst wie! 7. Aufl. Wiesbaden: Springer Gabler.

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Über den Autor:
marina.feidel@mentorium.de

Marina Feidel studierte Wirtschaftswissenschaften (Regionalmanagement) an der FH Eberswalde. Während ihres Studiums hat Frau Feidel bereits als Tutorin ehrenamtlich Studenten zum Thema "Wissenschaftliches Schreiben" betreut. In einem Redaktionsteam hat Sie an unserem kostenlosen und umfangreichen eBook (Ratgeber) zum Thema "Wissenschaftliches Arbeiten" mitgewirkt und dabei ihr Wissen und ihre Erfahrung in der wissenschaftlichen Betreuung von Studenten einfliessen lassen. Frau Feidel unterstützt mit ihren ehrenamtlichen Beiträgen zur Mentorium Wissensdatenbank auch in Zukunft Studenten bei der Erstellung von Hausarbeiten, Seminararbeiten, Bachelorarbeiten und Masterarbeiten.



 

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